Personal Trainer all inclusive
   Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringt.

Willkommen in meinem Trainingstagebuch

Dienstag, 31.07.19

Gewicht: 61,2 kg

Liebes Tagebuch,

es ist eine Weile vergangen, dass ich dich das letzte Mal mit frischen Worten beglückt habe. Dies liegt in erster Linie an der fehlenden Zeit und Muße. Ich möchte nicht einfach irgendwelche Worte nieder hämmern nur um des Schreibens Willen. Zum Einen gefällt mir das Resultat dann nicht und zum Anderen muss das Schreiben in einer Art Flow stattfinden. Und so passiert es, dass ich hin und wieder über längere Zeit nichts schreibe. Eigentlich fehlt mir das Schreiben sogar sehr, da es mir außerordentlich Freude bereitet. Aber ich konnte und wollte es die letzten Wochen nicht erzwingen. Aber nun möchte ich dich ein kleines Bisschen “updaten”.

Die letzten Wochen habe ich mit sehr viel Arbeit in der Apotheke verbracht. Mein sportliches Trainingsprogramm bestand aus Rudern und verschiedenen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie hier und da sogar ein paar Zusatzgewichten. Mein läuferischer Output lag leider bei 0,0. Aber was heißt leider? Ich muss ehrlich gestehen, dass mich mein Alternativprogramm sehr zufrieden gestellt hat und das Laufen zu keinem Zeitpunkt wirklich fehlte. Meine Plantarfasziitis hatte sich mit jedem weiteren Tag ohne Laufen immer mehr verdünnisiert. Bis schließlich in meinem normalen Alltag nichts mehr zu spüren war. Mit dem stabilen Gefühl in meinen Füßen kam dann auch sukzessive wieder der Gedanke ans Laufen zurück. Sollte ich vielleicht mal wieder starten? Die Laufschuhe schnüren und die sportliche Welt jenseits unserer Terrasse erkunden? Denn alles, was ich derweil sportlich produzierte fand auf unserer Terrasse statt. So konnte ich zwar das schöne Wetter genießen, hatte allerdings eine relativ eingeschränkte Abwechslung hinsichtlich meiner Umgebung. Nur auf meinen Fahrten mit dem Fahrrad hatte ich eine kleine Variation. Wobei ich diese Fahrten verrückterweise oft gar nicht so richtig als „Training“ sehe. Für mich ist diese Art des Fahrradfahrens, so wie ich es dann jeweils betreibe, eher aktive Regeneration.

Am vergangenen Wochenende hatte ich eine Fortbildung in München zum „Certified Food Spezialist“ und meine Gedanken gingen das erste Mal ganz konkret in Richtung “Lauf-Neustart”. Mein Hotel in München lag sehr nah am Englischen Garten und es war geradezu perfekt dafür geeignet hier meine ersten Einstiegslaufkilometer zu absolvieren. Nach langem hin und her entschloss ich mich doch für ein Wochenende im Zeichen des Workshops. Ich wollte mein Lauf-Comeback doch erst zu Hause starten.

 

Und dies tat ich heute. So weckte uns heute Morgen der Wecker um 5:45 Uhr und meine ersten Gedanken des Tages beschäftigten sich seit langem wieder mit der bevorstehenden Laufrunde. Bevor die Laufschuhe geschnürt wurden gab es allerdings noch ein paar Übungen für die Füße. Das neu erworbene Wissen aus dem Workshop wollte schließlich gefestigt werden. Um kurz nach sechs ging es dann los. Die ersten Schritte fühlten sich gar nicht so schlecht an. Allerdings durchaus ungewohnt. Die zweiten und dritten Schritte fühlten sich noch immer etwas fremd an. Mein Kreislauf und meine Ausdauer waren recht unbeeindruckt von der Laufbewegung. Das Training auf der Rudermaschine und dem Rad hatten seine positiven Spuren hinterlassen. Die laufspezifische Muskulatur hingegen meldete sich nach und nach mit widerspenstigen Gefühlsregungen. Was sollte denn diese ungewohnte Bewegung auf einmal? Mein Körper war adaptiert an Rudern und die ein oder andere Ganzkörperübung. Aber längeres Laufen am Stück war in den letzten Wochen aus Effizienzgründen rausgeflogen aus meinem Bewegungsrepertoire. Mein Ziel waren heute 30-45 Minuten ruhig laufen. Allerdings wollte ich mich für den Anfang tatsächlich mit 30 Minuten begnügen. Wir liefen eine unserer Mini-Feldrunden, die aus meiner Erinnerung heraus eine Runde zum Regenerieren war. Quasi das, was man früher mal gelaufen ist, wenn man eigentlich Ruhetag hatte. Aber für mich hatte sich einiges verändert, was die Klassifizierung von Laufstrecken anging. Dabei waren es gerade mal ein paar Monate, in denen ich so komplett laufabstinent gewesen war. Mein Fuß blieb den Lauf über still und schmerzfrei. Er sagte nichts zu meinem Plan wieder mit dem Laufen zu starten. Nach 30 Minuten und ein paar Sekündchen erreichten wir wieder unser zu Hause. Ich stoppte die Uhr und bekam die Meldung, dass ich nun 19 Stunden Erholungszeit benötigte. Mir entglitt ein belustigtes Gekicher. 30 Minuten locker Traben hatten mich doch ganz schön angestrengt. Irgendwie süß, wenn ich so darüber nachdenke, was ich schon für Umfänge geschrubbt habe. Aber der Körper ist nun mal in Sachen Ökonomie nicht zu schlagen. Alles was nicht benötigt wird, wird abgebaut. Alle erworbenen, sportartspezifischen Anpassungen gehen verloren. Aber zum Glück besitzen wir auch einen Memory-Effekt, der sich, wie der Name schon sagt, an all die Dinge erinnert und reaktiviert, die man in seinem Leben einmal konnte. Ob man jemals wieder das gleiche Niveau erreicht ist wieder eine andere Sache und von vielen Faktoren abhängig. Ich denke oft an die Zeit zurück, in der ich das Gefühl hatte, dass meine Beine alleine laufen und daran wie ich meine persönlichen Bestzeiten immer wieder aufs Neue geknackt habe. Ein wunderbares Gefühl zu spüren, dass man sich noch weiterentwickelt. Ich würde natürlich unheimlich gerne dort wieder anknüpfen. Dies setzt aber voraus, dass mein Körper das möchte und keine Weh-Wehchen entwickelt. Für den Moment habe ich mir einen Plan geschrieben, in dem ich ganz langsam wieder die Laufeinheiten steigere. Ich habe sogar einen kleinen Traum, aber diesen empfinde ich gerade noch als zu unrealistisch und daher möchte ich erst abwarten, was meine Strukturen zu den Laufeinheiten sagen.

Nach meinem Läufchen und dem verdienten Frühstück ging es zur Arbeit. Der Ort, an dem ich mich irgendwie derweil am meisten aufhalte. Aber zum Glück wird dies jetzt bald wieder anders. In meinem Workshop am Wochenende habe ich viel über die Auswirkung des visuellen Systems auf unseren Körper gelernt. Die Augen und der visuelle Input ist bei uns Menschen ein wesentliches Kriterium und maßgeblich daran beteiligt, wie gut wir uns bewegen. Es gibt einfache Methoden, die man immer wieder in seinem Alltag praktizieren kann, um seine Sehkraft und auch die Qualität der Bewegungen zu verbessern. Dies habe ich heute immer wieder getan. Es sieht natürlich etwas irre aus und ein stiller Beobachter würde wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass ich anscheinend ein paar Pillen zu viel eingeworfen habe, aber dies ist mir einerlei.

In meiner Mittagspause habe ich einen Spaziergang in einen Park gemacht und mich mit einer Decke zu den Enten gelegt. Dabei habe ich meine Schuhe ausgezogen und habe bewusst den direkten Kontakt zum Gras und der Erde gesucht.

 

Während ich die Erdung und die niedlichen Enten um mich herum in vollen Zügen genossen habe, ging es thematisch für mich wieder zurück in die Welt der Entspannung. Mein aktuelles Thema ist die Kinesiologie. Interessant ist, dass auch hier viel über Augen und augenbezogene Übungen gelehrt wird. Ich finde in allen Bereichen, in den ich mich weiterbilde, immer wieder Schnittpunkte, was das Ganze noch spannender macht.

 

Nach einer entschleunigten Mittagspause ging es wieder zurück in die Apotheke für Teil zwei meiner Arbeitsschicht. Meine Ernährung habe ich seit ein paar Wochen wieder etwas modifiziert. Die letzten Monate hatte ich durchaus recht stärkereich gespeist, sprich mein Kohlenhydratanteil lag recht hoch, was mir auch ein paar extra Kilos generiert hat. Um meinen Stoffwechsel wieder auf Fettstoffwechsel zu programmieren habe ich dies wieder geändert. Unser Körper ist es übrigens aus evolutionärer Sicht gewohnt schwankende und variierende Nahrungszusammensetzung zu bekommen. Und so verputze ich wieder Mahlzeiten aus Magerquark, Nüssen, Samen, Saaten, unterschiedlichen Eiweißpulvern (Hanf-, Erbsen- oder Reiseiweiß) und Beerenobst aus dem eigenen Garten.

 

Man kann hier sehr viel abwechseln und es wird nie langweilig. Es gibt so viele verschiedene Nusssorten bzw. Samen, Saaten und Co. Für mein recht aktives Abendprogramm war ich so in jedem Fall gut vorbereitet. Um 18:00 Uhr ging es mit dem Fahrrad in den Reitstall, wo ich mich bereit erklärt hatte beim Strohabladen zu helfen. Dies sieht dann so aus, dass man mit ein paar anderen Helferlein auf einen Anhänger mit gepressten Strohballen klettert und die Strohballen auf ein Förderband schmeißt, damit diese von dort aus ins Lager transportiert werden. Dies ist schon ein kleines Workout und bei den warmen Temperaturen eine feucht, klebrige Angelegenheit. Mit den vielen Strohfusseln ist man danach wunderschön paniert. Nach dem Strohballen-Intermezzo habe ich mich dann noch um mein kleines Pony gekümmert. Mein Magen fing langsam aber sicher an zu knurren und ich freute mich immer mehr auf mein bevorstehendes Abendessen. Aber erst musste ich noch mit dem Fahrrad 12 km nach Hause fahren.

Und so radelte ich voller Vorfreude und knurrendem Magen gegen 20:00 Uhr los. Mit jedem gefahrenen Kilometer vertieften sich meine Gedanken in der Kreation meines Abendessens. Die Speichelproduktion startete auch schon voller Erwartungen auf das verdiente Futter. Ich hatte nicht ganz die Hälfte geschafft, da verspürte ich ein ungutes, schwimmendes Gefühl des Vorderreifens. Kein Platten! Bitte, nicht schon wieder! Ich hatte in diesem Monat bereits einen Platten gehabt, was mir meinen Heimweg und meine Feierabendgestaltung ziemlich über den Haufen geworfen hatte. Ich rollte vorsichtig weiter und aus der Befürchtung wurde Realität. Ich hatte schon wieder einen Platten. Da mein Freund Notdienst hatte und in der Apotheke eingesperrt war, konnte er mich nicht retten kommen. Ich musste alleine nach Hause wandern. Das Schlimmste war der wachsende Hunger bzw. meine Erwartungshaltung auf das Essen. Ich hatte mich schon so darauf gefreut jetzt gleich etwas zu bekommen. Und nun musste ich noch eine ganze Weile wandern. Nach einem kurzen Moment des Schimpfens wurde ich ruhig. Ich muss immer wieder lernen, dass man nicht alles planen kann und das Leben einem immer wieder Verbesserungsvorschläge serviert. Und so hatte das Schicksal heute eine kleine Portion Wandern für mich, zwar nicht auf dem Jakobsweg, aber Weg ist Weg. Neben mir quietschte der platte Reifen auf dem Asphalt. Mit der Zeit wurde es fast zu einer Art Melodie und ich fand meinen Wanderrhythmus. Das Tageslicht schwand so allmählich dahin und die Wolken färbten sich in ein wunderschönes Rosa. Das hätte ich ohne Platten in der Form nicht erlebt. So hat doch alles seine guten Seiten. Mit einem mächtig ausgeprägten Hunger war ich dann gegen zwanzig vor zehn zu Hause. Überglücklich konnte ich endlich mein Abendessen verputzen. Und das war ein einziger Genuss und nicht zu toppen. Ein Hoch auf den Hunger, die Ausnüchterung und meinen kleinen Überraschungsplatten.


Donnerstag, 30.05.19

Gewicht: 61,5 kg

Liebes Tagebuch,

es ist Vatertag und kein normaler Werktag. Dennoch schepperte heute morgen um 5:00 Uhr unser Wecker und beendete die Nachtruhe. Mein Freund musste heute morgen früh raus und so war für den Moment Schluss mit Feiertag. Obwohl ich mich wieder umdrehen konnte und hätte weiterschlafen können, war ich wach. Ich probierte eine halbe Stunde lang nochmal abzutauchen in die Welt der Träume, aber es tat sich nichts. Kein Wunder eigentlich. Schließlich hatte ich mich gestern mit einem ziemlich anstrengenden Rudertraining, Arbeitstag und Ponyreiten ziemlich platt gemacht und war bereits um 20:00 Uhr auf der Couch in den Tiefschlaf-Sphären verschwunden. Somit hatte ich eine ausreichend lange Nachtruhe hinter mir. Heute wollte ich vor dem Frühstück wieder einen kleinen Lauf starten. Nach einer wochenlangen Lauf-Abstinenz hatte ich letzten Dienstag, also vor zwei Tagen, mit einem halbstündigen Läufchen wieder angefangen. Aller Anfang ist irgendwie schwer. Auch für mich. Heute morgen wartete ein durchwachsener, eher trüber Tag auf mich. Ich zog mir meine Laufsachen an und trat vor die Haustür. 

Mir wehte ein recht kühler Wind entgegen. Kein schönes Feiertags-Wetter. Aber wie heißt es so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Also los. Ich setzte mich in Bewegung und das, was ich fühlte, gefiel mir nur mittelgut. Mein Körper war eine einzige Blei-Skulptur. Beine schwer, Körper schwer, alles schwer. Der gestrige Tag war präsenter, als ich es erwartet hatte. Mein linker Fuß, der mir meinen Marathon-Start ruiniert hatte, fühlte sich ebenfalls nur mäßig an. Trotz der Laufpause stagnierte der Zustand auf einem bestimmten Niveau. Es war nicht mehr allzu schlimm, aber weg und vollständig im Saft war das Füßchen bei weitem nicht. Ich lief gegen den Wind hinaus aufs Feld. Eigentlich fühlte sich das, was ich da tat, schrecklich an. Sogar mein Gesicht fühlte sich an, wie mit Blei aufgespritzt. Ich probierte mich an dieses leichte und dynamische Gefühl zu erinnern. Mit jedem Schritt und jeder weiteren Windböe fühlte sich mein Körper zunehmend besser an. Mein Zustand stabilisierte sich so weit, dass aus der anfänglich angepeilten halben Stunde sogar 50 Minuten wurden. Der Fuß hatte sich auch gut eingelaufen und nach dem Lauf wurde ich belohnt mit dem guten Gefühl, das sich nach Sport im Körper entfaltet. 


Mit diesem Gefühl war das bevorstehende Frühstück direkt ein doppelter Genuss. Ich liebe es mit einem frisch ertüchtigten Körper, frisch geduscht vor einem leckeren Frühstück zu sitzen und den leckeren Duft von Kaffee zu inhalieren. Heute gab es einen Quark mit Kokosmilch, Weizenkleie, Hefeflocken, Kokosmehl, Paranüssen, Mandeln, Maulbeeren, Gerstengraspulver und einer halben Mango. 


Mal wieder etwas aus der Reihe und anders als sonst. Einfach weil es geht und Abwechslung trumpf ist. Oft klebe ich für eine gewisse Zeit an einer Routine fest, egal ob im sportlichen oder auch essenstechnischen Bereich. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich wieder etwas ändern möchte. Und dieser Punkt war heute morgen gekommen. Wahrscheinlich wieder nicht für immer und auch nur in einem bestimmten Rahmen. Streng genommen müsste ich noch viel öfters modifizieren, aber leider ist die Routine so herrlich attraktiv und einfach. Nach dem Frühstück habe ich noch ein paar häusliche Tätigkeiten absolviert. Danach ging es dann weiter zum Pony, um mit ihm ein kleines Vatertags-Workout zu machen. Auch wenn der kleine Möchtegern-Hengst nie in den Genuss gekommen ist Kinder zu produzieren. 


Pferde und Ponys haben übrigens auch mal keinen Bock. Manchmal sogar öfters. Aber hin und wieder sind sie auch höchst motiviert. Heute war eher ersteres der Fall. Schließlich hatte ich ihn ja bereits gestern mit Aktivität geärgert. Obwohl ich heute nur ein wenig lockere Stangenarbeit vor hatte, war der kleine Zwerg wenig begeistert, was sich wie folgt darstellte: Frauchen mühte sich ab, war vollkommen verschwitzt und kaputt und das Pony war pulvertrocken und unbeeindruckt von jeglichen Bemühungen des Zweibeiners oben drauf. 

Ich habe dir mal einen Sreenshot von meinem Puls-Profil gemacht. Die erste Kurve zeigt meinen heutigen Lauf. Die zweite Kurve meinen Ritt. So viel zum Thema Reiten ist kein Sport. 


Nun ging es wieder nach Hause, um hier noch ein bisschen rumzukrämern, zu lernen, zu futtern, Emails zu beantworten und meine Einsendeaufgaben für mein Fernstudium abzuschicken. All die wunderbaren Dinge, die man an einem freien Tag so fabriziert. Außerdem durfte ich noch eine liebe Freundin zum Kaffee begrüßen, was ein wunderbares, wortreiches und kurzweiliges Intermezzo für mein kleines Frauenhirn darstellte. Frauen können ja so wahnsinnig viele Wörter innerhalb kürzester Zeit absondern, aber auch resorbieren. 

Und nun werde ich noch etwas weiter wuseln, essen und ausruhen. Ach ja und die Wäsche aufhängen, die schon eine Weile in der Waschmaschine darauf wartet raus gelassen zu werden. Ich kann sie förmlich hören, wie sie leise und eindringlich flüstert: "Hol mich endlich hier raus, sonst wirst du mich nie wieder entknittern, egal wie oft du mit deinem Bügeleisen über mich drüber rutschst!" 
In diesem Sinne wünsche ich dir eine knitterfreie, gesunde Zeit. Bis bald!


Donnerstag, 25. April 2019

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegen ein paar wundervolle Tage jenseits der Routine. Spontan hatte ich mich Ende letzter Woche dazu entschlossen von Montag bis Donnerstag einen kleinen Kurzurlaub mit meiner Mutter zu unternehmen. Auch wenn die ein oder andere Gehirnzelle empört aufschrie und meinte, dass das doch sicherlich nicht gehen würde. Ich ignorierte das Gemecker und ließ den Alltag hinter mir und machte mich Montag auf den Weg nach Norddeutschland. Ich freute mich riesig auf viel Zeit mit meiner Mutter, die schöne Landschaft, die Salzwiesen, das Meer und natürlich den Wind. Wobei es den Wind zurzeit in Lippstadt auch umsonst gibt. Das Wetter fand den Plan von dem gemeinsamen Mutter-Tochter-Urlaub anscheinend auch ganz nett und servierte uns ein fabelhaftes Programm mit viel Sonne und strahlend blauen Himmel. Ich verbrachte die Tage nebenbei auch mit viel geistigem Input, um meinem Ziel jeden Abend ein Stückchen "schlauer" ins Bett zu gehen, als ich morgens aufgestanden bin, gerecht zu werden. Ansonsten verbrachten wir die Zeit mit Rad fahren, spielen, reden, essen und noch mal reden.


Im nu waren die Tage rum und meine heutige Abreise stand an. Nach einer etwas stürmigen und gewittrigen Nacht, öffnete ich heute Morgen etwas gerädert die Augen. Ob ich heute wohl noch eine kleine Runde laufen sollte? Schließlich würde ich den restlichen Tag noch viel Zeit in sitzender Verfassung verbringen. Ich schälte mich aus dem Bett und stapfte die Treppen runter. Erstmal wach werden. Nach einem erfrischenden Besuch im Bad zog ich mir meine Laufsachen an. Ich zog meine Fivefingers an und machte ein paar Beweglichkeitsübungen bzw. Kleinhirnaktivierungsübungen. Ein wenig zäh war mein Körper schon. Die Waden fühlten sich beidseitig etwas verkatert an. Ich hatte sie die vergangenen Tage immer wieder mit Wadenheben gefoltert. Mein Problem-Fuß hatte sich nach einer einwöchigen Ruhephase ziemlich schlecht angefühlt und darauf hin hatte ich entschieden, dass das auch nicht das Richtige ist. Ein paar gezielte Übungen sollten ihn jetzt wieder fit machen. Heute wollte ich ihn nochmal mit einem kleinen, entspannten Läufchen beglücken. 

Nach meinem Warmup ging es los Richtung Deich. Der Fuß hatte sich in der Tat auch schon schlechter angefühlt. Er war wesentlich besser, als vor zwei Tagen. Dies war natürlich kein Grund ihn nun an seine Grenzen zu treiben. Ich wollte einfach ein letztes Mal die salzige Luft und den weiten Blick über die flache Landschaft und das Meer genießen. Diese Weite tat gut. Nach einer halben Stunde war ich wieder zurück und fühlte mich gut. Trotz dieses guten Gefühls dachte ich nicht eine Sekunde darüber nach am Sonntag den Marathon doch zu laufen. Der Haken hinter dem Marathon ist gesetzt. Jetzt mag der ein oder andere einen fehlenden Kampfesgeist bemängeln. Jeder fällt seine Urteile über Dinge, die andere Menschen tun oder nicht tun. Jeder Mensch geht anders mit gewissen Lebensumständen um und hat zudem auch unterschiedliche Motive, Gründe und Antriebe für das Umsetzen verschiedener Ziele. Für mich war dieser Marathon in Düsseldorf der Versuch nach meinem Beinbruch wieder zurück zu kommen. Aber wenn ich Anfang des Jahres auf meinen Körper gehört hätte, dann hätte ich gehört wie er immer wieder leise flüsterte:"Nein, ich will das noch nicht." Aber der Kopf war zu laut, um dieses Geflüster zu hören. Vielleicht hätte die ganze Angelegenheit auch noch eine gute Wendung genommen, wenn sich beruflich nicht so viel Unerwartetes ergeben hätte. Aber ein weiterer Gedanke strömt zunehmend durch die kleinen, grauen Zellen unterhalb meiner Schädelkalotte. Was ist, wenn dieses "zurück kommen" grundsätzlich nicht das ist, was mich auf meinem Lebensweg weiterbringt? Ich habe viele Ideen und Pläne . Marathon laufen ist eine wundervolle Angelegenheit, aber sie ist eine sehr zeit- und energieintensive Angelegenheit. Sie raubt mir demnach ein Stück weit Energie für andere Tätigkeiten und Entwicklungsprozesse. Wenn man das Ziel hat Marathon, Ultramarathon und Co. zum wichtigsten Lebensinhalt zu machen, dann ist das kein Problem bzw. sogar eine wunderbare Variante der Selbstverwirklichung. Aber vielleicht hat man auch noch andere Dinge, die man umsetzen möchte. Und wenn man dann probiert alles unter einen Hut zu prügeln, dann wird der Hut kaputt gehen und irgendwas fällt hinten runter. Ich liebe das Laufen und bin dankbar für jeden Schritt, denn ich laufen kann. Ich mag auch Wettkämpfe und Laufveranstaltungen. Ich könnte auch jeden Tag neue Trainingspläne konzipieren. Aber für die 42,195 km fehlen mir gerade die Kapazitäten. Ich werde dennoch Sonntag in Düsseldorf sein und den Marathon vom Straßenrand aus verfolgen. 

Nach meinem Abschiedslauf gab es auch noch ein Abschiedsfrühstück und dann ging es zurück Richtung Heimat. Eines meiner täglichen To-do's ist es, Freunde, Familie und andere liebe Menschen öfters zu kontaktieren und bestenfalls zu treffen. In den meisten Fällen der verstreichenden Lebenstage ist es leider so, dass die Routine und die Arbeit uns so viel Zeit und Kraft rauben, dass wir so manch liebe Menschen aus den Augen verlieren. Um dem vorzubeugen suche ich täglich nach Möglichkeiten. Denn: Menschen sind das Wichtigste in unserem Leben. Vorausgesetzt sie haben einen positiven Einfluss auf uns und nicht etwa einen negativen. Individuen, die einem ein schlechtes Gefühl vermitteln, immer nur kritisieren und dafür sorgen, dass sich andere Menschen nicht gut fühlen, sollte man tunlichst meiden. Aber zurück zu meinem To-do. Ich hatte für heute tatsächlich erfolgreich eine Freundin getroffen, die auf dem Weg der Heimreise lag. Und es war ein wunderbares Treffen, dass sich einfach gut angefühlt hat. Wir hatten uns seit drei Jahren nicht mehr gesehen und es war dennoch so, als hätten wir uns gestern das letzte Mal getroffen. Das zeichnete eine gleiche Wellenlänge aus. Da können auch Jahre ins Land gehen und man versteht sich dennoch blind. 


Meine restliche Heimreise gestaltete sich auch sehr flüssig und ich erreichte etwas erschöpft mein Zuhause. Jetzt geht der Alltag wieder weiter. Das kleine Intermezzo in der entspannten Welt des Kurzurlaubes ist beendet. Aber schon morgen startet ein wunderbarer Tag mit neuen Möglichkeiten, Arbeit und vor allem auch wieder drei leckeren Mahlzeiten. 


Sonntag, 14.April 2019

Liebes Tagebuch,

es fällt mir etwas schwer es auszuschreiben, aber ich bin raus. Raus aus dem Marathon-Training. Ich habe seit einigen Wochen vermehrt Probleme mit meinem linken Fuß. Probleme, die ich vor der Operation noch nie hatte. Und der Problemfuß ist sogar noch nicht einmal der Gebrochene. Vielleicht musste mein gesunder Fuß das letzte Jahr zuviel kompensieren und ist daher etwas überlastet. Aber eigentlich ist es auch egal warum es so ist, wie es ist. Fakt ist, dass ich keinen Schritt vor den anderen bekomme ohne Schmerzen. Ich habe die letzten Tage meine Füße geschont und die Schmerzen sind besser geworden. Heute morgen habe ich mich dann auf meinen ruhigen, eigentlich langen Laufen begeben. Mit dem Resultat, dass ich nach einem Kilometer umgedreht bin und für mich beschlossen habe, den Marathon zu canceln. Es wäre nicht gesund. Ich werde auch nicht ein einziges Schmerzmittel einwerfen und die Stimmen aus meinem Körper ignorieren. Ich werde nicht mit Gewalt probieren an dem Ziel Metro Marathon fest zu halten. Ich lasse dieses Ziel nun los und werde meinem Körper ein wenig Luft zum atmen geben. Denn das fehlte ihm die letzten Wochen. Vielleicht mag der Umstand, dass alles gerade in der Summe zu viel ist, dazu beigetragen haben, dass mein Fuß die Reißleine gezogen hat. Wie dem auch sei. Ich bin gerade ein kleines bisschen traurig, dass mein Ziel weg ist. Aber gleichzeitig auch etwas froh, das ein Stück Druck weg ist. In diesem Sinne werde ich mich nun ein Stück mehr der Entschleunigung hingeben und mehr Ruhe in mein Leben lassen. Kapitel Marathon Comeback 2019 ist damit geschlossen. 


Samstag, 6. April 2019

Gewicht: 61,2 kg

Liebes Tagebuch,

der Düsseldorf Marathon ist nun in gut drei Wochen und heute hat mich meine Vorbereitung bereits ganz nah an den Ort des Geschehens gebracht. Nach Düsseldorf Benrath zu dem Benrather Volkslauf. Ich hatte mir vorgenommen hier den Halbmarathon zu laufen, um das nur mäßig gute Laufgefühl vom Hammer Halbmarathon Ende Februar zu überlagern. Eine bestimmte Zielzeit für heute, hatte ich nicht. Ich wollte eigentlich nur stabil mit einem guten Laufgefühl den Lauf finishen. 

Mein Tag startete morgens gegen sieben Uhr. Ich hatte endlich mal die Luxussituation ausschlafen zu können. Meine ersten Gedanken galten der Komposition meines heutigen Smoothies. Auch wenn ich mir heute ein üppiges Frühstück hätte gönnen können, wollte ich eines meiner pürierten "Gemüse-Bananen-Mix-Mahlzeiten". Ich bastelte mit maximaler Kreativität die verschiedensten Pülverchen und Gemüsesorten zusammen und mixte los. Heute sollte es warm werden. 20°C waren angesagt. Die letzten Tage waren alles andere als warm. Aus meiner Erfahrung heraus, hatte ich immer leichte Schwierigkeiten bei einem so plötzlichen Wetterumschwung. Naja, was heißt hier Schwierigkeiten?! Ich konnte halt einfach nicht so schnell, wie nach einer längeren Anpassungszeit an eine bestimmte Wettersituation. Während ich mein Frühstück zubereitete, blickte ich raus. Es war bewölkt und zugezogen. Hier und da konnte man jedoch erahnen, dass die Sonne jenseits der Wolkendecke dabei war, die Wolken in Luft aufzulösen. Nach meinem Frühstück arbeitete ich eine lange To-Do-Liste ab und vergaß beinahe jegliches Raum- und Zeitgefühl. Mit dem Resultat, dass ich viel zu spät mit meinem Mittagessen startete. 


Für meine Henkersmahlzeit vor dem Lauf hatte ich mir einen Pfannekuchen aus Tapiokamehl und Eiern vom Bauer neben an ausgesucht. Tapiokamehl ist eine glutenfreie Alternative und für unseren Darm besser verträglich. Dazu gab es dann ein paar Brommbeeren, eine Banane und ein paar Mandeln, sowie Zimt als Gewürz. Zimt verbessert die Aufnahme der Glukose in die Zellen, was für einen "Ladeprozess" vor einem Lauf recht nützlich ist. Denn schließlich will man die Power in den Zellen. 

Hals über Kopf habe ich mich dann in meine Laufklamotten gepresst und meine sieben Sachen gepackt. Ich war viel zu spät dran. Irgendwie hatte ich mich an einem Punkt meiner To-Do-Liste verschätzt. Ich wollte mich zum Thema Bor schlau machen. Mit Bor meine ich nicht die neumodische Erscheinung im Sprachgebrauch, die eine Art Überraschung ausdrückt, sondern ein Spurenelement, das lange Zeit als unwichtig für den Menschen eingestuft wurde. Es ist jedoch keineswegs unerheblich für unsere Gesundheit und erfüllt verschiedene Aufgaben in unserem Stoffwechsel. Ich bin immer wieder fasziniert über die Komplexität und Zusammenhänge in unserem Organismus. 

Nachdem ich also viel zu spät auf der Piste war, überlegte ich welche Straße ich als Ziel in mein Navi eingeben sollte. Auf der Internetseite hatten mehrere zur Auswahl gestanden und und ich entschloss mich einfach für den ersten Namen. Die Berechnung meiner Ankunftszeit erschreckte mich. Das war später, als ich gedacht hatte. Ich war spät dran, keine Frage. Egal, wird schon passen. Nach ein paar Minuten Fahrtzeit meldete sich mein Navi mit der Botschaft, dass sich auf der A1 ein Unfall ereignet hat und fragte mich, ob ich eine Alternativroute wählen möchte. Alternativ würde es mich wahrscheinlich durch Dortmund schicken, was mit Sicherheit nicht schneller gehen würde. Höchstens bei einer Vollsperrung. Ich entschloss mich einfach weiter zu fahren. Ich entspannte mich und praktizierte meine zur Zeit so oft angewandte Atemtechnik und Entspannungsformeln. Auf der Autobahn erblickte ich einen Wanderschuh am Straßenrand. Es ist schon äußerst spannend, was Menschen auf der Autobahn so verlieren oder entsorgen. Ich frage mich oft, was diese Gegenstände für eine Geschichte haben. Ich näherte mich immer weiter der angedrohten Unfallstelle. Es war noch nichts zu sehen. Der Verkehr rollte weiter. Sollte ich Glück haben? Nach ein paar Kilometern verdichtete sich dann der Verkehr und die Bremslichter kündigten den bevorstehenden Stau an. Da war er. Mein Zeitpolster schmolz dahin. Ich war entspannt und dachte über einen Plan B nach. Ich laufe einfach so meinen langen Lauf, sollte ich den Start verpassen. Vielleicht würde meine Mutter mich dabei sogar mit dem Rad begleiten. Das wäre doch auch toll bei dem schönen Wetter. Ich wählte die Nummer meiner Eltern, um ihr den Plan vorzustellen. Sie wollte mich eigentlich in Benrath anfeuern kommen, aber vielleicht war sie ja noch zu Hause. Es meldete sich keiner. Wahrscheinlich war sie schon längst vor Ort und ich hockte im Stau auf der Autobahn. Die Vorstellung nicht pünktlich zu kommen und den Start zu verpassen, juckte mich nicht so richtig. Auch wenn ich mich sehr darauf gefreut hatte, konnte ich die Situation mit Ärger und Stress nicht ändern. Die Situation war jetzt wie sie ist. Das Einzige, was ich in der Hand hatte, war meine Befindlichkeit. Ich atmete tief durch und fühlte einen entspannten Grundzustand. Mir war wichtig gesund anzukommen. Ich konzentrierte mich weiter auf den Verkehr und freute mich, dass mein Entspannungstraining nicht nur in der Theorie zu Hause in gemütlicher Atmosphäre funktioniert, sondern auch wenn es darauf ankommt. Im wahren Leben. Wenn es gerade nicht so läuft, wie man es geplant hatte. 

Der dichte Verkehr löste sich recht schnell wieder auf und wir flossen relativ schnell durch den Engpass einer Baustelle. Danach verpuffte der Stau und ich konnte meinen Weg zügig fortsetzen. Ich erreichte um 13:47 Uhr meine Zieladresse. Mein Navi steuerte mich auf eine kleine Fußgängerbrücke zu und wollte mich darüber schicken. "Dann haben Sie ihr Ziel erreicht." Ich befand mich mitten in einem Wohngebiet, das vollgeparkter nicht hätte sein können. Von einer Laufveranstaltung war weit und breit nichts zu sehen. Meine Blase war mittlerweile am Anschlag und ich sehnte mich nach einer Toilette oder einem Gebüsch. Die tiefe und entspannende Bauchatmung musste ich daher auch leider einstellen, da dies sonst ziemlich in die Hose gegangen wäre. Ich suchte einen Parkplatz und quetschte mich irgendwo in eine Lücke. Es war kurz vor zwei. Der Start des Halbmarathons war um halb drei. Ich trabte los Richtung Fußgängerbrücke. Auf dem Weg dort hin nahm ich das erstbeste Gebüsch für die so nötige "Getränke-Rückgabe". Danach trabte ich weiter, über die Brücke und landete vor einer Schrebergartenanlage. Von einer Laufveranstaltung war immer noch nichts zu sehen. Ich lachte ein wenig vor mich hin. Aus dem Nichts kam ein Läufer anspaziert. Ich fragte ihn nach der Laufveranstaltung und befürchtete, dass er mich auslachen würde, weil ich komplett falsch war. Statt zu lachen zeigte er den Weg herunter und erklärte, dass es etwa nach einem knappen Kilometer wäre. Ich trabte los und freute mich. Just in time. Alles gut. Ich erreichte tatsächlich den Hot Spot der Veranstaltung, holte meine Startnummer, traf meine Mutter und hatte es pünktlich geschafft. 


Ich lief noch mal zu meinem Auto, um mich startklar zu machen und einen letzten Schluck zu trinken. Es war mittlerweile 14:15 Uhr. Zügig trabte ich mit er Nummer vor dem Bauch zurück zum Start. Meine Mutter wartete dort auf mich. Das letzte Mal, das meine Mutter mir bei einem Lauf zugeschaut hatte war vor über einem Jahr gewesen. Damals endete der Lauf nicht ganz so zauberhaft in einer Notaufnahme. 

Das Startfeld sortierte sich langsam aber sicher an der Startlinie und die Zeigefinger der meisten Läufer positionierten sich an den Startknöpfen ihrer Laufuhren. 14:30 Uhr war es dann soweit. Bei warmen Temperaturen setzen wir uns in Bewegung. 

Ich probierte gleich zu Anfang mein Tempo zu finden und mich von dem schnell startenden Läuferfeld nicht beeindrucken zu lassen. Meine Aufmerksamkeit war ganz bei mir. Der Schweiß lief mir bereits nach ein paar Metern die Stirn runter. Schwitzten die anderen eigentlich auch so? Ich fühlte mich so weit gut. Es tat nichts weh und und das Laufen fühlte sich ganz geschmeidig an. Zwar nicht voller "High-End-Power" aber dieser Lauf war ja schließlich auch aus dem Training heraus und ohne Erholungspause. Ich fand ein Tempo, dass sich gut anfühlte. Immer wieder gingen meine Gedanken an den letzten Halbmarathon in Hamm. Da hatten sich die ersten Kilometer auch noch einigermaßen gut angefühlt. Das bittere Ende kam dann aber bei Kilometer 16. Davor graute es mir nun ein wenig. Ich schob die schlechten Gefühle weit weg und visualisierte einen lockeren Laufstil. Ich wiederholte ein paar Formeln und verknüpfte diese mit einer bestimmten Haltung der Finger. Klingt nach ein wenig Voodoo, funktioniert aber sehr gut. Mit jedem weiteren Schritt wurde ich lockerer und spürte einen unsichtbaren Zug nach vorne. Fast so als würde ich stetig bergab laufen. Ich freute mich über dieses Gefühl. Mein Zeitgefühl  war heute allerdings irgendwie von einem anderen Stern. Die Strecke hatte keine durchgehende Kilometrierung, was mir etwas fehlte. Da ich nie unterwegs auf meine Uhr gucke, weil mich diese Geste schon irgendwie unter Druck setzt, orientiere ich mich immer an den Kilometerangaben. Aber dies ging leider nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit blickte ich dann doch auf meine Uhr. 4,55 km. Mein Gefühl hatte mit mindestens 10 km gerechnet. Ich spürte eine gewaltige Welle der Demotivation. Ich konnte es gar nicht glauben. 4,5 km erst?! Obwohl ich mich gar nicht so schlecht fühlte, wünschte ich mir so sehr schon weiter zu sein. Der Schweiß lief und die Laufsachen waren durchtränkt. Ich konzentrierte mich wieder auf mich und versuchte wieder meinen Rhythmus zu finden. Es gibt bei mir in meinem monatlichen Zyklus ein Zeitfenster, in dem es mir mental etwas schwerer fällt mich zu quälen. Und heute war so ein Zeitfenster. So wie ich heute auf der Autobahn mein gelerntes Entspannungstraining in echten Stresssituationen angewendet habe, war nun der Zeitpunkt gekommen mein Mentaltraining in echten Wettkampfsituation umzusetzen. Manche Sachen funktionieren daheim im geschützten Raum der Komfortzone immer bestens und entblößen sich in der freien Wildbahn jenseits der Komfortzone zu einer echten Herausforderung. Nach etwa gefühlten zwei Kilometern kam an einem Baum die 5 km Markierung. Himmel, seit meinem Blick auf die Uhr waren gerade einmal 500 m vergangen. Was war heute nur mit meinem Zeitgefühl los? Heute morgen war die Zeit gerast und nun zog sie sich wie uraltes Kaugummi. Ich motivierte mich weiter. Es war eigentlich perfekt. Der Weg führte über Waldwege, es roch nach Frühling und das Wetter war im Grunde perfekt. Ein Läufer neben mir holte mich aus den Gedanken. Er fragte mich nach der Zeit. Widerwillig blickte ich noch ein weiteres Mal auf meine Uhr. Es waren genau 30:00 Minuten rum. Es fühlte sich nach so wahnsinnig viel mehr an. Einfach locker weiter. Mit jedem weiteren Schritt fühlte ich mich besser. Meine Atmung wurde zunehmend tiefer. Die Zeit wollte allerdings dennoch nicht rum gehen. Nach einer weiteren Ewigkeit erreichte ich Kilometer 8. Ich hätte schwören können, dass wir schon ganz bald bei meinem gefürchteten Kilometer 16 sind. Hoffentlich würde ich gleich nicht genauso eingehen, wie beim letzten Mal. Ich schob die Gedanken wieder ganz weit weg und probierte nur noch das Laufen zu spüren. Die Schritte auf dem Waldboden, die Atmung und die Natur um mich herum. Für einen Moment schaltete sich tatsächlich eine Art Automatismus ein. Wie im Flow lief ich und die Beine machten ihren Job wie von alleine. Und bald hatte ich dann endlich diesen gefürchteten Kilometer 16 erreicht. Ich scannte meinen Körper. Ging es mir noch gut? Oder bahnte sich da die gleiche Erschöpfung an wie in Hamm? Ich war durstig und hatte jede Menge Flüssigkeit verloren, obwohl ich an jeder Getränkestelle Wasser getankt hatte. Ich bin auch schon richtig heiße Läufe gelaufen und will nicht übertreiben, aber dieser plötzliche Wetterwechsel löste in meinem Körper irgendwie eine überdurchschnittliche Schweißproduktion aus. Wie dem auch sei, ich fühlte mich in jedem Fall noch besser als Ende Februar in Hamm. Ich probierte weiter zu ziehen und das Tempo zu halten. Kilometer für Kilometer kämpfte ich mich weiter. Und dann hatte ich geschafft. Erst die 20 Kilometermarkierung und dann einen tollen Zielkanal durch eine kleine Unterführung mit Lichterkette und tollem Applaus. Ich stoppte meine Uhr. 1:42:01. Knapper über 1:42 ging es kaum. Ich hatte auf Grund meines Durstes mit einer höheren Zeit gerechnet. Glücklich und zufrieden begrüßte ich meine Mutter im Ziel. Auch wenn sich der Halbmarathon ziemlich gezogen hatte, war es ein wunderbarer Lauf gewesen. Anstrengend, aber dennoch stabil und ohne Momente, in denen ich an mir als Läufer zweifle. Diese Zweifel hatte ich nach dem letzten Lauf mehr als deutlich gespürt. Mein heutiger Lauf hatte mir ein Stück dieser Zweifel genommen. Warum nur ein Stück? Weil ich vor den 42,195 km tatsächlich noch immer einen riesigen Respekt habe. Respekt und Zweifel sind natürlich zwei unterschiedliche Paar Schuhe, aber fühlen sich gerade für mich ähnlich an. Habe ich noch die mentale und physische Stärke so lange zu laufen? Auch wenn ich es schon so oft getan habe, hat seit meinem Beinbruch irgendwie doch ein neuer "Lebens-Laufabschnitt" begonnen. Ich bin selbst gespannt, wie es die nächsten Wochen weiter geht bzw. läuft und freue mich auf jede einzelne Erfahrung, die ich dabei mache. Und ich bin gespannt wie weit meine VO² Max noch klettern wird.


Wenn alles was meine Uhr so von sich gibt, stimmen würde, dann müsste sich jeder noch so kleine Zweifel sofort in Luft auflösen. Aber irgendwie sind diese mystischen 42,195 km gerade für mich dennoch eine riesenhafte Hürde. Aber diese Hürde sollte mich heute nicht weiter stören. Nach dem Lauf ging es nach Hause zu meinen Eltern. Von dort aus noch zu einer kleinen Shopping-Tour.

Und dann wieder zurück nach Düsseldorf, um mich mit einer Freundin zu treffen. Was gibt es Schöneres, als mit laktatgeschwängerten Beinen in einem netten Restaurant zu sitzen, lecker zu futtern und tolle Gespräche zu führen?! 

Auf gehts in die letzten drei Wochen. 


Donnerstag, 21. März 2019 

- 6 Wochen bis zum Düsseldorf Metro Marathon -

Gewicht: 60,7 kg

Liebes Tagebuch,

mein Wecker holte mich heute zuverlässig um 5:30 Uhr aus dem Tiefschlaf. Wo auch immer er mich da gerade her geholt hatte, dieser Ort war gaaaaaanz weit weg. Meine müden Gedanken machten sich sofort auf den Weg zu den heutigen To-do’s. Da war als allererstes mein Nüchterntraining, das auf mich wartete. Heute wollte ich etwas „Schnelleres“ machen. Einlaufen plus 4 x 400 m : 400 m Tempowechsel plus Auslaufen. Tempowechsel bedeutet, dass ich 400 m oberhalb meiner aerob/anaeroben Schwelle laufe (Das ist ungefähr da, wo man anfängt zu hecheln) und dann 400 m knapp unter dieser „Hechel-Grenze“. Und dann wieder oberhalb und wieder unterhalb. Das Ganze viermal im Wechsel. In meiner Marathon Vorbereitung vor zwei Jahren habe ich 1000er im Wechsel gemacht, was bei einer Zieldistanz von 42,195 km auch eigentlich sinnvoller ist. Aber zeitlich schaffe ich zurzeit so einen Lauf nicht. Und ehrlich gesagt bin ich auch vom Kopf gerade nicht gewillt 1000er zu machen. Und da ich das ja alles aus Spaß und Freude mache, tue ich nur das was mich nicht unnötig belastet und stresst.

In der vergangenen Woche hatte ich meinen Tempowechsellauf auf dem Laufband gemacht. Um 5:30 Uhr ist es tendenziell eher noch dunkel und da fällt es mir schwer draußen eine Tempoeinheit zu absolvieren. Auf meinem Laufband hingegen scheint immer die „Sonne“. Auch wenn die „Sonne“ aus den Glühbirnen und das Laufen auf dem Band nicht im Ansatz ein Ersatz für das Laufen im Freien ist, ist es manchmal doch die bessere Alternative. Heute war es zwar draußen auch noch dunkel, aber ich wollte raus. Ich wollte die Vögel zwitschern hören und dabei sein, wenn der Tag zum Leben erwacht. Bevor es raus in die Dunkelheit ging, habe ich wieder ein paar meiner Mobility Übungen gemacht. Ich habe unter anderem meine Sprunggelenke mobilisiert und habe Koordinationsübungen über Kreuz gemacht. Über Kreuz bedeutet Übungen mit dem rechten Arm und linken Bein und andersrum. Solche Muster aktivieren unser Kleinhirn, was sich beim Training in einer besseren Bewegungsmotorik widerspiegelt. Da sich die Übungen rein schriftlich immer schlecht erklären lassen, belasse ich es hierbei. Aber so weißt du ein klein wenig mehr. Zusammen mit meinem Partner ging es dann raus in die Dunkelheit. Der Mond stand voll und rund am Himmel und sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre. Tempowechsel bei Vollmond, was will man mehr?

Während wir uns warm liefen, gaben sich Mond und Sonne ganz allmählich die Klinke in die Hand und es wurde immer heller. Es herrschte eine wundervolle frühlingshafte Stimmung. Überall piepsten Vögel und begrüßten die ersten Sonnenstrahlen. Wir liefen zu einem etwa 400 m langen Feldweg und begannen unseren Tempowechsellauf. Zu Beginn dachte ich, dass es sicher schwer werden würde, da sich meine Beine so leer anfühlten. Und das trotz eines kohlenhydratbetonten Abendessens. Als ich aber das Tempo forcierte, machten meine Beine ganz ohne Murren ihren Job. Sie fühlten sich auch gar nicht mehr leer an. Sie liefen einfach und hatten sogar wieder mehr von dieser ersehnten Leichtigkeit. Nach etwas über 400 m drehten wir rum und machten uns auf den etwas langsameren Rückweg. Tempowechsel hat keine wirklichen Pausen wie bei Intervallen. Die langsamen Passagen sind immer noch recht zügig. Und so pendelten wir viermal diesen Feldweg hin und her. Der Horizont färbte sich in ein schönes Mädchenrosa und Sonne und Mond hatten den Schichtwechsel erfolgreich abgeschlossen. Meine Beine hatten nach dem Tempowechsel ihre Schicht auch erfolgreich abgeschlossen. Sie fühlte sich großartig an. Leicht aufgepumpt. Voller Blut und voller Energie. Die Lunge war voller frischer Luft und auch die Haut fühlte sich gut durchblutet und voller Sauerstoff an.

Zu Hause gab es dann wieder noch ein wenig Mobility plus Klimmzüge. Letzteres dient der Krafterhaltung in Schultern und Rücken und natürlich meiner Belustigung. Die meisten Menschen mögen keine Klimmzüge und natürlich sind Klimmzüge auch keine einfache Übung, aber dennoch hab ich einen Narren an ihnen gefressen und einmal die Woche gönne ich mir ein paar. Trainingstechnisch sollte man eine gewisse Balance aus horizontal ziehenden – horizontal drückenden – vertikal ziehenden und vertikal drückenden Übungen haben. Wenn man zum Beispiel zur Stabilisierung und Kräftigung immer nur Liegestütze macht, ist das zwar besser als nichts, aber ist sehr einseitig, da ich immer nur horizontal drücke. Der Körper ist für alle Bewegungsrichtungen konzipiert. Überkopfübungen, also vertikale Übungen kommen in den meisten Fällen besonders kurz. Klimmzüge sind vertikale Zugübungen. Das Reißen von Gewichten über den Kopf wäre eine vertikale Druckübung. Rudern wäre eine horizontale Zugübung. Wenn man zwischen den Übungen regelmäßig abwechselt, ist es für die muskuläre Balance besser, als wenn ich immer nur in eine Richtung arbeite. Und von dieser muskulären Balance profitiert man letzten Endes auch auf 42,195 km. Grundsätzlich ist es natürlich so, dass man laufen trainieren muss, wenn man einen Marathon laufen möchte. Man kann daher auch einfach ganz Stumpf seine Kilometer runter reißen und oft hilft tatsächlich viel auch viel. Der Kilometerumfang ist durchaus ein entscheidender Faktor hinsichtlich der Leistungsentwicklung. Es ist jedoch immer eine Gradwanderung zwischen Leistungsverbesserung und zu viel des Guten. Ein gutes Körpergefühl ist hier ein entscheidender Faktor, um gesund zu bleiben und seinem Hobby mit Freude und Leichtigkeit nach gehen zu können.

Nach meinem Training gab es dann mein flüssiges Frühstück und den ersten Kaffee des Tages. Außer dem Smoothie gab es unmittelbar nach dem Lauf auch noch Kokoswasser. Darauf freue ich mich immer richtig. Schön, wenn man sich über solche kleinen Dinge freuen kann. Nach dem Frühstück habe ich mir noch mein Mittagessen vorbereitet. Salat mit geriebener Zucchini, Quinoa, Roter Beete, Schnittlauch, Avocado und Lamm. Um das Lamm in kleine Stücke zu schneiden hatte ich eines unserer Brettchen aus der Schublade gezogen und dann erschrocken festgestellt, dass dort ein süßes, flauschiges Lamm abgebildet war.

Das war nicht sonderlich förderlich hinsichtlich des Appetits auf das Stück Fleisch in meiner Hand. Aber nun gut, wir Menschen sind Allesfresser auch wenn vegane und vegetarische Trends anderer Meinung sind. Auch ich mag Tiere und würde wahrscheinlich verhungern, wenn ich die Tiere selbst töten müsste, aber dieses Verhalten ist unserer hiesigen Erziehung geschuldet. Wir werden nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit groß Tiere zu töten, um zu überleben. Und natürlich überleben wir auch mit einer veganen Lebensweise ohne tierische Produkte. Wie gesund dies jedoch ist und wie man sich damit fühlt muss jeder für sich selbst feststellen. Ich bewundere Menschen, die aus ideellen und moralischen Gründen auf eine Ernährungsweise verzichten, die genetisch gesehen besser und gesünder für sie wäre. Wie in allen Bereichen der Ernährung gibt es viele unterschiedliche Meinungen, so auch zum Thema Veganismus. Jeder muss seinen „Ernährungs-Weg“ selbst finden. Ernährung ist ein wahnsinnig emotionales Thema, bei dem es niemals eine Meinung und den einen Leitfaden geben wird. Wenn du dich mit deiner Ernährung wohl fühlst, du voller Tatendrang durch deinen Tag springst und positiv deiner Umwelt gegenüber eingestellt bist, dann würde ich sagen, dass du alles richtig machst. Wenn du aber oft gereizt bist, dich immer wieder mit Essen befriedigst, nie wirklich „satt“ bist, oft erkältet oder verletzt bist und an allem und jedem was zu meckern hast und deine Ernährungsweise nutzt, um andere Ernährungsweisen nieder zu machen, dann läuft irgendwas falsch. Egal, wie und was du tust, solltest du für das was du tust ein positiver Multiplikator sein und nicht ein Kämpfer gegen die anderen. Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel schwere Kost und beende dieses Thema mit meiner heutigen Weisheit.

Für mich ging es dann mit meiner vorgekochten Speise um 8:20 Uhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es wartete ein Arbeitstag bis 18:00 Uhr auf mich. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und auch die Menschen passten sich dem freundlichen Wetter an. Wenn die Sonne scheint und das Leben nach dem Winter wieder aufblüht, dann wachen auch die Menschen aus ihrem Winterschlaf wieder auf. Und so verlebte ich meinen Arbeitstag mit vielen gut gelaunten Menschen und einem leckeren Mittagessen, sowie ein paar Portionen Kokosöl in Kaffee.

Es sind noch 5 ½ Wochen bis zum Düsseldorf Marathon. Ich freu mich auf den weiteren Weg und bin gespannt auf die täglichen Überraschungen des Lebens, die nicht auf meinen Trainingsplänen stehen.


Dienstag, 12. März 2019 

- 7 Wochen bis zum Düsseldorf Metro Marathon -

Gewicht: 61,7 kg

Liebes Tagebuch,

nach einem kurzen gesundheitlichen Tiefgang bin ich wieder zurück. Es war die letzten Wochen alles ein Spürchen zu viel und so haben die Einzelkomponenten in der Summe dafür gesorgt, dass es mich gesundheitlich dahin gerafft hat. Neben einem hervorragenden Herpes, hatte ich einen ausgewachsenen Magen-Darm-Infekt mit vier Tage Durchfall. So lange hatte ich das bisher noch nie. Aber es scheint derzeit ein fieses „Infektions-Mopped“ im Umlauf zu sein, das etwas länger als gewöhnlich die Gesundheit stört.

Am vergangenen Wochenende stand für mich eigentlich der 6-Stundenlauf in Warendorf auf dem Plan. Da ich aber noch etwas geschwächt war, wollte ich der Vernunft in mir den Vortritt lassen und bin daher zu Hause geblieben. Ich habe die Tage der gesundheitlichen Schwächung dazu genutzt über meine Ziele nachzudenken. Was will ich? Und das ist wirklich eine schwierige Frage. Mir fallen viele Dinge ein, die ich will… zum Beispiel einen immer vollen Kühlschrank, immer schicke Klamotten, ein tolles Aussehen, ganz viele zufriedene Leser, nur liebe Menschen um mich herum, eine monstergroße Portion Gesundheit und wieder dieses dynamische Gefühl beim Laufen. Mir fallen natürlich noch viele weitere Dinge ein, aber darum ging es ja eigentlich bei der Fragestellung nicht. Konzentrieren wir uns auf die letzte Aussage. Dieses Gefühl der selbstlaufenden Beine. Diese Leichtigkeit beim Laufen. Mir scheint, dass ich diese mit all dem Krafttraining in die ewigen Jagdgründe katapultiert habe. Wenn ich so weiter trainiere wie die letzten Monate, wird dies auch so bleiben. Ein Blick auf den Kalender und das Anwenden relativ einfacher Rechenregeln ergab, dass der Düsseldorf Marathon bereits in sieben Wochen ist. Sieben! Große Güte! Das war nicht mehr lange. Also, es gab nur eine wahre Lösung für meinen Zustand: ich musste mich für die nächsten sieben Wochen verhalten wie ein Marathon Läufer. Wenn da nicht dieses eine Problem wäre. Meine Arbeit und mein Zeitfenster. Zurzeit bin ich 40-50 Stunden pro Woche in der Apotheke fest genagelt. Diese Woche zum Beispiel ist eine mit eher 50 Stunden. Dazu kommt auch noch die Zeit, die ich meinem Pony widmen möchte. Und natürlich meinem Partner. Zum Glück kann ich mit letzterem ein paar Trainingseinheiten gemeinsam umsetzen. Mit meinem Pony jedoch bin ich nicht gewillt Intervalle oder Ähnliches zu absolvieren. Nach einem kleinen kreativen Erguss habe ich mir einen Trainingsplan bis zum 28.04.19 geschrieben und möchte über diese finalen sieben Wochen berichten.

Und heute ist der erste Tag. Mein Wecker holte mich um 5:20 Uhr aus den Träumen. Zugegeben aus ziemlich wirren Träumen. Ich kroch sofort aus dem Bett, damit bloß keine Diskusionen mit dem Schweinehund beginnen konnten. Anscheinend hatte dieser den Wecker nicht gehört und schlummerte noch friedlich in irgendeiner Ecke in den Tiefen meines Hirns. Nach der üblichen Morgenroutine auf der Toilette machte ich zum Wachwerden ein wenig Neuromobility. Teilweise lustige Übungen, die das Kleinhirn aktivieren, um die Bewegungsqualität zu verbessern. So die Theorie. Um 5:20 Uhr fühlt sich das Wort Bewegungsqualität eher an wie ein guter Witz. Nach fünf Minuten „Kleinhirn-Gymnastik“ ging es dann auf mein Laufband im Keller. Eine Stunde Leguanolauf mit steigerndem Charakter. Meine Beine waren schwer. Und das sicher nicht von dem vielen Autogenen Training mit den ganzen „Schwere-Formeln“. Dies lag viel mehr an meinem Ü-20er am Sonntag. Nach meiner sieben Wochen to go Diagnose hatte ich erschrocken die Laufschuhe geschnürt. Und nun jammerten die Beine vor sich hin. Im feuchten Wetter hatte ich mir dazu auch noch ein paar schicke Blutblasen gelaufen, die jetzt auf dem Laufband wieder zum Leben erwachten und mich an Sonntag erinnerten.

Aber wie hieß es in der Marathon-Welt so schön? Der Schmerz geht, der Stolz bleibt. Und mit diesem Satz im Kopf habe ich mich Schritt für Schritt weiter durch mein Training gekämpft. Nach 25 grandios stolzen Minuten hatte ich dann allerdings keine Lust mehr. Ich hatte noch nicht einmal die Hälfte geschafft und jede Sekunde zog sich wie ein alter Kaugummi, der schon viele Jahre unter einem Schultisch hinter sich hat. Ich probierte mich zu motivieren. Aber scheinbar war der Schweinehund in mir mittlerweile auch zum Leben erwacht und randalierte mit Anti-Trainings-Parolen in meinem Kopf herum. Immerhin war ich in einem Zustand, in dem ich nicht mehr auf Anhieb sagen konnte, an welchem Fuß ich diese schmerzenden Blasen hatte. Ich lief weiter und steigerte nach Plan Stück für Stück das Tempo. Ein Gedanke, der bei mir immer ging und mich in der schwierigsten Trainingssituation zu einem freudigen Lächeln brachte, war das Thema Essen. Und so vertrieb ich mir die Zeit mit Gedanken an mein Futter. Mein Frühstück würde wieder aus einem Smoothie bestehen. Für mich als Suppen-Hasser ist es ein absolut unerklärbares Phänomen, wie diese Liebe zu den pürierten Gemüse-Obst-Gewürz-und-Co.-Variationen entstehen konnte. Ich liebe es Lebensmittel zu kauen und etwas bissfestes im Mund zu haben. Und nun wollte ich morgens nur noch meine Smoothies. Womöglich wieder einmal eine meiner Phasen. Kindheit, Pubertät, Sturm und Drang und dann halt irgendwann die Eskalation mit dem Smoothie-Konsum. Irgendwie so. 

Nach den vielen Essensgedanken und brav durchgezogenen Steigerungen hatte ich es dann nach 60 Minuten geschafft. Glücklich und zufrieden habe ich dann noch Teil zwei meines morgendlichen Programms absolviert. Mobility plus Liegestützen. Letztere in unterschiedlichen Variationen. Mal ganz super langsam, mal mit den Füßen auf einem Pezziball und mal in schnellem Tempo. Insgesamt jedoch relativ wenige Wiederholungen, da es mir nur darum geht Rumpfkraft zu erhalten. Teil Zwei meines Morgentrainings ging nur zehn Minuten.

Da dieser Tag einer aus der Kategorie “durchgetaktet” war, ging es dann ohne Verschnaufpause weiter. Duschen, Smoothie und Kaffee rein, Toilette, Zähne putzen, anziehen und raus in die Welt. Es war mittlerweile 7:30 Uhr. Ich hatte mich auf mein Fahrrad geschwungen, um zur Arbeit zu fahren. Zum Glück war es nur etwas windig, aber trocken. Das Wetter hatte die letzten Tage auch oft noch bescheidener ausgesehen. Mit dem heutigen Wetter konnte man arbeiten. 

Meine Schicht ging von 8:00 Uhr bis 18:15 Uhr. Das Ganze gestaltete sich mit einer kleinen Futter-Pause, in der ich mein am Abend zuvor vorgekochtes Essen einverleibt habe. Gekocht hatte ich mir angebratenen Speck mit zwei  Eiern, sowie einer mittelgroßen Kartoffel, Rote Beete, Rosenkohl und etwas Salat und Frühlingszwiebeln. Gewürzt habe ich es mit Salz, Bockshornklee, Pfeffer und getrockneten Zwiebeln. Als Dressing fungierte der frisch ausgepresste Saft einer halben Zitrone. Das Schlachten und Auspressen der Zitrone hatte ich am Vorabend noch nicht getan und dieses erst heute Morgen vollzogen. So bleiben die Vitamine möglichst lange intakt und der Salat fängt nicht so an zu matschen. 

Neben diesem leckeren Mahl gab es ansonsten nur Flüssiges. Wasser und zwei schwarze Kaffees mit einem Teelöffel Kokosöl. Dies bringt schnelle Energie und kurbelt den Fettstoffwechsel an. Warum? Weil Kokosöl Mittelkettige Triglyceride enthält. Das „mittelkettig“ bedeutet, dass die Fettsäuren halt nur mittelkettig und nicht langkettig sind. Es gibt sogar auch kurzkettig. Aber das spielt jetzt gerade genauso wenig eine Rolle, wie die Tatsache, dass meine Beine auch eher „kurzkettig“ sind. Also zurück zum „mittelkettig“. Diese Form der Fette wird aus dem Darm direkt in die Blutbahn aufgenommen. Langkettige Fette, wie sie in den meisten anderen Lebensmittel vorkommen, werden auf einem Umweg über die Lymphe und einem komplizierten „Verpackungsprozess“ aufgenommen und im Körper verteilt. Also, dieses Fett auf aus der Kokosnuss flutscht direkt ins Blut und in unsere Leber. Dort stimuliert das Kokosölfett die Ketose, also die Energiegewinnung aus Fett. Das alles ist etwas komplex und die Erklärung bis ins letzte Detail würde den Rahmen sprengen. Du kannst dir zu dem Kokosöl einfach ganz grob merken: schmeckt gut, diese besondere Fettenergie geht direkt ins Blut, ist daher schnell als Energiesubstrat verfügbar und stimuliert den Abbau und Energiegewinnung von Depotfett (Ketose). Und übrigens: mittelkettige Triglyceride können selbst nicht als Depotfett gespeichert werden. Das ist natürlich kein Freifahrtschein ohne Ende Kokosfett zu konsumieren. Ich würde das Ganze bei maximal 3-4 Teelöffeln begrenzen. Aber vom Grundsatz her ist auch das wieder eine ganz individuelle Dosierungsangelegenheit.

Nach einem aufregenden Tag ging es dann auf dem Fahrrad wieder Heim. Ich genoss die letzte Portion Tageslicht. Langsam wurde es dunkel. Ich hatte heute zwar kaum Zeit zum Durchatmen und habe tatsächlich 10 Stunden ohne Pause durchgearbeitet, aber dennoch war es ein guter Tag. Besonders gut fand ich, die harmonische Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen. Das ist nicht selbstverständlich und das war heute einfach richtig gut. Und dazu habe ich dann auch eine kleine Weisheit heraus gesucht.

Als kleines Abendworkout gab es dann noch eine weitere Reihe Mobility-Übungen in Kombination mit unterschiedlich ausgeführten Kniebeugen. Nicht vielen, schließlich will ich ja meine Monster-Beinmuskulatur nicht weiter züchten, sondern eher wieder zu Ausdauerbeinchen ummodellieren. Auch für Ausdauerbeinchen ist die Kniebeuge ein sehr wichtiges Werkzeug, um die Hüftbeweglichkeit und Funktion zu optimieren. Nach dem kleinen Spätprogramm, was schnuckelige 20 Minuten gedauert hat, ging es noch kurz in die Sauna im Keller. Aufguss Lavendel-Kumquat. Schön entspannend und ein großartiger Einstieg in den Feierabend.

Zum Abendessen gab es dann noch eine kleine Rohkostplatte mit einer Kartoffel in Form einer Bratkartoffel, ein paar Sojabratlingen, Sardinen aus der Dose und ein paar Reiswaffeln mit Frischkäse und Käseaufschnitt. Irgendwie ist Käse immer mein Untergang. Ich liebe Käse. Es gibt so wahnsinnig leckeren Käse. Selbst beim Schreiben des Wortes Käse beginnt meine Speichelproduktion abzugehen wie Schmitz Katze.

In diesem Sinne war es das für heute. Die siebte Woche Prä-Marathon ist im Gange. Der zweite zehn Stunden Arbeitstag ist auch erfolgreich gefinisht.

Und nun als Erinnerung noch mal mein Motto des Tages:

„Es sind die kleinen Dinge im Leben, auf die es ankommt.“

Georg Bernard Shaw

Mittwoch, 27.02.19

Liebes Tagebuch,

es sind noch 10 Wochen bis zum Düsseldorf Marathon und ich habe mich gestern dazu entschlossen mein derzeit unspezifisches Training über den Haufen zu werfen. Ich liebe meine abwechslungsreichen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie mit Zusatzgewicht, aber so richtig harmonieren tut das Ganze nicht mit der Langstrecke. Das war mir natürlich vorher auch schon klar und solange ich auch noch etwas mehr Luft und Zeit hatte, konnte ich das Training auch verarbeiten. Aber nun, wo ich arbeitstechnisch komplett ausgebucht bin, muss ich notgedrungen meinen Plan ändern. Das heißt konkret mehr Laufen und Ausdauer und nur zwei kurze, ergänzende Workouts, die das Ziel verfolgen dem Körper weiterhin die nötige Stabilität und Kraft zu verleihen, um keine Dysbalancen durch schlappe und vernachlässigte Torso- und Gluteusmuskulatur zu bekommen. 

Gestern Morgen hatte ich um 6:00 Uhr mein letztes „wildes“ Workout mit 1000 m Laufband, 60 Sekunden Planke, 10 WH Clean & Jerk 30 kg und 20 WH Box Jumps. Davon drei Serien und ein nachgeschaltetes Mobilitytraining. Die Nacht zuvor hatte ich ziemlich schlecht geschlafen, weil ich durch das lange Arbeiten und das abendliche Spätprogramm bei meinem Pony viel zu spät zu Hause war und dadurch nicht zur Ruhe kam. Die ganze Nacht habe ich mit wälzen und herum vegetieren verbracht. Nach dem morgendlichen Workout gab es dann einen halben Liter Kokoswasser, ein Glas Kefir und einen meiner glorreichen Smoothies. 


Trotz des guten Stoffs habe ich mich den ganzen Tag etwas gerädert gefühlt und bin gedanklich immer wieder über mein Training gestolpert. Dass mein Körper auch noch immer an dem schnellen Halbmarathon von Sonntag zu knabbern hat, stand auch außer Frage. Mein Ruhepuls war zwar wieder niedriger, was auf eine Verarbeitung der Trainingsreize hindeutet, aber dennoch brauchte ich mehr Ruhe. Sowie mehr Fokussierung. Und das streng genommen in meinem ganzen Leben. Ich bin ein wahrer Held im Produzieren von vielen Ideen und Möglichkeiten und verzettel mich dabei immer so wahnsinnig elegant, dass am Ende nichts wirklich Fruchtbares dabei rauskommt. Aber ich habe mich in den letzten Wochen in dieser Hinsicht schon sehr gebessert. Aber genug zu meinen ganzen Mängeln. 
Mein Mittagessen bestand aus einem vorgekochten Salat mit Rinderstreifen und Reis. Auch das will jeden Morgen in der Früh noch vorbereitet werden. 


Aber ich finde es lohnt sich jedes Mal. Ich freue mich immer riesig über mein Essen und meine ganzen Essen-Boxen, die ich in der Apotheke anschleppe. Oh ja, ich esse öfters mal. Und es sieht auch hin und wieder sehr interessant aus. Mein zweites Fresselchen war eine Portion Mascarpone mit Melone, Kakaonibs, Safran, Chili, Kurkuma und Nüssen. 


Ich glaube, ich denke im Laufe eines Tages ganz schön oft ans Essen. Naja, ist ja schließlich wichtig und für das Überleben essentiell. Man weiß ja nie, wann die nächste Hungersnot kommt. Nicht wahr? Aber erst kommt anscheinend gerade schon der Frühling 2019. Es ist unglaublich, aber wir haben Ende Februar, die Vögel zwitschern, die Fliegen tanzen bereits im untergehenden Sonnenlicht und es duftet nach Frühling. Die Pflanzen und Menschen erwachen aus dem trägen Wintermodus und fangen an zu keimen bzw. mit dem Frühjahrputz. Also die Pflanzen keimen und die Menschen machen sauber. Hab bisher noch keinen keimenden Menschen gesehen, aber ich werde mal die Augen offenhalten. Die Wetterbedingungen sind eigentlich eine großartige Voraussetzung für ein saftiges Marathon Training. Und aus diesem Grund habe ich mir heute einen Plan für meine nächsten Wochen erstellt. Der Fokus liegt nun auf Düsseldorf. Auf 42,195 km. 

Für heute gibt es allerdings nur noch Essen und Entspannung. Heute war Ruhetag und ich habe nur eine kleine Runde  „Hoppe-Hoppe-Reiter“ gemacht. Und jetzt nehme ich ein Basenbad und relaxe. Morgen früh werde ich die Laufschuhe schnüren. 

Auf geht’s. 10 Wochen to go!

Montag, 18.02.19

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt meine „Geburtstags-Woche“. Du ließt richtig, ich feiere nicht nur GeburtsTAG, sondern gleich GeburtsWOCHE. Das macht dann gleich sieben Mal Spaß. Ich plane seit ein paar Monaten ziemlich genau meine Wochenstrukturierung. Sprich, wann trainiere ich was, wann habe ich meine Ruhetage, wann kümmere ich mich um mein Pony, wann mache ich Haushalt, Büro, Personal Trainings und Beratungen und wann arbeite ich in der Apotheke. Und letzte Woche war im Zeichen meines Geburtstages und gefühlt hatte ich dadurch jeden Tag ein Geburtstagsgefühl. Das war großartig! Und das werde ich jetzt versuchen mitzunehmen. Jeden Tag ein klein wenig Geburtstag feiern. Ein bisschen kann man nämlich jeden Tag feiern, dass man lebt und geboren wurde. Find ich zumindest. Man muss ja nicht jeden Tag vollkommen durchdrehen deswegen. Aber dennoch bin ich der Auffassung, dass man jeden Tag wie der irre Hase aus Alice im Wunderland, „Nichtgeburtstag“ feiern kann. 

Meine letzte Woche war trainingstechnisch hart und arbeitstechnisch sehr moderat. Klingt beinahe poetisch. Für Samstag, den Tag vor meinem Geburtstag, hatte ich mir einen Wellness-Tag mit meinem Freund im Vabali Spa in Düsseldorf eingeplant. Und damit ich diesen Sauna Tag auch richtig genießen konnte, gab es natürlich Donnerstag und Freitag meinen Trainingshöhepunkt. Zumindest was die Intensität angeht. Mein Abschluss-Workout am Freitagnachmittag bestand aus 30 Minuten Crosstrainer, einem lustigen Workout mit unserem LKW-Reifen im Garten und Klimmzügen. Ja, wir haben einen LKW-Reifen im Garten. Den habe ich 25 Mal umgeworfen und habe mit einem 8 kg Hammer 10 Mal von jeder Seite drauf geprügelt. Davon dann vier Serien. So habe ich den fetten Reifen insgesamt 100 Mal angehoben und umgestoßen und habe ihm 80 Mal mit einem 8 kg Hammer eins über die Mütze gegeben. Jetzt könnte man sich fragen warum man so etwas Sinnloses tut. Und als Antwort fällt mir ehrlich gesagt nur eine einzige plausible Erklärung ein: weil es geht. 

Als ich mit diesem LKW-Workout gestartet habe, saßen unsere Nachbarn noch im Garten in der Sonne. Nach ein paar Minuten waren sie allerdings verschwunden. Tja, ein klein wenig irre mag das auf ältere Leute schon wirken. Warum schmeißt jemand einen LKW-Reifen durch den Garten? Warum? Ich kann zur Verteidigung nur sagen, dass sich mein Körper und meine Muskulatur danach wirklich gut angefühlt haben. Danach habe ich noch 10 Minuten Klimmzüge gemacht. So viel wie möglich. Zusammen bekommen habe ich genau 30. Und danach hatte ich dann frei. Der Part mit dem Wellness wartete auf mich. 
Und natürlich mein Geburtstagswochenende. Erst ein wunderbarer Vabali Vormittag bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen und danach ein Vor-Geburtstagskuchen bei meinen Eltern. 

Abends gab es ein Vorgeburtstagsessen mit ein paar Freunden in Neuss und an meinem Geburtstag selbst gab es dann Geburtstagsfrühstück mit meiner Familie und danach meinen ersten 30 km Lauf nach meinem Beinbruch. Und das sogar bei einer Veranstaltung. 

In Bertlich werden dreimal im Jahr alle erdenklichen Distanzen angeboten. Eine Voranmeldung gibt es nicht und die Veranstaltung lebt lediglich von den Anmeldungen am Veranstaltungstag. Dass der Organisator bzw. Verein durch die vielen bereits durchgeführten Wettkämpfe sehr viel Erfahrung hat, merkt man sofort. Alles ist perfekt organisiert. Und sogar das Wetter hätte nicht besser sein können. Strahlend blauer Himmel, Sonne und herrliche 17°C. Eigentlich kaum zu glauben für Mitte Februar. 

Um 12 Uhr wurden die 30 km Läufer auf die Strecke geschickt. Vor uns lagen drei Runden. Eine etwas kürzere Runde mit 9,5 km und zwei Runden zu je 10 km. Mit dem Einlauf ins Stadion waren dies summa summarum 30 km. In einem tatsächlich ganz schön vollen Startfeld trabte ich los. Mein Ziel war es, ruhig und stabil die 30 km zu schaffen. Vielleicht sogar mit einer kleinen Endbeschleunigung. Irgendwas um die drei Stunden sollte am Ende dabei rum kommen. Zwischen 2:45 und 3:15 vielleicht. Oder auch 3:20. Bereits auf den ersten 10 km machten sich meine Beine bemerkbar und jubelten mir fröhlich von unten zu. „Hey, weißt du noch Freitag? Als du 100 Mal diesen LKW-Reifen umgestoßen hast?“ Ich fing innerlich an zu kichern. Oh ja, ich erinnerte mich. Ich hatte den gestrigen Tag des Öfteren damit verbracht, tief in meinen Körper hinein zu fühlen, um nach Muskelkater oder anderen „Erschöpfungstierchen“ Ausschau zu halten. Ich hatte erstaunlich wenig Nachwehen vom LKW-Reifen-Workout. Aber nun wo ich auf meinem Geburtstags-Long-Run war, meldeten sich meine grazilen Kniebeugen-Beine zu Wort. Ich hatte noch keine 10 km und sie wurden schon zäh. Ich probierte einfach locker weiter zu laufen und einen flüssigen Bewegungsablauf beizubehalten. Brav die Hüfte gestreckt lassen, den Oberkörper aufgerichtet und immer easy weiter. Die Sonne, die gute Stimmung und die perfekt organisierte Veranstaltung machten es allerdings auch nicht sonderlich schwer, den Lauf in vollen Zügen zu genießen. Das leise Wimmern meiner dicken Beine war daher nur eine kleine, fast zu überhörende Hintergrundmusik. Es war einfach schön. Und im Grunde genommen war auch dieses Gefühl in meinen Beinen schön. Vielleicht nicht unbedingt schon nach so wenigen Kilometern, da mein Körper auch mal eine wesentlich größere Reichweite hatte, aber ich wollte es ja schließlich so. Ich wollte nun mal keinen rein spezialisierten "Laufkörper". Ich wollte halt auch etwas irre einen LKW-Reifen umstoßen, Klimmzüge machen und andere Dinge mit meinem Körper anstellen. Der Körper ist von Natur aus für viel mehr gemacht, als nur zum Laufen. Auch wenn das Laufen tatsächlich einen sehr wichtigen Aspekt in unserer Entwicklungsgeschichte darstellt. Aber nicht nur. Und nun spürte ich auf meinen 30 Geburtstagskilometern was ich meinem Körper die letzten Monate beigebracht hatte. Und das hatte nichts mit Ausdauer zu tun. Mein Plan für die nächsten Wochen war es, die Grundlagenausdauer mit Hilfe verschiedener Laufveranstaltungen wieder zu erweitern. Wieder ein bisschen länger laufen. Allerdings entschleunigter und entspannter als früher. Gemäß meinem Motto „Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die dich an dein Ziel bringt.“ 

Runde um Runde vergingen und nach 2:54:26 passierte ich die Ziellinie. Ohne Beinbruch. Ohne irgendwelche anderen Missgeschicke. Ein Geburtstagslauf ohne gesundheitliche Folgen. Oder zumindest keine gravierenden Folgen, wenn man die mikroskopischen Läsionen meiner Muskulatur mal außen vor lässt. Der erste Schritt in der Welt der längeren Läufe war getan. 

Ein neues Lebensjahr hat begonnen. Ein neues Jahr mit neuen Zielen. Ich bin dankbar für die vielen wertvollen Erfahrungen, die ich in meinem letzten Lebensjahr sammeln durfte. Ich bin so dankbar, dass meine Ärzte mich letztes Jahr wieder so gut zusammen geflickt haben. Ich habe eine ganz neue Seite des Lebens kennen gelernt und das Ganze ohne Fernstudium. Der beste Lehrer ist nun mal das Leben. 
 

Sonntag, 27.01.19

Ich bin zurück im Wettkampfgeschehen. Ich hatte es im Vorfeld nicht an die große Glocke gehangen, da ich zu großen Respekt vor meinem Schweinhundaffen hatte. Der Schweinehundaffe ist übrigens eine besondere Kategorie der Schweinehunde. Und ich habe einen solchen Freak. Aber das ist was anderes. Ich wollte nicht wieder irgendwas ankündigen und es dann womöglich wieder zurück ziehen. Ich finde Leute  selbst irgendwie nur mittel die nicht das tun, was sie vorher kund tun. Und damit ich nicht so ein "Leut" bin, hatte ich mir selbst geschworen endlich wieder zu rennen, aber es sicherheitshalber nur auserwählten Menschlein mit zu teilen. Und so kam es, das ich heute morgen um kurz nach sechs mal wieder wach war. Und hungrig. Also alles wie immer. Der Start des ersten Laufes der Serie war allerdings für die Weibchen erst um 12:15 Uhr. Ein grausamer Zeitpunkt, da ich das essenstechnisch echt schwierig finde. Ich kann einfach nicht lange schlafen, um möglichst spät zu frühstücken und für Frühstück und Mittagessen reicht es dann aber auch wieder nicht. Nun gut, wollen wir mal kein großes Ei deswegen legen. Es gibt im Leben größere Herausforderungen als solch Ernährungs-Management-Gedöns. Mit maximaler Körperbeherrschung und viel gutem Zureden habe ich es tatsächlich geschafft mit dem Frühstück bis viertel vor acht zu warten. Hammer oder? *Ironie* Mein Frühstück sah anders aus als sonst. Sowas hatte ich vor einem Wettkampf noch nie gefuttert. Wie war noch gleich die Hauptregel aller Regeln im Sport? Probiere vor dem Wettkampf niemals, niiiiiieeeeeeee irgendwas aus, was du nicht zuvor im Training getestet hast. Da ich derzeit mal wieder ein neues Ernährungsexperiment teste, war mir das auch egal. Und im Übrigen würde mir nachher im Wettkampf ein ganz anderes Problem das Leben schwer machen. Aber dazu komme ich noch. Das hier war also mein "Frühfutter":


Nach meiner Tagesplanung musste ich so gegen 9:30 Uhr langsam Richtung Hamm tuckeln. Ich hatte demnach noch ordentlich viel Zeit. Zeit zum braven Lernen und Arbeiten. Daher habe ich noch meine Einsendeaufgaben weg geschickt und etwas Bürotätigkeiten abgearbeitet und dabei meine wahnsinnige Nervosität versucht zu ignorieren. Meine Güte was war ich kribbelig! Das war das erste mal nach meinem Beinbruch, dass ich wieder auf einem Wettkampf starte. Mehrmals hörte ich das Krachen des Beines in meinem "inneren Ohr". Eine leichte Unsicherheit kroch mir das zusammengeflickte Wadenbein hinauf. "Vertraue deinem Körper! Er kann laufen. Auch ohne Hals- und Beinbruch!" Ich redete mir gut zu und schob den Moment meines Unfalls weit, weit weg in die allerletzte Ecke meines Schädels. 

Kurz nach neun machte ich mir noch einen kleinen weiteren Snack. Sonst würde ich verhungern. Keine Frage. *schon wieder Ironie* 


Danach packte ich meine sieben Sachen, wobei es eher gefühlte 1000 Sachen waren und machte mich auf den Weg. Mein Navi führte mich mal wieder über Pisten, die gesperrt waren, was eigenmächtiges Handeln der Fahrerin, also mir, erforderte. Irgendwie bin ich aber immer so navi-abhängig, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, wo ich dann alternativ lang fahren soll. Das Navi möchte dann immer nur, dass ich wende und das geht halt nicht. Irgendwie kam ich in Hamm an. Allerdings passierte ich auf meiner Himmelsfahrt noch einen relativ frischen Autounfall. Zum Glück war keiner ernsthaft verletzt. Bis auf das Auto, das keine bzw. eine ziemlich komprimierte Motorhaube hatte.

Ich holte meine Startnummer und machte mich startbereit. Mein Plan sah es vor 30 Minuten vorher und 30 Minuten nachher zu laufen. Oder irgendwie 25 km voll zu machen. Der Schweinehundaffe in mir hatte sich aber bei diesem Vorhaben lachend auf einer imaginären Gehirn-Couch zurück gezogen. Aber ich wollte zumindest mit dem guten Vorsatz starten und wenigstens vorher 30 Minuten laufen. Schon beim warm laufen merkte ich meine Schultern und meinen Trapezmuskel. Ich kleiner Masochist musste Freitag auch unbedingt Handstand üben. Aber ich will ja diese Form des Trainings. Es geht auf Kosten der Spezifik und deswegen würde ich dieses Rennen hier auch um Welten langsamer laufen, als ich es noch vor einem Jahr getan hatte. Mein Ziel war es, dass sich das Ding hier heute gut anfühlt. Das ich den Lauf vernünftig einteile und nicht einbreche. Das waren meine Wünsche. Und was geschah dann wirklich?


Der Start. Ich hatte mich im vorderen Drittel einsortiert. Wollte nicht so weit nach hinten, aber auch nicht so weit nach vorne. Ich wusste, dass das heute nicht sonderlich blitzartig wird. Ich hatte im Vorfeld Angst um mein Bein bzw. davor umzuknicken in dem Gewusel auf der Bahn.

Als ich mich jedoch in Bewegung gesetzt hatte war ich sicher. Der Autopilot war an und die Beine liefen. So als hätten sie die letzten Monate nichts anderes gemacht. Mein Magen knurrte allerdings wie ein hungriger Löwe, der schon seit Tagen kein Futter mehr gefangen hatte. Ich versuchte mein Tempo zu finden, was mir wirklich schwer fiel. Das Laufgefühl war einfach ein anderes. Stabil und kraftvoll. Aber irgendwie nicht leicht und schnell. Wenn ich bei dem Vergleich der afrikanischen Tieren bleibe, dann eher wie ein galoppierender Elefant. Nicht wie der dynamische Springbock. Meine Atmung war auch schon ein Spürchen zu schnell. Ich musste die Geschwindigkeit drosseln, wenn ich nicht total einbrechen wollte. Ich reduzierte das Tempo und versuchte ein gutes Laufgefühl zu bekommen. Es lief so einigermaßen. 1 km, 2 km, 3 km, 4 km... und dann? Es wurde zäh. Meine Oberkörpermuskeln, die ich mir in den letzten Monaten mühsam gezüchtet hatte, schrien nun voller Empörung und beschimpften mich. Sie bekamen nicht mehr genug Sauerstoff und rebellierten. Die Beine waren auch verwirrt. Was tat ihr Frauchen da eigentlich? Ich brach tatsächlich nach hinten raus ein. Das was ich nicht vor gehabt hatte. So ein Ärger. Ich quälte mich weiter. Oh je, was fühlte sich das schlecht an. "Dafür kann ich aber sehr gut rudern und mehr Kniebeugen als alle anderen." Ging es mir durch mein verwirrtes, mit zu wenig Sauerstoff versorgtes Hirn. Ich lachte mich innerlich tot. Das hatte ich jetzt von meinem "anti-spezialisiertem" Training. Wenn man so wenig läuft wie ich es derzeit tue, dann braucht man sich über dieses Gefühl beim Rennen auch nicht wundern. Wobei ich mich eigentlich auch nicht wunderte. Mir war es klar gewesen. Aber insgeheim hatte ich auf ein kleines Wunder gehofft. Vielleicht würde es sich ja doch besser anfühlen. Die letzten Kilometer fühlten sich ewig an. Ich biss wie selten bei einem 10 km Lauf. Ich erreichte das Ziel in 47:19 und schmeckte das erste Mal seit Monaten den Geschmack von Laktat auf der Zunge. Ein gutes Gefühl. Ich trank etwas und trabte direkt weiter. Ich wollte ja schließlich noch 25 km voll machen. Es war nieselig und kalt. Aber ich zog das Ding durch. 

Mit einem kurzen Zwischenstopp an meinem Auto und warmer Kleidung machte ich noch ganz langsam 25 km voll. Dafür brauchte ich aber wesentlich mehr als eine halbe Stunde. Mein erster langer Lauf seit Urzeiten. Ich war ein bisschen Stolz auf mich und der Schweinehundaffe saß schmollend auf der Couch und guckte beleidigt aus dem rechten Ohr hinaus. 
Bevor ich jetzt noch mehr Unfug schreibe, mache ich lieber Schluss. In diesem Sinne: meine ersten Spendenkilometer sind gesammelt. Aktueller Spendenstand: 10 €

Fallnummer 41843212 – Part 8 – 
Es ist der  13.01.19 und das neue Jahr fühlt sich für mich gar nicht mehr an, wie ein neues Jahr. Gefühlt ist es schon eine halbe Ewigkeit her, dass ich in der Apotheke den Datum-Stempel ein Jahr weiter gedreht habe. Das Leben hat schnell seinen gewohnten Rhythmus wieder gefunden und die Zeit vergeht genauso schnell, wie sie es bereits im vergangenen Jahr getan hat. Ich für meinen Teil habe allerdings keine stumpfe Alltags-Routine, was mein subjektiv empfundenes Zeitempfinden enorm erweitert. Wenn man immer den gleichen Trott abspult, dann vergeht die Zeit ziemlich schnell und ohne neuen Input, der den Horizont erweitert. Wenn man zum Beispiel am Wochenende einen kleinen Urlaubstrip unternimmt oder irgendwas Verrücktes macht, dann wird das Wochenende gefühlt zu einem viel intensiveren  Erlebnis. Ein Wochenende zwischen Bett, Herdplatte und Couch dagegen plätschert unbemerkt dahin und schockiert stellt man plötzlich fest, dass wieder Montag ist und die Arbeitsroutine die Couchroutine ablöst. Zum Glück habe ich weder Arbeitsroutine, noch Hobbyroutine. Zurzeit plane ich meine Wochen tatsächlich im Vorfeld ziemlich genau und keine Woche gleicht der anderen. Arbeit, Training  und was noch so zum Leben eines modernen Homo Sapiens gehört sind immer anders. Dies fühlt sich unheimlich intensiv und voll an. Aber im positiven Sinne. Ich plane sogar meine Ruhephasen und ich war schon lange nicht mehr so entspannt und hatte so viel guten Tiefschlaf. Tiefschlaf ist wirklich schon was Feines. Auch der Zustand bei Entspannungstrainings ist was Tolles und Bewusstseinserweiterndes.  Es wird bei mir niemals den Sport ablösen, da dieser auch einen wunderbaren Zustand herbeizaubert. Naja zaubern pass nicht, da man ja streng genommen schon dafür arbeiten muss. Aber es ist immer wieder beeindruckend wie gut man sich nach einer Trainingseinheit und einer ordentlichen Dusche am Frühstückstisch fühlt. In solchen Momenten könnte ich vor Glück platzen. Und das einfach nur weil ich mich bewegen durfte, schwitzen konnte, mich aus der kuscheligen Komfortzone hinaus gezwungen habe und mich danach zur Belohnung herrlich frisch duschen konnte und mir ein gutes Futter zubereiten konnte. Dafür benötigt man nicht viel Geld und dennoch ist dieser Zustand unbezahlbar. Für diesen Zustand muss man nur eins tun. Man muss anfangen. Den ersten Schritt gehen. Danach läuft es fast von selbst. Auf den perfekten Moment für den ersten Schritt darf man nur nicht warten. Der perfekte Moment ist der, des ersten Schrittes. Also liegt es immer in unserer Macht.


Meine letzte Woche hatte von diesen Zuständen einige zu bieten. Allerdings war diese Woche geprägt von Planänderungen, was nicht so häufig vor kommt. Eigentlich wollte ich diese Woche mit den langen Läufen beginnen und meinen ersten Wettkampfkilometern. Das Wetter machte es mir an dieser Stelle nicht ganz so einfach. Ich wollte nicht bei Sturm und Regen zwei Stunden durch die Gegend traben. Und zwei Stunden auf dem Laufband zu verbringen hielt ich auch für überflüssig. Bzw. mein Schweinehund hielt dies für unnötig. Hinzu kam allerdings auch eine kleine gesundheitliche Beeinträchtigung. Ich hatte mir in meinem kranken Umfeld einen kleinen Erkältungsvirus einverleibt. Dieser kam zwar nicht so richtig zum Ausbruch, aber dennoch beeinflusste er meine Trainingsgestaltung. Der Ruhepuls blieb immer schön unten und das Allgemeinbefinden blieb gut. Dennoch sehe ich davon ab, mit einer noch so moderat verlaufenden Erkältung große Trainingsbelastungen zu absolvieren. Ein bisschen Ausdauer und Bewegung halte ich in dieser Ausprägung sogar für vorteilhaft, da die Atemwege besser belüftet werden und Schleim besser abtransportiert werden kann. Aber dies ist auch nur gut, wenn das Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt ist. Der Ruhepuls ist ein sehr empfindlicher Parameter, der einem zeigt wie es um die Regeneration und den Körperzustand bestellt ist. 
Meine Woche hatte also einen bunten Mix aus moderaten Ausdauereinheiten und ein paar „Turnübungen“. Laufband in Leguanos, Ergometer, Crosstrainer, Rudergerät, Vertikalclimber, Klimmzüge, Kniebeugen und Handstand üben wäre die konkrete Zusammenfassung. Und natürlich Ponyreiten. 


Das Handstandüben hat sich, obwohl es nur ein kurzes Intermezzo war, mal wieder am eindrucksvollsten in meinem Körper bemerkbar gemacht. Ich kann mir zwar nicht vorstellen jemals frei stehen zu können oder gar laufen zu können, aber dennoch ist dies ein Ziel. Ein Marathon auf Händen, das wäre mal was. Auf der anderen Seite gibt es einfachere Methoden, um ein Plätzchen in einer Psychiatrie zu bekommen. Heute hatte ich übrigens einen knackigen Ausdauertag. 60 Minuten Ergometer gefolgt von 30 Minuten Crosstrainer und 30 Minuten Rudern. Das ganze natürlich nüchtern. Ursprünglich hätte ich mich heute in Flierich auf dem Lauf um den Förderturm ausgetobt. Dies wäre in jedem Fall kurzweiliger gewesen. Diese zwei Stunden vor dem Frühstück haben sich schon ganz schön gezogen und meine Schweißproduktion war erheblich. Aber umso schöner, wenn man danach dann entspannt in einen relaxten Sonntag eintauchen kann.


Essentechnisch gibt es bei mir auch noch etwas zu melden. Einer meiner Vorsätze beinhaltet die Reduktion von tierischen Produkten. Ich hatte mir die letzten Wochen und Monate viel von „Vegan ist ungesund“ angeschaut. Dies sind zwei lustige Typen, die auf Youtube FÜR Veganismus werben. Ich find sie wirklich gut und unterhaltsam und sie machen aufmerksam auf die Missstände in der Massentierhaltung. Schaut euch das auch ruhig einmal an. Allerdings möchte ich eine Sache kritisieren. Einer von beiden ist Arzt und es wird immer wieder darauf verwiesen, dass man vegan keinerlei Mängelzustände zu befürchten hat. Und da der eine ja Arzt ist, wird dies auch immer so hingestellt, dass dies ja richtig sein muss. Er muss es ja als Arzt schließlich wissen. Oft machen sie sich dann auch etwas lustig über die allgemeinen Bedenken, dass nicht genügend Eisen, Protein etc. aufgenommen wird. Also, die beiden haben an vielen Ecken wirklich Recht, aber leider ist es einfach so, dass wir Menschen den Darm eines Allesfressers haben und nicht in der Lage sind alle (ALLE) lebensnotwendigen Mikronährstoffe in ausreichender Menge aus rein pflanzlicher Kost zu resorbieren. Entweder man substituiert über Nahrungsergänzungsmittel oder der Körper wird früher oder später die gesundheitlichen Segel streichen. Was fehlt? Eisen, B12, Vitamin A, verschiedene B-Vitamine, Omega 3 und qualitativ hochwertiges Protein mit einer guten Wertigkeit. Desweitern führt ein oftmals hoher Verzehr von Gluten zu einem löchrigen Darm mit nachfolgend entzündlichen Prozessen im gesamten Körper. Das aber nur kurz angerissen. Ich finde die Massentierhaltung natürlich auch vollkommen daneben und aus diesem Grund habe ich mich entschlossen wenigstens einen Schritt in diese Richtung zu gehen. Dies sieht so aus: ich esse viel weniger Fleisch als vorher und ersetze dies mit pflanzlichen Eiweißspendern wie Hülsenfrüchte und Sojaprodukten. Hier zu sehen sind leckere Sojabratlinge im Salatbett. 


Alle tierischen Produkte, die ich kaufe, haben ausschließlich Bio-Qualität. Regionale Herkunft versuche ich hierbei noch vorzuziehen. Fisch bzw. Meeresfrüchte esse ich eigentlich fast immer noch täglich. Achte dabei aber ebenso auf eine Bio-Qualität. Ob überall Bio drin ist, wo es drauf steht, weiß ich nicht. Aber zumindest setze ich damit schon mal ein Zeichen, dass ich für LEBENSmittel mehr ausgeben möchte und nicht dieses Preisdumping unterstützen möchte. In diesem Sinne noch nen schlauen Spruch: „Du bist, was du isst.“


Fallnummer 41843212 – Part 7 – 
Es ist der 30.12.18 und ich durfte dieses Jahr einen ganz besonderen Jahresabschluss feiern. Einen ganz exklusiven Jahres- bzw. Lebensrückblick. Klingt spannend oder? Bevor ich zu diesem sehr besonderen Rückblick komme, möchte ich Dir noch kurz von meiner Trainingswoche über Weihnachten und „zwischen den Jahren“ berichten. Vom 24.12. bis zum 25.12.18 waren wir bei meinen Eltern im wunderbaren Neuss. Neben dem üblichen hyperkalorischen Essen gab es dort einen nüchternen 40 minütigen Leguanolauf. Meine nüchternen Trainingseinheiten gehören mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Alltags. An Ruhetagen fällt dies natürlich flach. Ich liebe es mich danach mit wirklich knurrenden Magen und „echtem“ Hunger an den Tisch zu setzen und das macht dann doppelt Freude, wenn die beste Mama der Welt ein so großartiges Weihnachtsfrühstück gezaubert hat. 


Am Nachmittag des 1. Weihnachtsfeiertages ging es dann wieder Heim und es folgte noch Teil zwei der Familien-Weihnachtsfeier. Am 2. Weihnachtsfeiertag hieß es dann wieder ordentlich keulen. Also schwitzen. Meine Nüchterneinheit bestand aus 60 min Ergometer, 20 min Crosstrainer und 20 min Leguanolauf. 

Sowie dem üblichen Mobilitytraining. 
Bei der ganzen Geschichte habe ich ordentlich Flüssigkeit gelassen. Aber es fühlte sich wieder großartig an. Nach einem genüsslichen Frühstück mit einem etwas höheren Kohlenhydratgehalt ging es zum Pony. 

Zweite Einheit: reiten. Ich erwähnte es zwar schon öfters, aber ich muss es nochmal tun. Reiten ist wirklich anstrengend und mein Puls ist wesentlich höher, als beispielsweise auf dem Ergometer oder Crosstrainer. Nach dem Pony reiten gab es dann zu Hause wieder gutes Futter. Wieder mit etwas mehr Kohlenhydraten. Warum? Weil noch eine zweite Trainingseinheit am Abend auf mich wartete. Eine mit einem Kraftanteil, der mit gut gefüllten Glykogenspeichern besser klappt, als ausgelutscht und leer. Desweiteren habe ich mein Essen etwas mehr gesalzen. Denn durch die hohe Schweißproduktion muss ich den Verlust wieder ersetzen. Außerdem hilft Salz bei der Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm. In der Regel haben wir in unserem Essen aber genügend Salz und dieser Aspekt ist eigentlich zu vernachlässigen. Interessant ist dieser Punkt aber übrigens bei der Substitution während des Sportes. Daher sollte ein Spürchen Salz im Sportgetränk enthalten sein. Nun denn, kommen wir zurück zu meinem Weihnachts-Monster-Trainingstag. Abends folgte dann nochmal 20 min Rudern und ein Workout aus Strandschere 20 WH, Reißen mit einem 12,5 kg Hexagon 10 WH je Seite und Hüftheben 20 WH. Davon dann vier Serien. Danach dann wieder eine Portion Mobility. Als Belohnung nach dem ganzen Geackere ging es noch in die Sauna zum Entspannen. Auch das ist ein großartiges Gefühl, wenn man sich zuvor jenseits jeglicher Komfortzone gequält hat.  


Es folgte dann noch eine sehr arbeitssame Woche in der Apotheke. Trainingstechnisch hatte ich nur noch Freitagmorgen um 6:00 Uhr eine erwähnenswerte Anstrengung und ansonsten nur noch Entspannungspraktiken und Arbeitsgedöns. 

Und nun wären wir nämlich bei meinem zu Beginn angekündigten Rückblick. Ungewollt. Ich sag nur: Wasser im Keller. Gestern Abend entdeckten wir das Schlammassel. Im letzten Raum unseres Kellers hatte sich Wasser klamm und heimlich durchs Fenster geschlichen hatte dort sämtliche Kartons mit Klamotten, Büchern und Erinnerungen getränkt. Somit hatten wir heute alle Hand zu Tun. Alles ausräumen, trocknen, waschen etc. Mir vielen dabei unzählige Shirts in die Hände, die ich irgendwann mal eingemottet hatte. Shirts von Marathons. Shirts von meiner ersten Selbstständigkeit als Kühlschrankberatung. Die Vergangenheit hatte mich von einer Minute zur Anderen auf einmal eingeholt. Während ich alles auseinander friemelte, fielen mir bei den meisten Dingen Geschichten und Menschen ein. Menschen, die meinen Lebensweg irgendwann mal begleitet hatten und mir nun hier unten im Keller zwischen Wasser und eingeweichten Kartons wieder begegneten. Meine Güte was hatte ich viel Kram und Sachen. Ich hatte diese Dinge schon seit Ewigkeiten nicht mehr in den Händen gehalten. Ich brauchte sie nicht mehr. Nicht in meinem aktuellen Leben. Aber dennoch waren sie ein Teil von mir. Ein Teil von meinem Leben. Ein Teil von meiner Entwicklung. Und nun waren sie nass und stinkig. Es war irgendwie traurig. Aber zugleich auch schön sich seiner Lebensgeschichte und den vielen Stationen im Leben noch einmal bewusst zu werden. 

Ich war dankbar für all die erlebten Momente und dem unerwarteten Rückblick auf dem nassen Boden unseres Kellers. Irgendwo in diesem Keller-Chaos standen auch meine Krücken. „Jaqueline und Chantal“, wie ich sie liebevoll getauft hatte. Auch sie tragen einen Teil meines Lebensweges in sich. Sie werden mich immer an diesen besonderen Geburtstag erinnern. Und so geht das Leben weiter. Wir packen Kartons und stellen sie irgendwo in die Ecke, weil wir sie im täglichen Leben nicht benötigen. Trennen können wir uns allerdings von diesen Dingen nicht, da sie emotional zu wertvoll sind, auch wenn sie objektiv nicht viel wert sind und niemals mehr einen großen Nutzen haben werden, außer uns an längst vergangene Zeiten zu erinnern. Wie ein Fotoalbum.  
So und nun möchte ich mich aus dem diesem wunderbaren Jahr verabschieden und Dir alles Gute und vor allem einen Haufen Gesundheit und Freude wünschen. Auf dass Du 2019 viele großartige Erinnerung für Deinen Keller und Deine Lebensgeschichte sammelst.
 


Fallnummer 41843212 – Part 6 – 
Es ist der 23.12.18 und meine Waage hat mir heute Morgen stolze 62,2 kg präsentiert. Meine Muskeln wachsen. *zwinker* Neben meinen Muskeln ist mir diese Woche leider seit sehr langer Zeit mal wieder mein „Tibetischer-Monster-Herpes“ gewachsen. Mein ganzes Leben lang hatte ich nie Herpes und hatte die Vermutung, dass ich zu den Geschöpfen gehöre, die immun dagegen sind. Denn die Durchseuchungsrate –klingt fies, heißt aber so – liegt bei nahezu 90 %. Das heißt fast jeder Mensch hatte bereits ein intimes Intermezzo mit Herpes. Bei manchen bricht das Ganze dann in Form einer wunderschönen „Lippen-Blüte“ oder manchmal sogar mit Nasen- und in bösen Fällen mit Augenbeteiligung aus. Zum Glück ist es meistens nur auf die Lippen begrenzt. Wobei das für den Beteiligten schon blöd genug ist. Wie bereits geschrieben habe ich 32 Jahre Ruhe davor gehabt, bis ich auf unserer Erlebnisreise in Tibet mir mein Immunsystem anscheinend so weg gebombt habe, dass das Herpes Simplex 1 Virus in mir die Weltherrschaft oder vielmehr die Marion-Herrschaft übernommen hat. Auslöser für den Ausbruch sind nämlich Stress, schlechte Ernährung, zu viel Sonne, schlechte hygienische Verhältnisse und auch hormonelle Änderungen. Auch der bekannte Ekel vor etwas kann ihn auslösen. 

Damals in Tibet hatte ich alles. Und diese Erstmanifestation im Erwachsenenalter war wirklich die Hölle. Es war sogar noch ein kleines bisschen schlimmer als Männerschnupfen. Wirklich. Seit dem bekomme ich immer wieder mal Besuch von diesem „Schweinevirus“. Jedes Mal ist es mir so schrecklich unangenehm. Es sieht so aussätzig aus und ist ein leuchtendes Aushängeschild für ein angeschlagenes Immunsystem. Tzzzz….von wegen Ernährung macht einem ein solides Immunsystem. Wie kam es nun bei mir zu dem aktuellen Ausbruch? Nun dies kann ich sogar ziemlich klar beantworten. Zum Einen gestehe ich mich schuldig meinen Körper derzeit mit fordernden Trainingsreizen zu konfrontieren. Dies ist natürlich noch nicht der alleinige Auslöser. Lediglich eine Baustelle, die mein Körper zu verarbeiten hat. Dazu kam diese Woche ein leicht amokhafter Vorweihnachtsarbeitsstress. Wie jedes Mal vor den Feiertagen. Ja, die Welt wird höchstwahrscheinlich dieses Mal nach Weihnachten unter gehen. Nun, dadurch musste ich einiges umwerfen, mehr arbeiten und mehr Stress verarbeiten. Was ja an sich keine Tragödie ist, da ich ja seit ein paar Wochen eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin begonnen habe und mich viel mit Entspannungsmethoden auseinander setze. Und tatsächlich schlafe ich seit dem wie ein Baby. Kommen wir zu dem letzten Faktor, der mich dann doch umgehauen hat. Um mich herum sind viele kranke und erkältete Menschen. So war auch mein Freund fein erkältet und hat mich aus nächster Nähe mit Erkältungsviren attackiert. Der fiese Möpp. Naja, und dat war dann halt das Quäntchen zu viel. Aber dieses Mal ist es mir egal, wie ich aussehe. Ich habe diese wundervoll strahlende Knospe diesmal nicht versucht zu verdecken oder sonst was. Es ist mir egal bzw. ich nehme es an und verstehe, warum es da ist. Mein Immunsystem war mal kurz überfordert. Ja, auch bei mir. Obwohl ich immer versuche alles richtig zu machen. Und das ist der Grund warum ich hier gerade einen kleinen Herpes-Blog draus mache. 

Ein gesunder Lebenswandel kann einen nicht vor allem bewahren. Aber vor sehr, sehr viel. Und damit komme ich mal direkt zur Sache. Ich überlege noch kurz, ob ich erst etwas zu meinem Training schreibe oder erst zu den wirklich bewegenden Dingen dieses Lebens? Hmmm…erst die schwere Kost würde ich sagen. Den gestrigen Tag habe ich ziemlich neben der Spur verbracht. Man könnte auch sagen, dass ich die meiste Zeit Tränen in den Augen hatte und mich irgendwie entrückt gefühlt habe. Anders kann ich das nicht beschreiben. Vielleicht fällt mir noch ein besseres Adjektiv ein. Meine Operation ist jetzt 5 ½ Wochen her. Ein paar Tage vor der Operation hatte mir ein guter Lauffreund geschrieben und mir alles Gute für die Operation gewünscht. Er hatte mir dabei noch ein paar liebe und lobende Worte verfasst über meine positive Art, wie ich mit dem Beinbruch umgegangen bin. Bei dieser Nachricht stand zwischen den Zeilen, dass es ihm gesundheitlich leider nicht so gut geht. Allein von dem was er dort geschrieben hatte, wurde mir irgendwie schlagartig anders. Mir war in dem Moment sofort klar, dass er etwas Ernstes hat. Keinen popligen Beinbruch. Ich erkundigte mich nach ihm und er berichtete mir, dass bei ihm Krebs mit Metastasenbildung diagnostiziert worden sei.  Die Chemo wurde bereits abgebrochen, weil der Tumor trotzdem weiter gewachsen war. Meine Angst vor der routinemäßigen Operation war damals wie pulverisiert. Ich fühlte mich als würde ich zu einem Pflasterwechsel gehen. Ein klein wenig schämte ich mich für die Angst und das Gedöns, was ich wegen der Operation veranstaltet hatte. In dieser Nachricht hatte er mir geschrieben, dass er leben will und kämpft. Er hänge an seinem Leben und habe fürchterliche Angst vor dem was noch kommt. Diese Nachricht hatte mich so bewegt, dass ich kaum mehr an meine Operation dachte. Natürlich hatte sich eine gewisse Grundangst wieder eingestellt, aber mir war mal wieder klar, wie schnell es zu Ende sein kann mit Zukunftsvisionen und Zielen. Nach meiner Operation hatte ich noch einige Male versucht Kontakt aufzunehmen und habe leider nichts mehr gehört. Ich hoffte, dass es nicht bedeutete, dass er gesundheitlich nicht mehr in der Lage dazu war. Zum Glück las ich ein paar Tage später geteilte Inhalte von ihm in den sozialen Medien. Ihm geht’s vielleicht doch besser dachte ich. Mein Leben geriet dann wieder in die gewohnte Alltagsroutine und ich vergaß. 

Freitagmittag erreichte mich dann die traurige Nachricht, dass er Dienstag gestorben ist. Ich las es und konnte es nicht glauben. Es war so wahnsinnig unwirklich. Da waren die Gefühle in mir. Die damals eigene Angst vor der Operation. Dann seine schreckliche Nachricht mit der Diagnose. Seine Worte, dass er am Leben hänge und kämpft, aber der Kampf so ernüchternd sei. Und nun war er einfach nicht mehr da. Dieser wahnsinnig fröhliche und positive Mensch. Wenn wir uns trafen, haben wir immer so viel gelacht. Und er gehörte zu den Menschen, bei denen man sich wohl fühlte, weil sie einfach von Grund auf positiv waren. Ich meine natürlich, er gehört zu den Menschen! Nicht gehörte. Denn egal wo er jetzt ist, er ist es immer noch und wird es immer bleiben. Ich habe jetzt schon wieder Tränen in den Augen und einen riesenhaften Kloß im Hals. Ich kann manche Sachen nicht begreifen. Ich habe gestern in Dauerschleife das Lied Hallelujah in der Version von Pentatonix gehört und kam dabei auch gar nicht mehr raus aus dem Schluchzen. Ich dachte an seine arme Frau und konnte nur im Ansatz nachfühlen wie schrecklich groß der Schmerz sein muss. Konnte es ein traurigeres Weihnachten geben? 

Ich dachte an Weihnachten 2017. Ich dachte an mich. An ihn und seine Frau. Wir alle hatten ein Weihnachten und einen Jahreswechsel vor der Nase, bei dem wir uns über Ziele und Vorsätze Gedanken machten. Bei mir kam dann bereits im Februar ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk mit Konsequenzen für den Rest des Jahres. Wadenbeinbruch. Ich habe mein Wadenbein nun mit Hilfe einer großartigen medizinischen Versorgung wieder geflickt. Er bekam stattdessen eine Diagnose um die Ohren gehauen mit der er nun dieses Weihnachtsfest nicht mehr erleben kann. Es ist einfach so surreal. Ich kann es nicht fassen. In diesem Jahr sind viele Menschen viel zu früh von uns gegangen. Es passiert immer wieder. Und für einen kurzen Augenblick vergessen wir die belanglosen Dinge unseres Lebens. Aber wenn uns der Alltag dann wieder eingeholt hat, versinken wir wieder in unseren Routinearbeiten. Wir ärgern uns über andere Autofahrer, über schlechtes Wetter, die Steuererklärung, die Benzinpreise,  einen schon wieder mit Haaren verstopften Duschabfluss oder darüber, dass der geliebte Aufschnitt ausverkauft ist. Alles total egal. Nun ja, man sollte sich auch nicht mit diesen kleinen belanglosen Dingen belasten. Das Leben ist zu kurz dafür. Man sollte die Dinge machen, die einem gut tun. Die dem Herzen gut tun. Die anderen Menschen gut tun. Immer. Dazu fällt mir auch noch ein Text von einer ebenfalls viel zu jung verstorbenen Frau ein. Sie appellierte in ihrem Text an die Menschen, dass sie Gutes tun sollen und anderen helfen soll. „Gib, gib, gib!!!“ hatte sie geschrieben. Dieses „Gib, gib, gib!“ schwirrt mir nun seit vielen Wochen in der Birne rum und beeinflusst mein Handeln. 

Im Grunde sind viele Dinge, die ich schreibe absolut abgehalfterte Floskeln und Weisheiten. Nix Neues. Aber ich schreibe sie dennoch. Wieder und immer wieder. Ich werde immer weiter auf eine gesunde Ernährung hinweisen. Du kannst mit dem was ich schreibe machen was Du möchtest. Du kannst Dich aufregen, mich verfluchen, das Gegenteil tun und genüsslich Deine Pizza mit Cola runterspülen. Das ist schade für Deine Gesundheit und ich würde mich darüber freuen, wenn Du netter zu Deinem Körper wärst, aber ich will hier keinen belehren im eigentlichen Sinne. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen. Ich möchte ein Bewusstsein für Deinen Körper GEBEN. Unser Körper toleriert sehr, sehr lange eine schlechte Lebensweise. Aber nicht ewig. Und dann kommt die Quittung und das manchmal Knüppelhart. Jetzt magst Du vielleicht denken, was ist mit all den Menschen, die krank werden und immer gesund gelebt habe? Ja, das sind diese paar Prozent, die wir nicht beeinflussen können. Genetik. Vielleicht auch Noxen oder Einflüsse, die wir noch nicht kennen. Das, was wir beeinflussen können ist übrigens viel, viel gravierender. Übrigens stehen ganz oben bei den Risikofaktoren einer Krebserkrankung Ernährung, Bewegung/Sport, Rauchen und Alkohol. Nur mal so neben bei. Und ich möchte noch mal betonen: man kann das Risiko nie auf 0 % bringen! Aber Ernährung und Sport haben den gleichen Stellenwert bei Krebserkrankungen wie Rauchen und Alkohol. Das ist Lehrbuchwissen und keine von mir ausgedachte Weisheit. Also Sport und eine gesunde Ernährung sind an dieser Stelle präventiv und Alkohol und Rauchen krebsfördernd. Nun, ich denke, das war jetzt genug schwerer Stoff. 

Ich kann nur sagen, dass ich noch nie so liebevoll und dankbar Weihnachtsgeschenke eingepackt habe. Nicht, weil diese kleinen, materiellen Dinge so wichtig sind, sondern weil ich dieses Jahr Weihnachtsgeschenke einpacken durfte. Ich durfte mich daran erfreuen Kleinigkeiten zu verschenken. Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass meine Familie gesund ist und wir Geschenke auspacken dürfen, spielen können und leckeres Essen verspeisen können. Danke, dass ich mir nur das Bein gebrochen habe. Danke für die Lebenszeit. Danke, für das ganze Training, was ich machen darf. Und damit wäre ich bei meiner Trainingswoche. Oh je, schwer hier noch einen lockeren Weihnachtsabgang hinzubekommen. Zum Glück muss man das ja auch nicht. Man kann ja durchaus noch etwas zum Nachdenken mitnehmen. Aber ich möchte ja auch keinen traurig machen. Im Gegenteil. Ich will, dass Du Dein Leben genießt und Deinen Körper und Deine Gesundheit pflegst und liebst. Mach Dir jeden Tag die zeitliche Limitierung im Spiel des Lebens bewusst. 

Also, mein Trainingsschwerpunkt lag diese Woche eindeutig auf dem Freitag. Leider war dieser Tag auch etwas über den Haufen geworfen, weil ich unplanmäßig arbeiten musste. „Aber nichts desto trotz, aus der Nase fließt kein Honig“ pflegt mein Freund immer zu sagen. Mein Nüchterntraining bestand aus 75 min Ergometer + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband und einem abschließenden Mobilitytraining für bessere Beweglichkeit. Danach war ich dann schon ziemlich erschöpft und habe mich über ein sehr kohlenhydratbetontes Frühstück auf Haferflockenbasis her gemacht. Es gibt nichts Besseres: dieser Moment der körperlichen Erschöpfung und Entspannung, gepaart aus dem Gefühl frisch geduschter, duftender Haut und einem leckeren Bissen Futter im Mund. Dafür lohnt sich jede Kniebeuge. Danach habe ich dann ein paar häusliche Tätigkeiten erledigt, habe eingekauft und mir ein leckeres Mittagessen kreiert.


Ich mache es mir übrigens zu jedem Essen gemütlich, zünde Kerzen an und versuche das Essen maximal zu genießen. Auch wenn ich wenig Zeit habe. Dann ging es zur Arbeit und danach wartete Part 2 der sportlichen Betätigung an diesem Tag auf mich. 20 min rudern + 10 min Vertikalclimber + ein weiteres Mobilitytraining, gespickt mit insgesamt 41 Klimmzügen. Danach habe ich mir einen leckeren Granatapfelsaft gegönnt, sowie ein gemütliches Basenbad bei Kerzenschein. Danach gab es noch ein leckeres Abendbrot, was so aussah. 

Samstag konnte ich mich dann erholen von diesem Mamuttraining. Und heute steht mein erster Lauf in der freien Wildbahn an. Seit der der Operation war ich noch nicht draußen und dies werde ich heute im Rahmen des „Wir warten aufs Christkind Marathon“ tun. Dieser wird von zwei lieben Lauffreunden aus Wadersloh organisiert und führt über Lippstädter Boden. Mein Revier. Hier habe ich mir eine kleine Runde raus gepickt, die ich vielleicht schaffen werde.


So und nun war’s das vor Weihnachten von meiner Seite aus. Genieß die Zeit, geh zwischen dem guten Weihnachtsfutter auch mal spazieren oder treib etwas Sport. Oder mach zwischen den Gängen ein paar Kniebeugen oder Liegestützen.  ;)


Fallnummer 41843212 – Part 5 – 

Es ist Sonntag der 16.12.18 und ich habe heute Morgen festgestellt, dass mein Quark nur bis zum 16.12.18 haltbar ist. Aber damit nicht genug. Es schneit zu allem Überfluss.  Auch wenn der weiße Kram da draußen ganz nett aussieht und zu den weihnachtlichen Beleuchtungen und Dekorationen recht hübsch aussieht, mag ich ihn nicht.


Ich finde zwar Spaziergänge im knirschenden Schnee schön und finde es gemütlich vor dem Ofen zu sitzen oder vor dem Laptop, einen köstlichen Kaffee zu trinken und auf der Tastatur rum zu hämmern, während draußen der Schnee vom Himmel rieselt und alles in ein friedliches Weiß einhüllt. Warum ich ihn nicht mag liegt an den vielen ungünstigen Begleiterscheinungen. Das erste was mir dazu einfällt: meine Fahrradfahrt zur Arbeit ist gefährdet. Schnee, Glatteis und starker Sturm sind die drei Kriterien, die meiner täglichen „Radtour“ zur Arbeit den Gar ausmachen. Das heißt dann Auto fahren. Und dann wären wir bei Punkt 2. Ich finde es eigentlich ganz lustig im Schnee Auto zu fahren, aber halt auch nur eigentlich. Wäre ich alleine im Straßenverkehr fände ich es auch ohne eigentlich toll. Aber nicht mit den anderen vielen wilden, nichtwilden, ängstlichen, unkontrollierten und natürlich zum Glück auch kontrollierten Autofahrern. Ich bin selbst absolut kein Autofahrprofi und eher vorsichtig und zurückhaltend, aber irgendwie muss man sich ja bei dem Wetter von A nach B bewegen. Ein weiterer Punkt warum ich Schnee doof finde, ist die Tatsache, dass das frische, jungfräuliche Weiß mein weißes Auto immer noch schmutziger aussehen lässt, als es ohne hin schon ist. Ich könnte die Lise noch endlos weiterführen. Auch die Tatsache, dass man im Schnee nicht vernünftig Laufen kann finde ich blöd. Natürlich kann man laufen, aber nicht wirklich gut. Wer schon mal eine Marathonvorbereitung im Schnee gemacht hat, weiß wovon ich rede. Zum Glück bin ich gerade in keiner Marathonvorbereitung. *kicher* 


Apropos Marathonvorbereitung. Heute in 19 Wochen ist es so weit. Der Düsseldorf Marathon. Diese Woche habe ich auch endlich wieder  mit dem Laufen begonnen. Mittwoch stand die erste easy Leguano-Laufband-Einheit von süßen 10 min an. Es funktionierte wirklich richtig gut. Kein Zwicken, Zwacken oder andere Unpässlichkeiten. Mittwoch stand trotz des „Laufstartes“ im Zeichen der Klimmzüge. Nach dem 10 minütigen Lauf war ich noch 30 Minuten rudern und habe danach noch ein ausgiebiges Mobilitytraining inklusive 24 Klimmzügen absolviert. Mittwochnachmittag folgte dann Teil zwei meines Trainings mit 100 Liegestützen, 180 Kniebeugen und 45 Klimmzügen. So kam ich dann an diesem Tag auf insgesamt 69 Klimmzüge. Eine meiner liebsten Übungen. Sie sind eigentlich furchtbar, aber wenn man sie einmal beherrscht, dann sind sie großartig. Natürlich dennoch ziemlich anstrengend, aber ich liebe sie. Und die Wahrscheinlichkeit sich dabei das Bein zu brechen ist normal noch geringer, als beim Laufen. Es sei denn die Klimmzugstange reißt ab und ich komme so unglücklich auf, knicke um und breche mir auf diese Weise das Wadenbein. Aber nun gut, wollen wir davon mal nicht ausgehen. Meine wahrlich verdienten Abendessen gestalten sich zurzeit sehr reich an Mikronährstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Man muss seinem Immunsystem in dieser Jahreszeit ordentlich unter die Ärmchen greifen, damit Erkältungsviren und Co. keine Schnitte haben. 


Die restliche Woche gestaltete sich wie die Wochen zuvor auch sehr abwechslungsreich. Neben rudern und dem endlich wieder begonnenen laufen, habe ich mich auf dem Crosstrainer und dem Vertikalclimber vergnügt. Dazu natürlich viele Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie Übungen mit Gewicht. Wenn ich über meinen bevorstehenden Marathon nachdenke und das gezielte Training dafür, bekomme ich im Moment irgendwie Zweifel. Nicht daran diesen Marathon zu laufen, sondern über die Art und Weise meiner Vorbereitung. Die letzten Jahre habe ich schon sehr viel Crosstraining, also diese sehr fassettenreiche Art und Weise des Trainings mit Elementen aus dem Ausdauersport, Turnübungen und Gewichtübungen, praktiziert. Und ich muss immer mehr fest stellen, dass ich dies mehr liebe, als das reine Laufen. Ich muss mir eingestehen, dass ich kein heißblütiger Läufer mehr bin. Der Läufer, also ich meine jetzt DER Läufer an sich läuft und tut alles, um hier das optimale und beste Potential auszuschöpfen. Werden „Stabi-Übungen“ praktiziert, dann nur um im Laufen davon zu profitieren. Ich habe seit gut zwei Jahren diese Praxis bei weitem verlassen. 2018 lag natürlich im Schatten meines Beinbruches. Die freie sportliche Entfaltung war dadurch mehr als beeinflusst. Sie war gänzlich limitiert. Es war zwar einiges an sportlicher Aktivität möglich, ich würde sogar sagen, dass ich den letzten Monaten fast nichts mehr von dem Titan gemerkt habe, aber psychologisch hat mich die zweite Operation das ganze Jahr ziemlich ein gebremst. Aber nun gut, ich habe genug über mein gebrochenes Bein geschrieben. Auch wenn ich das Kapitel jetzt nach der erfolgreichen zweiten Operation nicht gänzlichen schließen kann, da die Spuren bleiben, möchte ich mich gedanklich und emotional nicht mehr damit aufhalten. 


Ich habe in diesem Jahr viel gelernt und das Leben und die Gesundheit neu zu schätzen gelernt. Auch wenn ich das schon immer meinte zu wissen, habe ich einen wahrlichen  Crashkurs absolviert, um am eigenen Leib zu spüren was Abhängigkeit von anderen Menschen und die Angst vor Operationen etc. bedeutet. Ich habe auch gespürt wie sehr man an anderen Menschen hängt, wenn man Angst hat und vor allem wie wichtig es ist, dass Menschen für einen da sind. Auch wenn ich nur ein Bein gebrochen hatte, hatte ich eine furchtbare Angst vor der Vollnarkose und der Operation. Ich hatte schlicht und ergreifend Angst nicht mehr wach zu werden. Ein Risiko ist bei der läppischsten Routine-Operation immer da. Aus diesem Grund hatte ich den Gedanken ehrenamtlich bei den Grünen Damen zu beginnen, um kranken Menschen, die nicht mehr viel Besuch bekommen einfach etwas Nähe und Aufmerksamkeit zu schenken. Ihnen einfach mal zuzuhören und Zeit zu schenken. Vielleicht sogar Hoffnung und Lebenskraft. Ich habe viel darüber nach gedacht, weil ich Angst habe, dass die schweren Schicksalsschläge mich vielleicht fertig machen würden. Voller Aufgeregtheit hatte ich mit den grünen Damen Kontakt aufgenommen und hatte mein erstes Gespräch mit ihnen. Ich denke, dass ich zum nächsten Jahr mit der ehrenamtlichen Tätigkeit bei den grünen Damen starten werde. Auch wenn ich gerade nicht weiß, wie sehr es mich belasten wird, möchte ich es zumindest versuchen. So viel zu einem meiner Vorsätze für 2019. Mehr für andere Menschen da zu sein. 
Ganz passend zu diesem Thema hatte ich diese Woche im Rahmen eines Rotary-Hilfsprojektes ein Mittagessen mit Menschen ohne Wohnsitz. Früher nannte man sie obdachlos. Rotary hatte diesen Menschen in Lippstadt ein feines Mittagessen spendiert. Mit allem was dazu gehört. Aber es ging nicht nur darum ihnen das Essen zu schenken, sondern auch darum mit Ihnen etwas Zeit zu verbringen. Einfach von Mensch zu Mensch. Insgesamt zehn Rotarier und geschätzt ca. 25-30 „Obdachlose“ mischten sich in bunter Reihe an liebevoll dekorierten Weihnachtstischen. Ein paar von den Menschen ohne Wohnsitz reagierten zu Beginn etwas gestresst und scheu. Sie fühlten sich unsicher. Ein sehr junger Mann von 19 Jahren war furchtbar ängstlich und rannte mehrmals weg. Er setzte sich alleine an einen Tisch und sagte, dass er das nicht könne. Er käme mit so vielen Menschen nicht klar. Er tat mir so leid. Eine der Betreuerinnen überredete den jungen Mann mit an einen gemischten Tisch zu kommen. Nach einer guten Viertelstunde hatte sich ein unglaubliches Bild ergeben. An allen Tischen wurde sich angeregt unterhalten. Mit geschlossenen Augen hätte man niemals gedacht, dass sich hier gerade Menschen austauschten, die unterschiedlicher hinsichtlich des sozialen Umfeldes gar nicht sein konnten. Ich hatte einen jungen Mann an meinem Tisch, der eine schlimme Vergangenheit hinter sich hatte. Von starkem Drogenkonsum bis hin zu Knast hatte er in seinem Leben schon alles durch gemacht. Er hatte sich von den Drogen frei gekämpft und einen Entzug hinter sich. Ich sprach mit ihm über seine Zukunftsvisionen, Ziele und Motivationen. Keinen Moment dachte ich dabei über mich, meinen Sport, mein Bein oder sonst was nach. Ich hörte einfach zu. Meine Güte, es gibt Menschen auf diesem Planeten, die haben wirklich andere Probleme. Echte Probleme. Wobei Probleme immer subjektiv sind und auch wenn sie im Vergleich zu richtigen Problemen lächerlich sind, sollte man jedes ach so belanglose Problemchen ernst nehmen. Und vor allem den Menschen vor einem ernst nehmen. Egal, um was es sich handelt. Der Mensch und sein subjektiver Leidensdruck sind egal wie groß das objektive Problem ist, immer wichtig. 

Nach einer sehr bewegenden Lebensgeschichte und einem Einblick in das Leben von Obdachlosen, die gerade bei dieser Jahreszeit ein wirklich hartes Leben haben, ging es für mich wieder zurück zur Arbeit. Zurück in das System. Zurück zu den Problemen des Alltags. Dankbar. Ich fühlte mich irgendwie zurechtgerückt. Man hatte für einen kurzen Augenblick sein Leben verlassen und war eingetaucht in ein fremdes Schicksal und hatte gespürt, wie sich Leben auch anfühlen kann. Drogen, Perspektivlosigkeit, Resignation, fehlender Lebenssinn, Angst, Not, Beschaffungskriminalität, Ablehnung. Ich bewundere die Menschen, die sich aus solch einer Situation wieder raus gewühlt hatten und konnte nach empfinden wie groß die Angst war, wieder rückfällig zu werden und die klare Welt mit all ihren wundervollen Möglichkeiten zu verlieren und wieder im Dunst des Drogenkonsums keinen Horizont mehr zu sehen. Nach ein paar Stunden normaler Arbeit war aber auch ich wieder gestrandet in meinem Leben und dachte an die kleinen belanglosen Dinge und Freuden meines Alltags, wie zum Beispiel an mein abendliches Workout. 15 Minuten Leguanolauf auf dem Laufband, sowie drei Serien Beinscherencrunches 100 WH – Schräges V-Up 50 WH + Mobility. 

Den gestrigen Tag verlebte ich mit einer Freundin in einer Sauna-Landschaft in Düsseldorf. Wellness Tag quasi. Ein beinahe skurriler Kontrast zu den Lebenseinblicken, die ich am Tag zuvor erfahren durfte. Irgendwie war es befremdlich sich im Luxus zu suhlen und zu genießen, wo man gerade gestern noch gespürt hat, wie sich Leben an der sozialen „Untergrenze“  anfühlt. Aber war nicht jeder Mensch selbst für sein Leben verantwortlich? „Jeder ist seines Glückes Schmied“ heißt es doch so schön. Ist das wirklich so? Oder haben wir nur einen marginalen Einfluss auf das Leben und den „Startpunkt“, den unsere Eltern uns genetisch, familiär und sozial mit auf unsere Lebensreise geben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mit offenen Augen durch mein Leben gehen möchte und mit meinen Möglichkeiten versuchen will, anderen zu helfen. Und nun wünsche ich Dir einen wunderbaren dritten Advent und viel Freude mit der weißen Pracht jenseits der Fensterscheibe. Ich werde auch noch einen kleinen Schneespaziergang machen und mein Pony besuchen. Ah, da fällt mir ein: reiten kann ich übrigens endlich auch wieder. 


Fallnummer 41843212 - Part 4-

Es ist der 06.12.18. Nikolaus. Ich hatte heute nichts in meinem Stiefel, dafür aber pralle 62 kg auf der Waage. Das straffe Krafttraining in Verbindung mit ein paar aufbauenden Kohlenhydraten hat seine Spuren hinterlassen. Ich fühle mich heute so wahnsinnig voll. Nicht im Sinne von voll gegessen. Das bin ich nämlich so gar nicht. Nein, mehr im Sinne von aufgepumpt. Die Muskeln haben sich voll gesaugt mit Glykogen und Wasser. Mein Kittel spannt sich gefährlich über meinem Kreuz. Eine falsche Bewegung und einmal zu kräftig eingeatmet und mir reißt der Kittel in zwei. Dies sorgt wieder einmal für ein lustiges Kopfkino. Es wäre einfach zu schön, wenn mir der Kittel in einem Kundengespräch vom Leibe platzen würde. Wie damals bei meiner Examens-Feier… Damals wurde ich aufgerufen, damit ich mein Zeugnis entgegen nehmen kann. Ich hatte eine Bluse an. Und ich gestehe, dass ich noch nie wirklich gerne Blusen getragen haben, weil die sich schon immer mit meinem Latissimus nicht verstanden haben. Ich nahm also vor versammelter Mannschaft mein Zeugnis entgegen und meine Bluse verlor mit einem lauten Reißen ihren Kampf mit meinem Latissimus. Da stand ich nun mit einem großen, langen Riss in der Bluse.

Gute alte Zeit. Aber kommen wir zurück ins verregnete Jetzt. Meine heutige Woche hatte bisher seinen Trainingshöhepunkt am Montag. Das ist schon ganz cool, wenn man seine Woche direkt vernünftig startet. Der Wecker holte mich Montagmorgen schon zeitig aus dem Schlaf. Etwas verschlafen habe ich mich dann angezogen und habe mich in unseren Trainingskeller geschleppt. 30 min Crosstrainer stand auf dem Plan. Der Crosstrainer ist zugegeben eine Bewegung mit der ich mich erst anfreunden musste.

Was ein eigenartiger Bewegungsablauf. Eine Kombination aus Radfahren und Laufen mit Armeinsatz. Ich habe es aber irgendwie lieben gelernt. Auch wenn ich insgeheim doch vom richtigen Laufen träume. Aber damit lasse ich mir noch Zeit. Nächste Woche werde ich damit ganz sachte starten. Nach der schweißtreibenden halben Stunde auf dem Crosstrainer gab es dann noch ein kleines Workout. Und zwar: Bergsteiger 25 WH – Beinscherencrunch 50 WH – Liegestützen auf Bügeln 10 WH -> 4 Serien. Danach noch ein wenig Mobility für die Beweglichkeit. Dieser Part, sowie die Sache mit der anschließenden Körperhygiene fällt mir dann immer etwas schwer, weil ich mich vor lauter Hunger am liebsten direkt in den Kühlschrank setzen würde. Mit ganz viel Disziplin schaffe ich es dann aber doch, mich erst noch zu säubern.

Nach dem Frühstück habe ich mir dann wieder mein Mittagessen vorbereitet und habe mich dann durch ein feuchtnasses Wetter mit dem Fahrrad zur Apotheke gekämpft. Die Erkältungskrankheiten freuen sich derweil wieder über das wunderbare virenfreundliche Klima. Dies merkt man auch an den Produktwünschen unserer Kunden, sowie ihrer schniefenden Performance bei der Bestellung.

Zum Mittagessen gab es dann meinen leckeren Salat. Diesmal mit einem extra Anteil Kohlenhydrate in Form von Dinkel und Quinoa. Schließlich wartete nach der Arbeit noch ein weiteres Training auf mich. Und dafür wollte ich meinen Körper und meine Muskeln fein auftanken.

Nach der Arbeit ging es durch den absolut armageddonartigen Regen auf dem Fahrrad nach Hause. Zwischendurch bin ich noch kurz in einem Laden rein gesprungen, um noch ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen.

Ich war klitsch nass und bin mit patschenden Schritten durch den Laden geschlappt.

Tropfend und triefend stand ich vor dem Kassierer, der mich etwas belustigt musterte. „Regnet es?“ fragte er mich. „Nein, warum?“ Ich grinste ihn debil an. Er lachte. Tropfend watschelte ich mit meiner Beute aus dem Laden.

Nach dem ich mich trocken gelegt hatte,  gab es Teil zwei meiner sportlichen Aktivität: 30 min Rudern + 10 min Climber. Letzteres schimpft sich auch in Gänze „Vertikal-Climber“ und ahmt eine Art Kletterbewegung mit Armbeteiligung nach. Nach der halben Stunde Rudern ein absolutes Fest für die Ärmchen. Aber damit noch nicht genug für das obere Extremitäten-Gedönse. 5 x 5 WH Reißen je Seite mit einem 12,5 kg schweren Hexagon. Reißen kann man sich in etwas so vorstellen: man hat eine Art Kurzhantel in einer Hand zwischen den Füßen auf dem Boden. Man ist dabei in der unteren Stellung einer Kniebeuge und richtet sich explosionsartig mit einer Hüftstreckung auf und reißt den Arm, inklusive Kurzhantel nach oben über den Kopf. Zum „Runterkommen“ gab es danach dann noch Mobility mit wundervollen Klimmzügen in folgender Wiederholungszahl: 2/6/3/5/2/3/ 5/2/1/1. Insgesamt also 30 Klimmzüge.

Danach waren meine Arme Mus und hatten die gleiche Konsistenz wie der Belohnungsquark mit Banane, Kakaonibs, Zuckerrohrmelasse und Gelatine. Urgh… magst du jetzt vielleicht denken, aber es war soooooo gut. Und vor allem war es absolut guter Stoff für meinen mit Trainingsreizen bombardierten Körper. Nach dem Abendessen haben wir dann noch eine Runde Mini-Rummy gespielt. Ein schönes Spiel bei dem man seine graue Masse ordentlich anstrengen muss.

Das war also der Killer Montag. Die folgenden Tage waren entspannter.

Beruflich gab es einen meiner Workshops zum Thema Energielieferanten. Ich mag es den Menschen mehr über ihr Futter und seine wahnsinnig wichtige Funktion zu erzählen. Es ist halt meine kleine Leidenschaft und ich bin einfach davon überzeugt und das aus jahrelanger Praxis, dass die „richtige“ Ernährung ein sehr wichtiges Instrument ist, um voller Tatendrang und Energie durch den Tag zu hüpfen.


Und nun werde ich noch die letzten Tage meiner 2. Trainingswoche abarbeiten.

21 Wochen to go.


Fallnummer 41843212 - Part 3-

Es ist Freitagabend und neben mir zieht gerade eine Tasse Kamillentee. Draußen ist es irgendwie den ganzen Tag nicht so wirklich hell geworden. Die dunkle Jahreszeit macht derzeit ihrem Namen alle Ehre. Die ganze Woche über, war es draußen nicht so richtig einladend bzw. "ausladend" und ich war heilfroh, dass ich mit meinem Schweinehund keine Grundsatzdiskussionen über Lauftraining im dunklen und "nass-kalten-pfui-draußen" führen musste. Ich habe mir meinen ersten Trainingsplan für Düsseldorf konzipiert und habe diesen brav jeden Tag abgearbeitet. Oh, wie ich Pläne liebe! Ich könnte mir jeden Tag neue Pläne machen. Der Plan hängt nun in unsere Küche an der Mikrowelle und erinnert mich jetzt jeden Tag an mein Vorhaben...


...diesen Marathon, diese 42,195 km, die Ende April von mir gelaufen werden wollen. Zum jetzigen Zeitpunkt eine etwas skurrile Vorstellung, da ich nach der Operation noch keinen Schritt gelaufen bin. Aber das macht nichts. Ich glaube an meinen Körper und daran, dass ich gesund durch die Vorbereitung komme. Solange ich nicht laufe, werde ich meine Ausdauerleistung mit Training auf dem Ergometer, der Rudermaschine, dem Crosstrainer und meinem lustigen Vertikalclimber aufpolieren. Dazu gibt es für den Anfang auch jede Menge Crosstraining, dass sich aus Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie verschiedenen Aufgaben mit Gewichten zusammensetzt. Dazu ein ganz entscheidendes Element: die Beweglichkeits- und Mobilityübungen. Nur durch eine optimale Bewegungsmechanik, kann man die bestmögliche Leistung aus seinem Körper rausholen und was noch viel wichtiger ist bei der Angelegenheit: man bleibt dabei  gesund und neigt nicht zu so starken Verschleiß- und Verletzungsreaktionen. 

Meine Haare sind übrigens irgendwie total aufgeladen und stehen mir zu Berge. Wie ich das liebe. Ich sehe aus, wie Sideshow Bob von den Simpsons nur mit deutlich dünneren und fusseligeren Haaren. 



An den meisten Tagen dieser Woche weckte mich der gemeine Wecker zu einem viel zu frühen Zeitpunkt aus meinen wundervollen mit Einhörnern und Sternenstaub versehenen Träumen. Das Nüchterntraining wartete auf mich. Entweder Rudern, Ergometer oder eine Kombination aus Rudern und Crosstrainer standen diese Woche auf dem Plan. Ergänzend folgte nach der Ausdauereinheit dann noch etwas Mobility und ein paar Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Nach dem Frühsport freue ich mich jedes Mal wie verrückt über das Frühstück. 


Und dieses hat sich im Laufe der Woche hinsichtlich der Kohlenhydratmenge ordentlich verändert. Mittwochabend hatte ich den ersten Hinweis in meinem Körper auf einen latenten Mangel an Kohlenhydraten festgestellt. Die Beine waren leer und kraftlos. Nach meiner Fahrradfahrt von der Arbeit nach Hause waren die lieben Treter zu Gummibeinen mutiert. Was für eine Metamorphose. Vom Titan-Killer-Bein zum Schwabbel-Gummi-Bein. Da die restliche Woche auch noch geprägt war von mehreren Krafteinheiten gab es demzufolge doppelten Grund die Kohlenhydrate im Essen anzuheben. Mein Mittagessen bereite ich jeden Morgen nach dem Frühstück frisch zu und nehme es in einer Plastikschüssel mit auf die Arbeit. So ist mein Tag da "draußen" immer sicher und die Gefahr von ungesunden Mittagssnacks ist so gut wie 0. 



Desweiteren gab es diese Woche zwei Neuigkeiten zu meinem Gesundheitszustand. Zum Einen sind die Fäden gezogen und ich bin nun frei von jeglichen Fremdmaterialien. Desweiteren hat mir ein Arzt nun diagnostiziert, dass meine schmerzende Vene unter einer Thrombose leidet und dieses Gefäß nun kaputt ist. Es wird vernarben und seine Tätigkeit als "Schlauch" zwecks Blutabtransport einstellen. Der Körper wird sich einfach umorganisieren und neue Gefäße schaffen, die den Job von nun an übernehmen. Die Gefahr, dass sich der Thrombus löst und eine Embolie auslöst sei wohl nicht gegeben. Warum dies entstanden ist, erklärte der Doc damit, dass wohl zu viel Narkose zu schnell in meinen Körper gespritzt wurde. Was musste ich auch so viel reden mit den Schwestern? Hätte ich mal schön den Schnabel gehalten, hätten sie es mit Sicherheit etwas relaxter gemacht. Aber egal. Mittlerweile tut das Thrombosen-Mopped an meinem Arm auch nicht mehr weh und ich kann ohne Einschränkungen trainieren, essen und mir die Schuhe zu machen. 


Ansonsten habe ich mich mittlerweile gedanklich und sogar auch schon körperlich mit meinem neuen Fernstudium zur Entspannungstrainerin angefreundet. Flow Yoga, Atemübungen und Mentaltraining gehören schon seit längerem zu meinem Trainingsalltag, aber ich gestehe, dass ich hier auch gerne mal schwächel. Aber nicht jetzt. Ich lerne und verinnerliche es. Ohhhmmmm.


Der Kumpel hier im Bild hat kein Entspannungstraining mehr nötig. Er saß neulich als ich im Keller meinem Ausdauertraining nach ging in einer Ecke und machte mich nervös. Meine Güte er war beinahe so groß wie ich, hatte dazu aber noch einen fetten Panzer und vier Beine mehr als ich. Grund genug, um Respekt vor dem Kerl zu haben. Als mein Freund ihn dann netterweise mit einem Glas einfangen und nach draußen setzen wollte, konnten wir leider nur noch seinen Tod fest stellen. Seit dem sitzt er als Anschauungsmaterial bei uns auf dem Esstisch. Neben meinen Titanschrauben sorgt er für eine weihnachtliche Atmosphäre. Ich kenne mich aus mit Deko und Feng shui.

So und zu guter letzt kann ich auch noch vermelden, dass ich mein süßes Pony auch endlich wieder etwas bespaßen kann. Auch wenn es noch nicht zum reiten reicht, so kann ich wenigstens wieder Zeit mit ihm verbringen. Zeit mit Tieren hat auch etwas wahnsinnig entspannendes und lösendes. 


In diesem Sinne starte ich nun in ein total entspanntes Wochenende. Der Samstag steht gänzlich im Zeichen der Regeneration. Sonntag gibt es die erste Mammut-Nüchtern-Einheit auf dem Ergometer. 80 min. Ob mein Hintern mir das jemals verzeihen wird?


Fallnummer 41843212 - Part 2 – 

Es ist der 22.11.18 und ein dunkler, trüber Donnerstag. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Gestern hatte ich meinen ersten Tag in der wilden Arbeitswelt, wenn auch nur für ein paar Stunden. Nach 5 Minuten war mir klar, dass ich mal wieder ein paar Gänge zu langsam bin für das Alltags-Tempo. Ich bemühte mich einen Kompromiss zu finden zwischen einer angemessenen Schnelligkeit und einem Bewegungsmuster, dass keinerlei Schmerzen in meinem Knöchel und meiner Wunde auslöst. Nicht ganz so leicht. Und tatsächlich musste ich feststellen, dass mein Fuß bzw. Bein noch nicht so weit ist für das normale Maß an Gehstrecke im Arbeitsalltag. Daher habe ich mich not gedrungen öfters mal in sitzende Positur verfrachtet. Meine Gedanken wanderten immer wieder zu meinem Vorhaben. Zu meinem persönlichen Battle mit der Marathon-Distanz. Ein merkwürdiger Gedanke in Anbetracht meiner derzeit ramponierten Verfassung. Ich konnte keine 100 m flüssig gehen und vor meinem geistigen Auge blitzte immer wieder die Röntgenaufnahme von meinem durchlöcherten Wadenbein auf. Dort wo sich die letzten neun Monate sieben Schrauben heimisch gefühlt haben, klafften nun viele Löcher. Aber ich hatte nun mal Zeit. Es gab keinen Grund zur Sorge. Ich hatte schließlich fünf Monate. Knapp 22 Wochen. Ob ich mich wohl schon anmelden sollte? Ich war mir nicht sicher. Irgendwas in mir war da ein Spürchen unsicher.

Ein kleiner Teil in mir wollte nicht mehr planen. Letztes Jahr waren meine sportlichen Pläne mit einem kurzen, schmerzhaften Knacks dahin gewesen. Aber nicht so 2019. Also los, einer Anmeldung stand nichts im Weg. Metro Marathon 2019. Eine große Runde durch die Stadt, in der ich das Licht der Welt entdeckt habe. Die Strecke sieht mit etwas Fantasie oder den richtigen Medikamenten aus wie vierblättriges Kleeblatt. Auf dem Weg in mein privates Fitness Studio hängt die Startnummer von 2015 und erinnert mich täglich an den Kampf, den ich dort bereits ab Kilometer 9 hatte. Ich werde auf den passenden Moment warten, um dann meine Anmeldung ausgiebig zu zelebrieren.

 Aber jetzt werde ich langsam wieder ein normales Maß an Beweglichkeit und Belastbarkeit erarbeiten. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ein paar Schritte mehr. Mein Bein bekommt erst mal nur ein Schonprogramm. Die Zeit in der ich viele Kilometer schrubben werde und diese entspannte Zeit der Faulheit zurück haben möchte, wird früh genug kommen. Meine kleine Thrombophlebitis am linken Arm beschäftigt mich auch noch ein klein wenig. Die Vene zieht hart und sehnig an meinem Handgelenk entlang und schreit bei Berührung garstig auf. Ich kühle, schmiere und wickel. Und rede gut ein auf das brave Ärmchen. Ach wie wundervoll doch ein gesunder Körper ist.

Und wenn man sein Essen immer so plant wie ich, dann hat man auch ohne Training eine gewisse Beschäftigungstherapie. Seit ein paar Wochen versuche ich meinen Fleischkonsum einzuschränken. Dies hat den Hintergrund, dass ich die Massentierhaltung nicht weiter unterstützen möchte. Nicht, dass dies jetzt eine unglaublich neue Erkenntnis ist. Vielleicht habe ich auch nur eine wahnsinnig lange Leitung in mancher Hinsicht. Vielleicht bin ich auch zu bequem bestimmte Dinge in meinem Leben zu ändern. Ich glaube, ich habe dieses Thema lange Zeit verdrängt und von mir weg geschoben.

Der Mensch benötigt Fleisch als Eiweiß- und Eisenquelle. Auch verschiedene andere Vitamine sind aus dem Fleisch wesentlich besser verfügbar, als aus den pflanzlichen Produkten. Allein diese Tatsache hat mich immer von dem vegetarischen Gedanken fern gehalten. Und ich werde auch nun kein Vegetarier werden. Aber ich werde nun sehr viel weniger Fleisch essen und wenn dann nur noch ausgewähltes Fleisch von der Kuh um die Ecke. Als Ersatz gibt’s viele Bio-Eier, Bio-Lachs und Hülsenfrüchte wie zum Beispiel meine geliebten Kichererbsen, die ich immer am Abend vorher in einem Glas Wasser einlege. Ich liebe es am nächsten Morgen die monstermäßig angeschwollenen Erbsen aus dem Kühlschrank zu fischen.

Nun gut, neben meinen Bemühungen Stück für Stück ein umsichtigeres Menschlein zu werden, werde ich mich nun noch weiterbilden zum Entspannungstrainer. Aber dies wird noch nicht alles sein. Es werden noch weitere Ausbildungen und Änderungen folgen, um meinen Horizont noch etwas zu weiten. Denn da geht noch was in meinem Oberstübchen.

Und nun soll dies für den Moment reichen. In Sachen Training kann ich noch nicht viel berichten. Zwei „Sitzungen“ zu jeweils 45 Minuten hatte ich diese Woche bereits auf meinem Ergometer. Dies funktioniert sehr gut, da mein Bein und im Speziellen mein Sprunggelenk dabei sehr ruhig und ohne große Belastung ist. Außerdem habe ich schon ein paar kleine Mini-Workouts gemacht mit erschreckend schlechter Ausdauer und Muskelkater-Ausbeute. Was ist denn da los? Nach einer Woche bekomme ich nen‘ Kater von Sachen, über die ich letzte Woche noch gekichert hätte. Naja, ohne Titan-Energie läuft der Hase halt anders.

 

 

Fallnummer 41843212 - Part 1 - 

Es ist Sonntag, der 18. November. Ein klarer, sonniger Tag mit einem Hauch von Winter in der Luft. Für mich schließt sich gerade ein kleines Lebenskapitel. Ein Kapitel aus dem ich noch nicht zu 100 % schlau geworden bin. Aber warum muss man auch immer alles verstehen. Vor ziemlich genau neun Monaten hatte ich Geburtstag und habe mir selbst als kleines Überraschungsgeschenk mein rechtes Wadenbein gebrochen. Offizielle Diagnose: Weber-B-Fraktur. 

Eine Jahresplanung ging schneller zu Ende, als ich Weber-B-Fraktur sagen konnte. All meine Wettkämpfe und Pläne waren im Hand um drehen bzw. im Knöchel umdrehen Vergangenheit. Eine neue Aufgabe erfüllte mein kleines Menschenleben. 


Lerne erstmal wieder Laufen und mach das Beste aus Deiner Zeit. Ich bemühte mich das vermeintlich Positive aus der ganzen Sache zu machen, schrieb ein weiteres Buch zu meinem Lieblingsthema Ernährung und versuchte in sportlicher Hinsicht irgendwie am Ball zu bleiben. Beruflich versuchte ich mich auch irgendwie weiter zu entwickeln und fühlte mich bei allem was ich tat etwas ausgebremst und nicht wirklich überzeugt. Dennoch funktionierte einiges, aber andere Dinge klappten vorne und hinten nicht. War das normal oder einem generell nur mittel verlaufenden 2018 geschuldet? Irgendwie fehlte an vielen Stellen der richtige Spirit und die Überzeugung. Wohin wollte ich eigentlich genau? Bei allen Fragen stolperte ich als allererstes über diesen Haufen Titan in meinem Knöchel. Ich musste nämlich noch einmal unters Messer. Im Laufe der Monate hatte ich einiges veranstaltet, damit sich mein Knöchel und mein Gelenk ordentlich entwickelt, nicht steifer oder unbeweglicher wird. Ich wollte irgendwann wieder richtig laufen können. Auch mit Titan konnte ich wieder ganz schön gut laufen. Das Laufen hatte sich die letzten Wochen wieder richtig dynamisch angefühlt. Aber dann rückte diese Operation näher. Mit jedem Krankenhausbesuch fühlte ich mich kränker und gebrechlicher und das obwohl ich nur eine Materialentfernung vor mir hatte. Der Operationstermin stand fest: 14. November 2018. Ich hatte Angst. Keine Frage. 

Zwei Tage vor der Operation musste ich zwecks Voruntersuchung ins Krankenhaus. Blutabnahme, Aufklärung und eine allgemeine Anamnese, in der mein physischer und psychischer Zustand erfasst wurde. Als ich auf die Aufklärung des Anästhesisten wartete, ließ ich meinen Blick über die Anamnesebögen schweifen. Appetit: Ja, Erscheinungsbild: stabil, Psychisch: unauffällig. Ich musste grinsen. Unauffällig. Stabil. Und mit gesegnetem Appetit. Die Ärztin hatte mich gar nicht gefragt, ob ich Appetit hatte. Aber anscheinend sah ich auf Grund meiner "Stabilität" nach gutem Appetit aus. Nach einer ziemlich einsilbigen Aufklärung eines eher unmotivierten Anästhesisten war ich an diesem Tag fertig mit meinem Krankenhausbesuch. Ich durfte nach Hause. 

Zwei Tage später fand ich mich um 7:00 Uhr morgens nüchtern wieder im Krankenhaus ein. Ich war gefasst, aber dennoch feierte mein Sympathikus ein riesen Fest. Ich war aufgeregt wie vor einem Marathon. Mein Magen-Darm-Trakt hatte sich schon zeitig von allem entledigt, was er nicht mehr benötigte und meine Hände waren klamm und eiskalt. Obwohl ich fröstelte, hatte ich nasse Achseln. Ich mag diesen Zustand nicht. Aber was solls. Ich war ansonsten relativ entspannt und machte Witze mit den Schwestern. 

Wie bei meiner ersten Operation musste ich relativ lange auf meinem Zimmer warten. Ebenfalls wie bei meiner ersten Operation war ich auf der Station der Onkologie untergebracht. Auf meinem Zimmer wartete eine ältere Dame mit einem Speiseröhrenkrebs im ersten Stadium auf ihre Entlassungspapiere. Sie erzählte mir ihr halbes Leben und der bevorstehende Eingriff an meinem Wadenbein fühlte sich schlagartig belanglos an. Dennoch blieb mein Nervensystem im Fluchtmodus. Gegen kurz nach zwölf bekam ich dann endlich meine Prämedikation. 7,5 mg Dormicum und 600 mg Ibuprofen. Ich genoss die paar Tropfen Wasser mit denen ich die beiden Tabletten runter spülte. Seit halb sieben heute morgen hatte ich keinen Tropfen mehr getrunken und von der Nervosität einen ganz trockenen Mund. Um 12:30 Uhr kamen zwei super liebe Schwestern, lösten die Bremsen meines Krankenbettes und brachten mich ins Erdgeschoss, in die Chirurgie. Es ist ein merkwürdiges Gefühl im Krankenbett durch die Gegend gefahren zu werden. Selbst wenn man gesund ist, wird einem ganz schummrig. Mein Blick flog über die Decke und Lampen des Krankenhauses. Die Fahrt bis zur Schleuse ging viel zu schnell und dann musste ich mich von meinem Freund verabschieden, der mich nur bis hier hin begleiten durfte. Nun wurde es steril, kalt und ungemütlich. Das Dormicum, was mich hätte schon etwas einschläfern sollen, machte gar nichts. Ich war hellwach, gesprächig und albern. Also alles wie immer. Aus meinem Krankenbett musste ich mich auf eine Art "Fließband" hiefen. Ich witzelte, dass ich mich fühle wie ein Stück Bio-Lachs beim ALDI auf dem Kassenband. Die Schwestern lachten. Vom Fließband wurde ich auf den sterilen Metalltisch verfrachtet, der mich schlussendlich in die Metzgerei... sorry ich meinte in den Op brachte.  

Ich kam in den Vorbereitungsraum. Ich erzählte der Ärztin, dass es etwas problematisch gewesen war beim letzten Mal einen Zugang zu legen. Sie bedankte sich für die Information und bemühte sich eine meiner linken Handvenen davon zu überzeugen hervor zu kommen. Mit viel Mühe schaffte sie es und legte eine zart rosafarbene Verweilkanüle in meine Handvene. Und schon hatte ich eine Maske mit Sauerstoff vor der Nase und spürte sofort etwas brennendes in meinen Arm laufen. "Ist das das Fentanyl?" fragte ich durch die Maske. "Ja." bekam ich zur Antwort. Ich redete weiter und fragte nach dem Propofol. "Das läuft auch schon." Ah. Ich redete weiter. Weder der Sauerstoff, noch das Propfol schienen mich mundtot zu machen. Die Schwestern und die Ärztin guckten sich etwas irritiert an. "Gib ihr 150." Und mit einem Mal ging mein Licht aus. Bam! 150 also. Wie mir Dr. Google nachher verriet war ich am oberen Ende der Propofol-Dosierung. Aber was will man erwarten von einem Körper, der sich sonst durch 1000 Kniebeugen durch beißt? 

Ich öffnete meine Augen und richtete mich auf. "Habe ich wieder Atropin bekommen?" rief ich der Schwester am anderen Ende des Aufwachraums zu. Sie blickte überrascht zu mir rüber. Sie blickte in meine Akte und verneinte meine Frage. "Darf ich meinen Fuß sehen?" Ich wollte unbedingt schauen, ob noch alles da war. Ich probierte die Zehen zu bewegen und tatsächlich bewegte sich etwas unter der Bettdecke. Die Schwester schlug die Bettdecke auf. Da war. Ein prächtiger orange eingefärbter Fuß, eingewickelt mit einer Mullbinde. Gott sei dank. Alles war gut verlaufen. "Habe ich schon Dipidolor bekommen?" sprudelte es weiter aus mir heraus. Die Schwester fragte nun nach, was ich beruflich machte und antwortete, dass ich nur Novalgin bekommen hatte. Mehr noch nicht. Die Schmerzen krochen langsam in mein Bewusstsein. Beim letzten Eingriff waren die Schmerzen so groß, dass ich gleich mehrere Portionen Dipidolor (Ein Opioid-Schmerzmittel) verlangt hatte. Sowie ein Päckchen Paracetmaol i.v. Diesmal bekam ich nichts weiter und wurde direkt wieder aufs Zimmer gebracht. Im Zimmer blickte ich auf die Uhr. Es war gerade mal 13:30 Uhr. Vor einer Stunde war ich abgeholt worden. Meine Güte, das ging in der Tat genauso schnell wie das Abscannen eines Bio-Lachses an der Kasse. Ich hatte Hunger und wollte mein Essen. Die Schwestern wollten allerdings noch etwas Zeit vergehen lassen. Besser ist das wohl nach der Narkose. Um 14:30 Uhr bekam ich dann endlich mein Essen. So viel zum Thema Appetit:Ja. 

Den restlichen Tag verbrachte ich mit trinken und der Ausscheidung des zuvor Getrunkenen. Meine Niere schien auf Hochtouren zu arbeiten, um die ganzen Medis auszuspülen. Da ich noch nicht aufstehen sollte, bekam ich mehrmals ein "Steckbecken" gereicht und so wurde mein Bettchen nicht nur zum Esszimmer, sondern auch zur Kloschüssel. Ein wirklich nur mittel schönes Gefühl. Aber nun denn, was solls. Nach ein paar wunderbaren Momenten auf der Bettpfanne bekam ich dann mein eigenes Klo auf Rädern. Ein "Drive ins Klo" quasi.

Damit bewegte ich mich den restlichen Tag fort. Auf meinem Zimmer herrschte ansonsten Leere. Außer meinem Klowagen und meinem mitgebrachten Glücksbringer-Kuscheltier Bone war keiner da. Abends bekam ich noch mein Abendessen gebracht. Aber ansonsten war ich alleine. Einzelzimmer ist natürlich super, aber sooooo alleine war es irgendwie auch nur mittel. Aber man hat ja immer etwas zu mosern. Was mich irritierte war die Tatsache, dass ich keinerlei Schmerzmittel bekam. Beim letzten mal hatten sie mich damit zugeworfen und nun hatte ich selbst nach dem Eingriff nichts bekommen. Also gar nichts. Es war noch nicht einmal ein Arzt vorbei gekommen, um zu pusten oder mir zu sagen, dass alles gut verlaufen ist. Aber ich dachte mir, wenn irgendwas nicht so gelaufen sein sollte, dann hätte ich es mit Sicherheit schon längst erfahren. Und so blickte ich beruhigt in einen wunderschönen Sonnenuntergang und versuchte zu entspannen. Alles war gut. 

Nach einer mittelmäßigen Nacht bekam ich dann beim Frühstück Besuch von meinem Arzt. Natürlich hatte ich gerade einen großen Bissen in mein Brötchen gemacht und mir hing wie immer 30 % des Frischkäses in meinem Gesicht, als die Tür aufschwang und die Visite herein kam. Ich sag nur: Appetit: ja. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. 

Nach einem netten Gespräch mit meinem Chirurgen und dem Öffnen des Verbandes, bekam ich grünes Licht für die Entlassung. Nur noch einmal Röntgen und dann ab nach Hause. Die letzte Hürde ist geschafft. 


Beim Warten auf die Entlassungspapiere bekam ich noch eine neue Zimmernachbarin. Eine Bekanntschaft, die mich tief in meinem Herzen traf. Eine Lebensgeschichte, die einem zu denken gibt. Es gibt Schicksale, die einem wirklich so sehr unter die Haut gehen, dass sich fast schon eine chronische "Gänsepelle" einstellt. Ich bin sehr dankbar für diese Bekanntschaft oder vielleicht sogar Freundschaft, die sich innerhalb von ein paar Stunden entwickelt hat. Ich wünsche ihr alles Gute und alle Kraft dieser Welt für den Kampf gegen den Krebs. Und schon wieder wird mir klar, wie lächerlich ein Beinbruch ist. Eine temporäre Einschränkung. Mehr nicht. 

Nun sitze ich zu Hause und denke über meine nächsten Lebensschritte nach. Ich bin hin und her gerissen von verschiedenen Ideen und Inhalten. Und wahrscheinlich werden verschiedene Funken einfach im Alltag erlöschen. 
Aber einen Funken möchte ich beschützen und hüten. Will ihn weiter befeuern. Er soll nicht ausgehen. Es ist der Funken des Marathons. Ich würde gerne zurück. Und ich habe auch einen Ort. Einen Marathon. Es war mein erster im Jahr 2010 und der schwierigste im Jahr 2015. Nun soll er herhalten für mein Comeback. 

Die Fallnummer 41843212, meine Krankenhausnummer, macht sich auf den Weg. Dies hier war Part 1. Es sind gut fünf Monate bis zum Termin. Und jetzt werde ich erstmal meine Wunden lecken. Mein Bein und meinen venösen Zugang. Denn dieser hat sich wiedereinmal entzündet. Ein kleiner, harter Thrombus sitzt ein paar Zentimeter hinter dem Einstich und tut schrecklich weh. Zum Glück sind die Entzündungszeichen nur sehr leicht ausgeprägt. Es tut mehr weh, als es den Anschein macht. Genug gejammert. 

Auf gehts. Der Winter steht in den Startlöchern. Und mit ihm die ersten Schritte ohne Titan. 


Donnerstag, 08. November 2018

Gewicht: 62,6 kg

Liebes Tagebuch,

eine Woche Urlaub liegt hinter mir. Eine Woche voller Erholung, Essen und sportlicher Betätigung. Diesen Urlaub hatten wir bereits Anfang des Jahres geplant. Ziel dieses Urlaubes war noch mal eine kleine Stippvisite in die Sonne zu unternehmen und die letzten Tage vor meiner zweiten Operation mit allen Sinnen zu genießen. Einmal mit Titan unter Palmen liegen.

Wir hatten uns für Gran Canaria entschieden. Eine Insel, die alles zu bieten hat, was das Herz begehrt. Strand, Palmen, Dünenlandschaften und Berge. Und natürlich ein tolles Hotel mit leckerem Futter, schönen Pools und einer kleinen, gut bestückten „Mucki-Bude“.

Auf dem Hinflug ließ ich das Jahr Revue passieren. Meine Güte, wo war es nur geblieben? Ich weiß noch ganz genau, wie wir anfänglich meiner Rekonvaleszenz nach den ersten Monaten mit versorgtem Wadenbeinbruch diesen Urlaub gebucht hatten. Ich hatte mir überlegt vor meiner Materialentfernung noch mal eine richtige Auszeit zu nehmen. Eine unter Palmen. Eine zum erholen. Und nun war es soweit. Und mit dieser Auszeit war auch die Materialentnahme in greifbarer Nähe. Würde ich diesen Urlaub überhaupt richtig genießen können? Denn vor mir lag diese gruselig OP. Würde diesmal der venöse Zugang einen besseren Weg in meine Venen finden? Würden die Operation und die Narkose genauso gut verlaufen, wie die erste? Und wie stark werden die Schmerzen nach dem Aufwachen werden? Wieder so stark, dass zwei Portionen eines Opioidanalgetikums nicht ausreichen würden? Naja, bei meiner ersten Operation wurden sieben Löcher in mein Wadenbein gebohrt und danach mit Schrauben versehen. Nun würden die mittlerweile festgewachsenen Schrauben NUR raus geschraubt werden. Sprich: Schnitt, das bisschen Fleisch über dem Knöchel auseinander klammern, Schrauben raus drehen und das ganze Schlamassel wieder zu nähen. Eigentlich ganz easy. Wäre da nicht meine unangemessene Angst vor der Narkose. Irgendwie macht es mir Angst von einem Medikament so von der Welt geholt zu werden. Aber nun gut, ich sollte aufhören mich anzustellen wie ein kleines Mädchen. Es gibt bei weitem Schlimmeres. Und aus diesem Grund habe ich meinen Urlaub Tag für Tag und Stunde um Stunde genutzt und genossen. Wahrscheinlich wie noch nie. Ich habe mein Handy ausgemacht und war einfach nur mit leben beschäftigt.

Morgens vor dem Frühstück ging es entweder auf der Strandpromenade auf einen Nüchternlauf oder aber in den Pool ein bissl Schwimmen.

Letzteres fiel mir allerdings besonders schwer, da ich schwimme wie ein Zementklotz. Das Frühstück danach schmeckte dann besonders gut.

Nach dem Frühstück ging es dann an den Pool, den Strand oder in die Berge. Zum Mittagessen gab es nur eine kleine Quarkspeise mit ein paar mitgebrachten Supplementen (Hefeflocken, Weizenkleie,  geschroteten Chiasamen, Lecithin und Paranüsse). Dazu Verschiedenes an regionalem Obst. Danach ging es dann wieder an den Pool. Entweder zum Plantschen, Lesen oder zum Kniffel spielen. Bei den unzähligen Spielen habe ich genau einmal gewonnen, was zeigt wie groß mein Glück im Würfel-Spiel ist. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Zwischendurch habe ich dann all meine Kreativität mobilisiert und habe mir ein Nachmittagsworkout geschrieben. Und so ging es dann jeden Tag gegen 16 Uhr in das hoteleigene Gym.

Dort habe ich mich dann für ca. eine Stunde mit Mobilisierungs-, Beweglichkeits- und anderen lustigen Übungen ausgetobt. Auch meine Faszienrolle und mein Lacrossball durften etwas Gran Canarische Luft schnuppern. Während andere Urlauber für jeden Tag ein tolles Kleid oder Kostüm mit in der Reisetasche hatten, waren in meiner Reisetasche eine Faszienrolle, ein Terraband, ein Lacrossball, zwei Liegestützbügel, ein Paket Weizenkleie, Hefeflocken, Chiasamen, Lecithin, Paranüsse und Gelatine. Keine Spur von schicker Garderobe und stylischen Anziehsachen. Meine Klamotten hatten lediglich funktionellen und sportlichen Charakter. Meine Abendgarderobe unterschied sich nicht sonderlich von jener, mit der ich mich in der „Mucki-Bude“ schwitzte. Aber da ich mich so am wohlsten fühle und ich mich in Kleidern nur „verkleidet“ fühle, ziehe ich auch nur das an, in dem ich mich „echt“ fühle.

Während unserer ganzen Urlaubstätigkeiten haben wir immer wieder die Menschen beobachtet. Morgens beim Reservieren ihrer Liegen oder morgens und abends am Buffet. Ich beobachte liebend gerne Menschen. Fast genauso interessant wie das Begutachten von Einkaufswagen ist das Inspizieren der Teller. Denn das was die Menschen so auf ihren Teller laden, entspricht in den allermeisten Fällen ihrer optischen Verfassung. Um das mal ganz neutral zu formulieren. Ich gestehe, dass ein noch längerer Aufenthalt in diesem Hotel auch meine optische Verfassung verändert hätte. Denn allein nach einer Woche hatte ich ein Plus von 2 kg auf der Waage zu verzeichnen. Aber was soll es. Das Essen war einfach zu lecker. Dagegen kam ich selbst mit meiner eisernen Disziplin nicht an. Und wollte es auch nicht. Ich wollte doch jeden Moment genießen und wenn das Resultat dann halt ein Zustand war, in dem man sich nicht mehr bewegen konnte, dann sollte es halt so sein. Jeden Abend dachte ich mir, dass ich vielleicht am nächsten Tag nicht ganz so viel von diesem leckeren Buffet in mir aufnehmen würde und jeden Tag aufs Neue wurde ich Opfer dieser leckeren Speisen. Keine Chance.

Menschen im Urlaub finde ich spannend. Eigentlich sollten sie voller Freude und Losgelassenheit ihr Leben genießen. Aber statt dies einfach zu tun, sind sie zu sehr damit beschäftigt, dass alles perfekt sein muss. Nun kann man natürlich nie alle über einen Kamm scheren, aber ein Großteil der klassischen Hotel-Urlauber ist primär daran interessiert, dass der Urlaub perfekt ist. Sie wollen ihre eigene Liege in perfekter Lage und den schönsten Tisch im Restaurant. Sie pressen ihre von der Sonne verbrannten Körper in schicke Kleider und stolzieren erhaben zwischen den üppigen Essenangeboten hin und her. Ich bin von Natur aus offen und lächel die Menschen an. Dies führt sehr oft zu irritierten Reaktionen, weil nicht jeder Mensch damit zu Recht kommt einfach angelächelt zu werden. Anders ist es bei den Reaktionen von Menschen auf kleine Kinder. Kinder erzeugen in den allermeisten Menschen instinktiv ein freudiges Lächeln, aber erwachsene Menschen und ich zähle mich mal mit meinen enormen 1,65 m und 34 Lebensjahren dazu, erzeugen diese Reaktion nicht mehr. Aus irgendwelchen Gründen verlieren viele Menschen das instinktiv freudige Verhalten anderen „ausgewachsenen“ Menschen gegenüber. Vielleicht liegt es auch an meinem debilen Gesichtsausdruck und die Menschen empfinden eher Angst, wenn ich sie angrinse. Wie dem auch sei, ich kann nichts dafür und werde nach wie vor meinem Bestreben Menschen mit einem offenen und freundlichen Gesichtsausdruck zu begegnen, nach gehen. Auch wenn der ein oder andere mich damit vielleicht als schlecht gekleideten Psychopathen abstempelt. Sei es drum. Ich mag es.

Der Urlaub ist nun vorbei. Ich konnte die Zeit nicht daran hindern zu verrinnen. Keine einzige Sekunde konnte ich davon überzeugen langsamer zu vergehen. Und jetzt ist es an der Zeit für das mäßig stylische Menschlein sich auf den Krankenhausaufenthalt vor zu bereiten. Nächste Woche ist es soweit. Schnipp, schnapp, Beinchen auf, Titan raus und Beinchen wieder zu. Ganz einfach. Ohm. Ich bin entspannt und voller positiver Energie. Glaub ich. Vielleicht. Mal gucken… oder… Nein, wirklich. Ich bin sowas von entspannt und positiv. Punkt.


Sonntag, 28.10.18

Gewicht: 61,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder Sonntag und es sind mal wieder einige Wochen vergangen seit meinem letzten Beitrag. Man sollte meinen, dass sich in so viel verstrichener Lebenszeit auch genügend Schreibstoff angehäuft hat. Vielleicht etwas Unterhaltsames, Lustiges, Informatives oder gar Inspirierendes. Aber nein, ich muss gänzlich enttäuschen. Es ist nicht viel passiert. Bis auf ein paar Kleinigkeiten. Mein Trainingszustand hat sich in so fern geändert, als das ich weniger trainiere, um meinen Körper auf die bevorstehende Operation vorzubereiten. Nicht, dass er dann wieder von heute auf morgen aus einem riesenhaften Aktivitätszustand heraus gerissen wird. Desweiteren betreibe ich etwas Muskelaufbau durch Crosstraining, aber das hatte ich hier ja bereits erwähnt. 

Laufen tue ich derzeit 3-4 mal wöchentlich nüchtern vor dem Frühstück. Ein etwas mäßiger Genuss, da es dabei in der Regel immer noch stockdunkel ist. Bezüglich meiner Operation hatte ich vergangenen Mittwoch meinen Termin im Krankenhaus, zwecks Röntgenaufnahme und Terminplanung. Wie man auf diesem Bild wunderbar erkennen kann, ist alles prächtig zusammengewachsen und darf somit operiert werden. 

Ich habe ehrlich gesagt wirklich Angst vor der Operation auch wenn es ein Routine Eingriff ist. Aber gerade die Routine ist oft gefährlich. Aber wenn es danach geht, müsste man jeden Tag Angst haben, wenn man seine Füße vor die Haustüre setzt. Schließlich kann bei dem Weg zur Arbeit bereits einiges passieren. Aber das habe ich ja schließlich auch nicht, sondern das tiefe Vertauen und die positive Einstellung, dass ich gesund auf der Arbeit ankomme und das alles gut geht. Und mit dieser Einstellung versuche ich auch an diese Operation heran zu gehen. Außerdem habe ich den besten Unfallchirurgen überhaupt. Was soll da noch schief gehen?! Bezüglich meiner aktuellen Zielsetzung bin ich derweil etwas unschlüssig. Ich war noch nie in meinem Leben so unschlüssig. Obwohl doch...nach dem ABI war ich das auch. Dieser Operationstermin schwebt seit ein paar Monaten, wie eine kleine Regenwolke über mir und wartet darauf endlich ihren Regen auf mich herab zu lassen. Wie nass ich danach sein werde, weiß ich nicht. Wie mein gesundheitlicher Zustand dann sein wird, weiß ich auch nicht. Aber wie auch eben mit dem Weg zur Arbeit schon geschrieben, eigentlich weiß man mit Sicherheit nie, wie es einem in zwei, drei oder sechs Monaten geht. Wir gehen nur immer davon aus, dass alles soweit beim Alten ist bzw. womöglich noch besser. Vielleicht hat man ein paar lästige Kilos weniger, man kann vielleicht schneller laufen oder mehr Gewicht heben oder die ein oder anderen Schmerzen sind besser geworden. Nun denn, wie auch immer es sein wird und in welche Richtung ich gehen werde, wird spontan entschieden, wenn die Zeit gekommen ist. Ich werde einfach mal meinen Blick schweifen lassen und gucken wo es ganz schön aus sieht und dort werde ich dann hin gehen. Dabei werde ich versuchen auf die inneren Stimmen meines Körpers zu hören. Auf die große Kraft der Gefühle. Ein schwieriges Unterfangen, denn wenn ich im Moment auf diese Gefühle hören würde, dann würde ich mich schließlich nicht operieren lassen, weil ich schlicht und ergreifend Angst habe. Ich habe Angst vor der Narkose, vor dem Ausschalten, dem Kontrollverlust über meinen Körper. Auch wenn ich etwas Ähnliches jede Nacht beim Schlafen selbst konstruiere. Ich habe natürlich auch Angst vor dem Aufgeschnitten werden. Vor allen möglichen Komplikationen, mit denen ich mich jetzt allerdings gar nicht auseinander setzen möchte. Der Titan-Kram ist definitiv ein Störfaktor in meinem Knöchel und möchte dort wieder abgeholt werden. Punkt. Keine weiteren Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Materialentnahme. Der Termin steht. Die Tage des Titans sind gezählt. Jetzt mache ich noch kurz Urlaub und dann geht es ins Krankenhaus. Und nun wünsche ich Dir eine gute Zeit. Bleib gesund und pass gut auf Dich auf. Auf jedem weg zur Arbeit und jeder Routine, die Du jeden Tag so verarbeitest. Danke für das Lesen und Deine Interesse. 

Sonntag, 30. September 2018

Gewicht: 60,4 kg

Liebes Tagebuch,

diese Woche habe ich das erste Mal wieder die 61 kg gesprengt. Mit 61,5 kg in der Spitze hatte ich somit gute 3 Kilogramm mehr als noch vor ein paar Monaten. Mein Idealgewicht nach stumpfen Formeln ist demnach weit entfernt, aber zum Glück interessiert mich das nicht die Bohne. Es fühlt sich zwar manchmal etwas "prall" an, aber nun ja pralle ist ja durchaus ein Begriff, der etwas Positives implizieren kann. Also warum die Gewichtszunahme? Ich trainiere derzeit bis auf Samstags, wo ich meinen Ruhetag zelebriere, zwei mal täglich. Morgens renne ich meine Nüchtern-Laufeinheiten ab und habe dafür sogar schon meine Lampenausrüstung rausgekramt. Denn die dunkle Jahreszeit hat für meine Nüchternläufe bereits begonnen. Um sechs Uhr hat die Welt die Lampen noch nicht an bzw. nur die Straßenlaternen und nicht die große Sonnen-Funzel am Himmel. In Abhängigkeit von meiner noch wartenden zweiten Einheit gestaltet sich dann mein Post-Lauf-Frühstück. 

An den Tagen mit Workout und dementsprechend mehr Kraftkomponente gibts mehr von den fröhlich machenden Kohlenhydraten. Nach dem Frühsport folgt eine unterschiedlich gestaltete Phase der Geldbeschaffungsmaßnahme. Entweder in der Apotheke, im Personal Training, in der Ernährungsberatung oder bei Vorträgen und Workshops in Firmen. Bloß keine Langeweile und Eintönigkeit aufkommen lassen. Vor dem Abendessen geht es dann in meine persönliche zweite Trainingseinheit. Diese variiert ebenfalls täglich und je nach Intensität verändert sich danach dann auch die Nahrungsaufnahme hinsichtlich der aufbauenden Kohlenhydrate. So, und nun weißt Du warum ich so schön aufgebaut bin. Es liegt an einem gezielten Aufbau durch verschiedene Kraft-Übungen und einem dementsprechenden Futter. Jetzt mag man denken "Super, die Sache mit dem Aufbauen geht auch einfacher. Morgens, mittags, abends einfach eine Einheit MC Donald's zwischen schieben und evoila die Waage belohnt mich ebenfalls mit Aufbauresultaten." Aufbau ist allerdings nicht gleich Aufbau. Auch wenn der Aufbau von Muskulatur niemals ohne Fettaufbau funktioniert, kann man durch die richtigen Reize (Training) und Nahrungsbestandteile schon Einfluss nehmen auf das Resultat. Wenn man seinem Körper die wichtigen Baustoffe für ein gesundes tägliches Leben serviert, dabei viele natürliche Lebensmittel futtert, hin und wieder eine Nahrungskarrenz duldet, sich bewegt, ein vernünftiges soziales und artgerechtes Lebens praktiziert, dann darf man natürlich zwecks "Aufbau" auch Fast Food essen. 

Aus eigener Erfahrung kann ich aber nur sagen, dass man dies nicht mehr möchte, wenn man besseres Essen gewohnt ist. Denn dann entscheidet man sich ganz unbewusst für das "gute" Essen. Mein Ziel ist es gerade jeden Tag als aktiver Sportler zu genießen und weiter an meinen Träumen zu arbeiten. Denn ich will zurück. Auf die Straße. Also nicht als Obdachloser, nein, in den Wettkampf. Auf die Marathon-Distanz. Aber im Moment ist dieses Ziel noch weit weg und ich trainiere noch unspezifisch. Für Spezifik habe ich noch viel Zeit. Vorher steht mir noch meine Zwangspause bevor. Meine zweite Operation. Der Kontroll-Termin rückt erschreckend schnell näher. Damit auch die Operation. In ca. 1 1/2 Monaten wird es dann wohl so weit sein. Ein klein wenig Angst habe ich vor der Operation. Auch wenn es Routine ist. Aber vor allem die Routine birgt immer eine Gefahr in sich. Aber ich bin ja optimistisch und will mich mit den etwaigen Problemen nicht zu viel auseinaner setzen. 

Ich habe letzte Nacht bereits von der Operation geträumt. Und es war etwas lustig, da mein Chirurg mit einem Schraubenzieher vor mir stand und meinte "Na, dann wollen wir mal." Ohne Narkose und aufschneiden versuchte er durch die Haut meine Schrauben aus dem Knochen zu drehen. Ein Traum, der darauf schließen lässt, dass an anderer Stelle in meinem Körper nicht alle Schrauben fest sind. 


In diesem Sinne, einen wunderbaren Start in den Herbst mit vielen bunten Blättern, gemütlichen Abenden und jeder Menge festgezogener Schrauben im Oberstübchen


Montag, 17. September 2018

Gewicht: 60,3 kg

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt ein spannendes Wochenende in Kassel. Und nebenbei wieder einmal ein Trainingsblock von drei Wochen. Vor mir liegt eine relaxte Buddha-Woche, in der sich mein Körper mit friedlichen Regenerationseinheiten vergnügen kann. Aber bevor ich Dir etwas von meinem ersten Relax-Tag erzähle, gibt’s ein paar Erlebnisse vom Wochenende.

Ich hatte mich Freitagmittag auf den Weg nach Kassel gemacht, um mich dort zwei Tage mit meinen Büchern auf der Marathon-Expo auszutoben.

Neben einem ganz erfolgreichen Buchverkauf habe ich so wahnsinnig viele tolle Gespräche geführt und nette Menschen getroffen. Unter anderem auch eine liebe Laufbekannte mit ihrem Freund, mit denen ich den Samstagabend bei einem Italiener verbringen durfte. Ganz genau, Du hast schon richtig gelesen, bei einem Italiener. Und gegessen habe ich sogar fürchterlich schreckliche Kohlenhydrate in Form eines krass leckeren Fladenbrotes mit Rosmarin und Olivenöl. Und dieses habe ich nicht nur wegen der ähnlichen Namensgebung gewählt, sondern einfach weil ich Lust darauf hatte. Danach gab es aber auch noch einen Salat mit Rinderfilet-Streifen und ein paar Pizzareste der anderen. Seit nun vier Wochen bin ich was den Kohlenhydratkonsum angeht etwas gelockerter. Ich genieße quasi gerade einen gewissen Aufbau. Dies kann man auch deutlich an meinem Gewicht erkennen. Kohlenhydrate lassen einen wachsen. So viel ist klar. Wenn man den Aufbau von Körperfett limitieren möchte, dann sollte man die Bilanz im Auge behalten. Wer immer mehr ober reinstopft, wird evolutionsbedingt seine Reserven schaffen. Das muss so. Wer Muskeln aufbauen will, der kann die zauberhafte Wirkung der Kohlenhydrate und des Insulins bestens ausschöpfen. Grundsätzlich sollten wir eine gewisse Periodisierung praktizieren. Und dazu gehört immer wieder auch mal Hunger zu haben. Ein schweres Unterfangen in unserem Schlaraffenland. Apropos Schlaraffenland, beim Italiener hatten wir einen wunderbaren Abend mit bestem Futter und einem nachfolgend super spannenden Rückweg zum Hotel. Denn hier sollte ich mein erstes „Geocaching-Erlebnis“ haben. Gegenüber unserer Hotels war in nächster Nähe ein Geocach lokalisiert. Im Dunkeln suchten die beiden ambitionierten „Cacher“ eine große Röhre ab. Denn der Geocach stand unter dem Motto „In die Röhre gucken“. Ich hatte bisher keine Ahnung von diesem Spiel und dachte nur, dass bestimmt nicht diese riesenröhre gemeint ist und dass hier noch irgendwo eine kleine Röhre versteckt ist. Während die anderen beiden die große Röhre im Dunkeln absuchten, suchte ich nach einer unscheinbareren Röhre und wurde an einem Baum fündig. Ich rief die beiden Profis herbei und tatsächlich steckte in dem kleinen Rohr die Geocach-Beute. Ich freute mich wie ein kleines Kind. Irgendwie ein tollen Spiel.

Nach einer erholsamen Nacht im Hotel habe ich mir dann morgens die Laufschuhe geschnürt, um meinen letzten Trainingslauf der Woche zu starten. Heute stand mein „Langer“ an. Und lang ist natürlich in meiner Welt relativ. Also gut, lang ist immer relativ. Für mich ist lang ein Lauf, der zeitlich zwischen 75 Minuten und 120 Minuten liegt. Ich wollte rauf zur Wilhelmshöhe laufen. Es war zehn vor sieben und die Welt schlief noch. Vor dem Hotel auf dem Gehweg musste ich direkt einen kleinen Slalomlauf um ein paar Kotz-Pfützen hinlegen. Hier hatte jemand wohl einen etwas aufregenderen Abendaufenthalt in Kassel erlebt. Ich präferiere da den gesitteten, ruhigen Verlauf mit kleinem Geocach-Höhepunkt und friedlichen Einschlummern im Bettchen. Ich lief in den Park und passierte meinen ersten Geocach-Schatz.

Dann ging es weiter durch einen einsamen Park. Ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel kündigte sich an. Die Luft war noch ganz schön kühl, aber das stetige bergauf Richtung Wilhelmshöhe strengte mich zumindest soweit an, dass mir warm wurde. Nach ein paar Kilometern verließ ich den Park und lief durch die Stadt. Vorbei am Krankenhaus und von dort aus auf die Wilhelmshöher Allee mit Blick auf das Schloss. Ein atemberaubender Anblick für den sich das frühe Aufstehen bereits gelohnt hatte. Ich lief die Allee hinauf und war immer noch ziemlich alleine. Vor mir auf dem Gehweg erblickte ich dann eine ältere Dame, die anscheinend auch schon den frühen Morgen bei einem Spaziergang genoss. Als ich neben ihr war, blickte sie zu mir rüber. Ich blickte in eine fürchterliche Grimasse. Zwei Zähne oben und zwei Zähne unten ragten aus ihrem Mund und sie keifte mich an. „SOWAS MACHEN WIR NICHT!!!“ Ich erschrak so dermaßen, dass ich als einzige Antwort auf diese verbale Attacke nur ein hysterisches Kichern hervorbrachte. Etwas ängstlich forcierte ich das Tempo und rannte was das Laufgestell hergab. Immer wieder gingen mir diese Worte durch den Kopf. „Das machen wir nicht!“ Anscheinend waren zu dieser Zeit nur Leute mit „Ausgang“ unterwegs. Inklusive mir. Ich lief rauf zum Bergpark des Schlosses und drehte mich rum zur Stadt. Die Sonne kroch am Horizont hinauf und strahlte durch die Wilhelmshöher Allee. Der Anblick erinnerte mich an die Bilder, die ich von San Franzisco kannte: die Gleisen der Straßenbahn und das bergige Profil der Straßen. Ich war sprachlos. Das sah einfach wundervoll aus. Ich drehte noch eine Runde im Bergpark und lief wieder zurück zum Hotel.

Nach gut einer Stunde und vierzig Minuten war ich wieder am Hotel und freute mich auf ein opulentes Frühstücksmahl. Aber bevor es soweit war, gab es einen erfrischenden Kokoswasser-Drink und noch etwas Faszientraining mit meinem Tennisball und meiner Faszienrolle. Es war mittlerweile fast neun Uhr und ich überlegte, ob das Frühstücksbuffet wohl schon geplündert war. Mein Magen knurrte und ich war etwas grelle auf die Nahrungsaufnahme.

Ich lachte im Anbetracht der Sorge, dass ich vielleicht nicht mehr genügend Futter abkriegen würde. Als ob, sowas passieren würde. Ich machte in Ruhe meine Faszien-Übungen zu Ende, duschte und zog mich an. Und dann ging es zum Frühstück. Eine Schlange bildete sich an der Anmeldung zum Frühstück. Ein kurzer Alarm meiner Überlebenszentrale schrillte auf. Würde ich jetzt doch verhungern? Nach dem Check-In suchte ich vergebens nach einem freien Platz. Der riesenhafte Frühstücksraum war brechend voll und nirgends ein freier Tisch. Ich fand im Wintergarten einen Tisch, der zwar schon benutzt war, aber an dem keiner mehr saß. Ich bezog mein Lager und machte mich ans Frühstücksbuffet. Die Brötchen-Brot-Abteilung war bereits ziemlich ausgeräubert. Ein anderer Gast neben mir kommentierte den kargen Anblick mit den Worten „Hier ist anscheinend auch schon alles aus geplündert.“ Nun ja, für mich reichte es geradeso noch. Ich stapelte mir einen netten Berg Futter auf den Teller, holte mir eine leckere Tasse Kaffee und genoss mein wohlverdientes Futter. Ein einfach gutes Gefühl, wenn man sich sein Essen erarbeitet hat.

Nach dem Frühstück machte ich noch eine kurze Stippvisite am Auestadion, wo der Zieleinlauf des Halb- und Marathons war. Eine tolle Stimmung erinnerte mich an meinen Zieleinlauf, den ich hier 2015 gehabt hatte. Meine Beine fingen bei den aufkommenden Emotionen an zu zucken. Sie freuten sich irgendwann bald auch wieder zu rennen. Aber nicht heute. Heute ging es nach Hause. Schnurstraks zurück in die bevorstehende Ruhewoche.

Und so begann heute meine Woche mit einem relaxten Barfuß-Lauf in meinen neuen Five-Fingers. So eine Marathon-Messe ist auch immer gut für die Aufrüstung in Sachen Laufschuhe. Ich werde natürlich nicht von den Leguanos auf Five-Fingers umsatteln, viel mehr benutze ich die Five-Fingers gezielt um meine Disposition für einen Hallux-Valgus zu behandeln. Denn durch die Spreizung durch die einzelnen Kammern, kann ich die Tendenz meines linken, dicken Zeh immer weiter nach links zu wandern, verhindern. Normale Schuhe und auch die Leguano-Socke haben hier vorne bei Veranlagung zu viel Zug und drücken den dicken Zeh noch weiter in die Richtung, in die er nicht soll.


Ich bin gespannt, was der Five-Fingers mit meinem dicken Zeh in den nächsten Wochen und Monaten so anstellt. Zum Glück habe ich noch keinerlei Schmerzen oder Probleme mit der eigenwilligen Wanderung des dicken Zehs.

Nach meinem Lauf standen heute nur noch etwas Arbeit und Regenerationsmaßnahmen an. Ein bisschen Mobility, Faszienrolle, Tennisball, Flow Yoga und Kältetraining. Und natürlich jede Menge gutes Futter. Auf Grund der reduzierten Trainingsumfänge auch etwas kohlenhydratreduzierter. Wer nicht viel Pulver verschießt, muss auch nicht viel Pulver nach stopfen. Und nun geht’s weiter in Sachen erholen. Sonntag gibt es wieder eine Runde Wettkampfluft schnuppern. Denn dann werde ich beim Hochsauerland-Waldmarathon in Bestwig meinen Freund supporten, der sich dort in der Königsdisziplin im Langstreckenlauf austobt.


Sonntag, 19.August.2018

Gewicht: 59,4 kg

Liebes Tagebuch,

es sind schon wieder zwei Wochen vergangen. Zwei Trainingswochen. Das bedeutet ich bin kurz davor in eine weitere Regenerationswoche oder auch Buddha-Woche einzutauchen. Diesen Begriff habe ich vor vielen Jahren einmal eingeführt, um der Erholungswoche einen würdigen Namen zu geben. Damals habe ich mich noch auf Marathons und dergleichen vorbereitet. Nun bereite ich mich auf irgendetwas vor, dass noch keine definierte Form besitzt. Im Grunde passe ich mich trainingstechnisch permanent an die Fähigkeiten meines "Titan-Knöchels" an. Ich hatte mir ja vorgenommen nicht mehr so viel auf diesem Missgeschick herum zu reiten und zum reiten lieber mein Pony zu verwenden, aber da diese ganze Geschichte noch nicht aus meinem Leben entfernt ist und mich täglich begleitet, ist es halt nach wie vor noch ein Thema für mich. Ich hoffe, dass sich das mit der Entfernung des Materials irgendwann ändern wird und mich nur noch hin und wieder der Anblick der Narbe an mein Überraschungsgeburtstagsgeschenk 2018 erinnern wird. Aber für den Moment werde ich erstmal so weiter leben. Mit sieben Schrauben im Wadenbein und einer netten Platte. Und wer weiß, wahrscheinlich auch noch mit ein paar lockeren Schrauben im Oberstübchen. 

Mein heutiger Tag startete, wie die meisten anderen Tage der Woche mit einem Nüchternlauf. Ich hatte mir zwar keinen Wecker gestellt, aber meine innere Uhr hatte mich schon um 6:00 Uhr aus dem Schlaf geholt. Aus einem zugegeben schlechten Schlaf. Diese Nacht war eine der unruhigen Sorte und dies lag daran, dass ich am Vortag tatsächlich meinen Chirurg in der Stadt getroffen hatte. Eigentlich hatte mich das Gespräch sehr beruhigt, aber uneigentlich hatte mich die Konfrontation mit der Bevorstehenden Operation etwas aufgekratzt und in einen leicht hysterisch-ängstlichen Zustand manövriert. Wer will schon gerne aufgeschnitten werden und mit einem "Akkuschrauber" sieben Schrauben aus seinem Wadenbein rausgeschraubt bekommen? Ich hatte vor ein paar Monaten den fatalen Fehler gemacht, dass ich mir einen Lehrfilm zu dieser Operation angeschaut hatte. Somit waren die Bilder in meinem Kopf ein klitzekleines Bisschen zu lebhaft. Irgendwie ewas befremdlich. Auch die Vorstellung, dass ich dann erstmal sieben kleine Löcher im Knochen habe. Im Unterschied zu meinem Bücherregal Billy wachsen diese Vorborungen zum Glück mit der Zeit wieder zu.  
Also, mein Tag startete also früh und irgendwie etwas müde. Weiter schlafen ging aber nicht. Dafür war ich schon viel zu "an". Ich kletterte aus dem Bett und ließ das Sonnenlicht rein. Ein schöner, sonniger Sommertag wartete  auf mich. Ich machte mich laufbereit und startete auf einen wunderbaren Lauf. 

Mein Körper fühlte sich trotz der unruhigen Nacht gut an. Kein Wunder, schließlich hatte er einen Tag "Cheat" und Ruhe hinter sich. Mein Knöchel fühlt sich auch derzeit super an. Klopf mächtig auf Holz. Ich drehte eine Runde, die ich schon wirklich lange nicht mehr gelaufen war. Als ich mich 2017 auf meinen Marathon vorbereitet hatte, war ich diese Strecke eigenltich jede Woche gelaufen.


Man musste schließlich auf einen angemessenen Kilometerumfang kommen, daher hatte man kaum die Möglichkeit immer eine neue Strecke zu laufen. Irgendwie hatte man dann seine festen Routen für die jeweiligen Trainingsschwerpunkte. Über Trainingsschwerpunkte musste ich mir im Moment zum Glück keine Sorgen machen. Sämtliche Tempoeinheiten oder anderen Späße hatte ich gestrichen. Es war ein Versuch, den ich jedoch auf Grund von "Unverträglichkeit" abbrechen musste. Und so schrubbe ich im Moment nur meine Laufminuten. Von Kilometern kann man nämlich auch nicht sprechen, da ich sehr langsam unterwegs bin. Für den Kilometer benötige ich zwischen 7:00-7:30 min. Manchmal laufe ich auch eine 8-er Pace. Aber ich muss wirklich sagen, dass ich mich im Moment beim Laufen pudelwohl fühle. Ich träume davon wieder richtig schnell laufen zu können und weiß, dass ich mit jedem ruhigen und langsamen Kilometer daran arbeite eines Tages dort wieder hin zu kommen. Ich gehe sechs mal die Woche morgens nüchtern laufen. Die Hälfte davon in Leguano-Barfußschuhen, mache abends noch mein Mobility, an drei Tagen noch mein Workout und auch noch Ergometerarbeit. Und das Allerbeste daran: ich habe keine Schmerzen und mächtig viel Freude dabei. Die Tatsache, dass ich für meine Verhältnisse so langsam unterwegs bin, ist absolut sekundär. Es fühlt sich gut an. Und was sich gut anfühlt, ist auch gut. Zumindest subjektiv für einen persönlich. Denn das Leben muss sich genau für einen Menschen immer gut anfühlen und das ist man selbst. Klingt jetzt total egoistisch, aber wenn man selbst nicht glücklich und zufrieden ist, dann kann man dieses Lebensgefühl nicht an seine geliebten Mitmenschen abgeben. Nur aus einer gesunden und glücklichen Lebensweise kann man Kraft schöpfen, um seiner Familie und Freunden davon abzugeben. Beim Laufen hat man viele, tiefgehende Gedankengänge. So denke ich dann auch viel nach. Über das Leben, über belanglose und lustige Dinge und oft auch stundenlang über das, was ich als nächstes essen werde. 

Für den heutigen Morgen hatte ich mir einen Lauf über eineinhalb Stunden auf die Fahne geschrieben. Ich bog nach 1:27 h in unsere Straße ein und schaute auf die Uhr. So ein Ärger, es fehlten knapp zwei Minuten. Wie blöd. Meistens lasse ich es dann auch gut sein und gebe mich mit ein paar Minuten weniger zufrieden, aber manchmal habe ich auch so einen Furz im Kopf und höre erst auf zu laufen, wenn ich mein persönliches Tagesziel erreicht habe. Und so einen Furz hatte ich heute zwischen den vielen Windungen meines Kleinstadtfrauenhirns hängen. Ich lief zu Hause vorbei und machte eine Miniextrarunde mit absolut vollem Erfolg. Denn mit diesem Auf- und Abgelaufe hatte ich die Nachbarshunde geweckt und die schlugen nun volles Rohr Alarm. Damit hatte ich dann wohl die komplette Nachbarschaft an diesem wunderbaren Sonntagmmorgen aus dem Bett geholt. Ich schlich mich schnell und möglichst unbemerkt nach Hause. Aber immerhin hatte ich meine 1:30 h voll. Danach gab es ein wohlverdientes Frühstück. Hier siehst Du das making off:


Und es ist auch tatsächlich eine Digitalwaage auf dem Bild, mit der ich mein Essen abwiege. Von nichts, kommt nichts. Muss man nicht, kann man aber. Nach dem Frühstück ging es eine Runde ins Büro. Papierkram etc. will hin und wieder auch etwas Aufmerksamkeit. Dabei gab es dann noch etwas Kaffee und jetzt halt Dich fest: einen Schoko-Erdnuss-Riegel. Mit anderen Worten also Süßigkeiten. Es ist alles eine Frage der Bilanz, des Maßes, des Timings und der Versorgung mit essentiellen Nährstoffen, die den Stoffwechsel aktiv halten. 
Und nun wartet noch mein Pony auf mich, sowie meine zweite Trainingseinheit. Und natürlich auch noch eine Mittagspause. Und dann gehts ab in eine neue Woche, welche im Zeichen der Erholung sein wird. 


Sonntag, 05. August.2018

Gewicht: 58,7 kg

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegen ein paar wunderbare Tage in Greetsiel. Es war eine Art "Mini-Trainingslager" mit meiner Mutter. Ich hatte mein Fahrrad in mein Auto gepresst, sowie meinen halben Küchen- und Trainingshausstand und mich Mittwochabend nach der Arbeit auf den Weg nach Norddeutschland gemacht. Die Fahrt dort hin war eine wahre Wohltat. Kaum Verkehr und ein quasi müheloses durchgleiten von A nach B.


Schön blöd, wenn man dann so schnell in B ankommt, den Haustürschlüssel von B in A liegen gelassen hat und die Mutter mit dem Haustürschlüssel von B noch nicht da ist. Aber was solls, bei dem schönen Wetter kann man es sich auch durch aus vor der Haustür gemütlich machen und beten, dass die Blase nicht platzt. Insgesamt belief sich meine Wartezeit dann auf eine Stunde, was das Fassungs- und Haltevermögen meiner kleinen Miniblase leider gnadenlos überschritten hat. 


So kam es, dass ich mich kurz im Garten verziehen musste und dem trockenen Rasen etwas Flüssigkeit gespendet habe. Unsere zwei Tage in Greetsiel begannen für mich in aller Früh gegen 6:30 Uhr mit einem Nüchternlauf. An Tag 1 mit normalen Schuhen und an Tag 2 mit Leguanos. Es waren beides wunderbare Läufe, entlang an den Salzwiesen, auf dem Deich und durch den Hafen von Greetsiel. 

Die Sonne kroch den Horizont hinauf und tauchte die Deichlandschaft in ein warmes Licht. Überall waren Vögel zu hören und die salzige Meeresluft wehte mir erfrischend um die Nase. An meinem ersten Tag hatte ich eine Strecke gewählt, die nicht ganz so gut zu laufen war für mein "broken-bone-bein". Die einzelnen Platten auf dem Deich waren so rumpelig, dass man die Füße nicht gerade aufsetzen konnte. Im Normalfall eigentlich nicht der Rede wert. Aber mit einem verheilten Weber-B irgendwie doch der Rede wert. Der Fuß beschwerte sich und ich versuchte ihm gerecht zu werden und die Schmerzen zu vermeiden. Leider kann ich überhaupt nicht einschätzen, was einfach normal ist und durch die sieben Schrauben und die Platte zustande kommt und was vielleicht nicht normal ist und was ich auf jeden Fall vermeiden sollte. Ich probiere zumindest alles "richtig" zu machen und keinen Schaden anzurichten. 



Nach dem einstündigen Nüchternlauf gab es dann mein wohlverdientes Frühstück. An Tag 1 "normal" und an Tag 2 in Form eines fetten "Cheats" mit Brötchen und einem Mohnkuchen. Ich liebe Mohnkuchen. 

Nach einer kleinen Ruhephase haben wir dann jeweils eine Radtour gemacht. Einmal 1 1/2 Stunden und einmal 2 1/2 Stunden. Zum Glück gibt es E-Bikes, mit denen man dann unterschiedliche Leistungsklassen kompensieren kann. So konnte ich zusammen mit meiner Mutter zwei tolle Trainingsausfahrten genießen. Für mich folgte dann natürlich wieder Futtern, ein wenig Blackroll- und Tennisballmassage, Mobility, ein kleines Workout und Basenfußbäder.





Die Abende gestalteten sich mit einer unterhaltsamen Spielerunde, bei der meine Mutter mir gezeigt hat wo der Frosch die Locken hat. So muss das auch sein. Der dritte Tag war dann im Zeichen der Regeneration und der Heimreise. Die Regeneration wurde übrigens durch ein kleines Käsekuchen-Cheat abgerundet. 

Und nun bin ich wieder gestrandet im Alltag. Eine heiße Woche wartet auf uns. Wenn man viel schwitzt, verliert man viel Salz. Generell braucht der Körper mehr Flüssigkeit, denn die Gefäße stellen sich bei den hohen Temperaturen weit, um dadurch mehr Wärme abzugeben. Dies sieht man an einem niedrigeren Blutdruck. Damit der Kreislauf einem nicht wegbricht brauchen wir Salz und Flüssigkeit. Natürlich auch noch andere Elektrolyte. Die bekommt man am Besten durch viel Salat, Rohkost und Gemüse. Und Salz logischerweise durch Salz. Entweder durch Salz am Essen oder einer Prise Salz im Tee, Wasser etc. In diesem Sinne, kommt gesund durch die heiße Woche.


Montag, 16. Juli 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

ein spannendes Wochenende liegt hinter mir. Und nicht zu vergessen eine anstrengende Trainingswoche. Ich freue mich derweil wie ein Schneekönig oder vielmehr wie eine Schneekönigin darüber wieder richtig zu trainieren. Unter der Woche gibt es jeden Morgen ein Nüchterntraining in den unterschiedlichsten Ausführungen. Hierbei variiert nicht nur die Intensität, sondern auch die Disziplin. Von laufen, Rad fahren bis hin zu rudern ist alles dabei. Drei mal die Woche gibt es nachmittags noch ein Komplex aus Mobility, Kraft und Leguanolauf. Weitere drei Mal auch noch einen Termin mit meinem Pony. Mit den Laufumfängen passe ich noch sehr gut auf, denn der Fuß mit seinem ganzen Titangedöns ist nicht wie ein normaler Fuß. Das unbewegliche Metall in meinem Knochen führt zu einer schlechteren Flexibilität des Knochens. Es entstehen letztendlich „Sollbruchstellen“ an den Punkten wo das Metall aufhört und nur noch Knochen ist. Das ist halt leider so. Ich würde so wahnsinnig gerne wieder richtig rennen und Wettkämpfe laufen. Im Moment blutet mein Herz besonders doll, wenn ich bei Facebook die ganzen Berichte von Laufveranstaltungen sehe. Ich bin so motiviert und würde gerne durchstarten, aber mir ist so zusagen  „das Bein gebunden“. Gut Ding will Weile. Ich werde weiter davon Träumen und im Bereich meiner Möglichkeiten trainieren. Und dafür bin ich dankbar.

Das Wochenende startete ungewöhnlich früh um 5:00 Uhr. Es stand eine Reise nach Rheinland Pfalz an. Zu einer Heilpraktikerin-Kollegin und Freundin in Heltersberg. Dort durfte ich meinen Vortrag „Auf den Spuren unseres Schweinehundes – Warum abnehmen so schwer und die Couch so anziehend ist“ halten. Da an diesem Wochenende Ferienbeginn war, entschloss ich mich besonders früh los zu tuckeln, um dem Verkehrschaos zu entgehen. Mein Essen hatte ich am Vorabend bereits fertig gemacht und in Döschen verpackt. Wenn man nicht dem Heißhunger und dem eher ungünstigen Nahrungsangebot an Rasthöfen zum Opfer fallen möchte, muss man etwas planen.


Ich kam bestens durch und erreichte planmäßig ein Zwischenziel, das ich mir zuvor für ein Frühstück eingeplant hatte. Ich suchte mir einen netten Platz und futterte mein mitgebrachtes Frühstück. Danach ging die Reise weiter und auch die letzte Rutsche der Strecke funktionierte ohne Stau und andere Komplikationen.

Ich begrüßte meine Freundin und wir bereiteten alles für den Abend vor.
Als alles soweit angerichtet war, erhielt ich noch eine traumhafte Massage für die angestrengten Beine. Dazu noch etwas Wellness mit Honigmassage und anderen tollen Spezials.

Tiefenentspannt habe ich mich dann in mein Nachtquartier zurück gezogen, um noch etwas zu ruhen. Mein Quartier war ein Naturfreundehaus, das mitten in einem sehr idyllischen Wald liegt. Tagsüber ist es ein begehrtes Reiseziel für Wanderer, Radfahrer oder andere Menschen, die sich gerne eine leckere Speise einverleiben möchten. Ich lag in meinem Bettchen im ersten Stock und von unten schallte lautstark Ziehharmonika-Musik herauf. Ich fühlte mich wie auf einer Berghütte. Die Wände waren dünn. Es klang so, als würde die Ziehharmonika direkt neben meinem Bett stehen. Mit Schlafen war wohl nix. Mein Körper fühlte sich müde an. Müde von der anstrengenden Trainingswoche. Müde von der kurzen Nacht. Müde von der Autofahrt. Nach einer guten Stunde hin und her Gewälze hatte ich das Bedürfnis nach einer eiskalten Dusche. Ich inspizierte das Zimmer nach Handtüchern. Es gab keins. Hätte ich mir auch denken könnten. Daran hatte ich leider vorher nicht gedacht. Ich schlich leicht bedusselt nach unten. Immer der Musik nach und suchte nach Personal. Ich fand nur einen Herrn hinter der Theke. „Kommen Sie ruhig rein, Sie brauchen keine Angst zu haben!“ rief er mir entgegen. Hat der ne Ahnung, bei der Musik konnte man nur Angst bekommen. Ich tapste vorsichtig in den Raum mit der Ziehharmonika-Party. Ich fragte nach einem Handtuch. Ich kam mir etwas fehl am Platz vor und kämpfte gegen einen aufkeimenden Schwall hysterischen Gekicherns an. Ich bekam mein Handtuch und verzog mich für ganze drei Minuten unter eine eiskalte Dusche. Das tat gut.

Frisch geduscht und angezogen ging es dann zum Vortrag. Trotz der geringen Nachtruhe war mein Hirn einigermaßen potent und leistungsfähig. Es lief. Das Publikum war aufmerksam, interessiert und gut gelaunt. So ein Vortrag macht das Vortragsherz glücklich. Dafür lohnt sich jeder Kilometer Anfahrt.

Nach spannenden Gesprächen, Abbau und Heimfahrt endete mein Samstagabend in meinem süßen Zimmer im Naturfreundehaus. Es war totenstill. Nichts war zu hören. Keine Ziehharmonika. Keine Autos. Keine Menschen. Nichts.

 Irgendwann schlummerte ich ein und wurde schon früh wieder wach. Ein Nüchternlauf mit meiner Heilpraktiker-Freundin stand an. Ich freute mich mit ihr durch den wunderschönen Pfälzer Wald zu laufen. Also los, raus aus dem Bett. Oder wie mein Uhr-Alarm zu sagen pflegte: „Komm in die Gänge!“ Mein Magen knurrte. Die Beine waren schwer. So schwer. Eigentlich stand auf meinem Sonntags-Plan ein Tempolauf bzw. etwas Intensiveres.

Um 7:15 Uhr starteten wir pünktlich auf unsere Runde. Die Beine mokierten sich über das, was ich da mit ihnen vor hatte. Dieses Gefühl kannte ich sehr gut von den vielen Ruhetagen, die ich in meinem Leben schon gemacht hatte. Ein interessantes Phänomen. Wenn man im Training ist und einen Ruhetag macht und dann wieder durchstarten will, sind die Beine mit jeder Menge Beton gefüllt.

Wir liefen eine schön wellige Strecke durch den Wald. Nach gut 5 km kamen wir an einen Anstieg. Wir hatten vereinbart, dass ich ab hier losziehe und meine Tempoeinheit absolvierte. Quasi Sprint am Berg. Nur nicht wirklich gesprintet. Laut Aussage von meiner Freundin ging es nun 2 km bergauf. 2 km ziehen dürften kein Problem sein. Ich rannte und rannte. Meine Atmung war ziemlich schnell „an“. Was sind schon 2 km berghoch. Der „Berg“ wollte nicht enden. Große Güte, ich hatte überhaupt keine Leidensfähigkeit mehr. Ich zog weiter. Komm schon, nur noch ein bisschen. Irgendwann lichtete sich der Wald ein wenig und ich war oben. Schnaufend drehte ich auf dem Absatz um und trabte wieder zurück. Irgendwann tauchte meine Freundin auf. Ich lief noch ein Stück an ihr vorbei und machte dann noch einen kurzen Sprint den Berg rauf. Ich hatte wirklich vergessen, wie anstrengend sowas ist. Die letzten 600 m trabten wir uns zusammen aus und ich freute mich wie ein Kind auf Weihnachten auf das Frühstück. Denn heute war mal Cheat angesagt.

Nach dem Lauf gab es wieder eine wunderbar kalte Dusche und dann ein wohlverdientes Frühstück. Böse Brötchen. Als kleine Überraschung hatte meine Freundin einen ganz besonderen Gastbesuch organisiert. Udo Bölts, ehemaliger Profi-Radsportler. Er hatte seiner Zeit zu Jan Ulrich den Ausspruch getätigt „Quäl Dich, Du Sau!“ Damals war ich noch knallharter Rennrad-Fan. Das war die Zeit vor dem Laufen. Wir unterhielten uns über alles Mögliche, einfach von Sportler zu Sportler oder von Mensch zu Mensch. Er war vollkommen bodenständig, locker, lustig und einfach nett. Ich zeigte ihm meinen gebrochenen Haxen und erzählte wie es dazu gekommen war.


 Knochen brechen konnte man sich nämlich auch beim laufen, nicht nur beim Rennrad fahren. Als Antwort darauf zitierte er einen Chirurgen mit den Worten „Geflickt ist geflickt und wird nie wieder so, wie vorher“. Tja, da hatte er wohl Recht. Aber eigentlich war diese Tatsache gar nicht schlimm. Wenn man lebt, hinterlässt das Leben seine Spuren am Körper. Spuren in Form von Narben, Brüchen, Erfahrungen und Erkenntnissen. Man lernt jeden Tag dazu oder sollte dies zumindest. Jeder Tag ist dafür da zu wachsen. Mental und Körperlich. Letzteres natürlich nicht im Sinne einer stetigen Gewichtszunahme. Immer wieder komme ich zu der Erkenntnis, dass man immer bestrebt sein sollte den Weg zu genießen, dankbar zu sein, Ziele zu suchen, „neue“ Menschen kennen zu lernen, nach neuen Herausforderungen zu suchen und sich unaufhörlich zu fragen, was einen glücklich macht.

Auf dem Heimweg nach Hause musste ich meine Fahrt unplanmäßig unterbrechen. Ich hatte zwar nur noch gut 120 km bis nach Hause, aber ich war gar, müde und hungrig. Ich fuhr von der Autobahn ab und kurvte durch das wunderschöne Sauerland, auf der Suche nach dem „Place to be“ für eine schöne Pause.

Ich fand ein Landkaffee mit toller Terrasse in einer schönen Landschaft und einem noch viel schöneren Kuchensortiment. Heute war mein Cheat-Pensum noch nicht erfüllt. Ich genoss zwei Stücke Kuchen, einen doppelten Espresso und einen kleinen Waldspaziergang mit zwei Bremsen-Stichen. Die restliche Fahrt lief danach wieder wie neu und mein Wochenende endete zufrieden in meiner Hängematte.



Freitag, 29. Juni 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

eine wahnsinnig aufregende Reise liegt hinter mir. 14 Tage Namibia. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wo ich enden soll. Unsere Reisegruppe bestand aus neun „Urlaubern“ und zwei Guides, die uns durch das wunderschöne Land manövriert haben. Nach unserer Ankunft am Flughafen von Windhoek wurden wir von einem Kleinbus der Autovermietung abgeholt. Ich war schrecklich müde. Auf dem zehnstündigen Flug hatte ich so gut wie kein Auge zugemacht. Neben der Müdigkeit nagte ein furchtbarer Hunger in mir. Das kohlenhydratreiche Fast Food im Flieger förderte in meinem Körper den Appetit und Heißhunger. 

Auf der Fahrt zur Autovermietung sahen wir bereits die ersten Giraffen in der Ferne. Aber wir erhielten nicht nur den ersten tierischen Eindruck, sondern konnten auch erahnen welch grandiose Weite in diesem Land auf uns wartete. Nach einer reibungslosen Autoübernahme machten wir uns zusammen mit unseren beiden Guides auf die Reise in das Land. Wir verließen die Stadt und waren im Handumdrehen in einer quasi unberührten Natur. So weit das Auge reichte war nur Land zu sehen. Keine Häuser, keine Menschen, keine anderen Autos. Die asphaltierte Straße hörte irgendwann auf und wir fuhren auf staubigen Pisten weiter. 

Immer weiter weg von der Zivilisation. Nach einer langen und doch irgendwie anstrengenden Fahrt erreichten wir unser Camp im Naukluft Park. Wir hatten die ersten wilden Tiere, wie Springböcke, Zebras, Orix und Strauße aus dem Auto heraus gesehen. Während die Sonne in den schönsten Farben am Horizont verschwand, bauten wir unser Nachtlager auf. Ruck zuck war es stockdunkel und still. Ein Sternenhimmel, den ich in der Form noch nie gesehen hatte, entfaltete sich über uns. Ich war sprachlos. Die Milchstraße war deutlich zu erkennen und eine Dichte von Sternen, die wir bei uns auf Grund des Streulichtes der Städte nie zu Gesicht bekommen. Wir bekamen von unseren Guides unser erstes Dinner gekocht und kletterten danach mit vollen Bäuchen in unsere Dachzelte. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein und das obwohl ich mir eigentlich ein paar Gedanken machte auf Grund der Anwesenheit der wilden Tiere. 

Der nächste Tag startete mit einem für mich ungewöhnlichen Frühstück. So genannte Biskuits, die man einfach nur in den Kaffee tunkt und aus der Hand futtert. Sie bestehen aus Müsli, Kleie und natürlich Zucker. Man könnte also sagen Kohlenhydrat-Power pur. Nach dem Frühstück machten wir uns mit einem üppigen Lunch-Paket auf eine spannende Wanderung über den Olive-Trail. Für mein Bein eine ordentliche Herausforderung, da der Trail weite Strecken über Geröllfelder ging. Gegen Ende des Trails wurden wir überrascht mit einem Streckenabschnitt, mit dem wir in der Form nicht gerechnet hatten. Dass wir ein Stück an einer „Kette“ gehen mussten, war bekannt. Aber dass es sich dabei um eine nackte Felswand handelte, die keinen wirklichen Tritt mehr für die Füße aufwies, war nicht klar. Wahrscheinlich war über die Jahre ein Teil dieser Kette aus der Wand gerissen und so hing die Kette nun an einer unbrauchbaren Stelle. Wir mussten uns irgendwie an dieser Kette langhangeln. Für meine Höhenangst und den Fuß eine kleine Katastrophe. Mit Hilfe und Zuspruch meiner lieben Gruppe habe ich die Hürde zum Glück gesund und heile überstanden. Mit der im Voraus getätigten Einschätzung des Trails, dass dieser „eigentlich“ einfach sei, war der running Gag des Urlaubes geboren. Von nun an war alles „eigentlich“ ganz easy. Eigentlich. 

Die folgenden Tage reisten wir weiter durch das Land, besichtigten die Dünen, das Deadvlei -eine imposante Salzpfanne mit abgestorbenen Bäumen in mitten einer roten Dünenlandschaft- und wurden langsam aber sicher routiniert im Auf- und Abbauen unseres Camps. Jeden Abend vor dem Abendessen stellten wir uns in einem Kreis auf, nahmen uns alle an die Hand und unser Guide, der nebenbei auch Pfarrer ist, betete und bedankte sich für den Tag, die gesehenen Tiere, die heile Ankunft am Nachtlager und für das Essen. Jeden Morgen nach dem Abbauen und Losfahren gab es via Funk ein morgendliches Begrüßungslied von einem aus unserer Gruppe und eine andere unserer Gruppe hatte den Job der allgemeinen Informationsübermittlung bezüglich Natur, Tieren, Fahrplan und doch hin und wieder entgegenkommenden Autos. Sie begrüßte uns jeden Morgen fröhlich mit den Worten „Hier ist wieder Channel one Namibia, Ihr Lieblingssender.“ Nach den ersten Informationen gab sie immer offiziell ab in die Musikredaktion bzw. unseren sogenannten „Sambabus“, was das andere Auto war, und wir erhielten unser Morgenlied. Oft war es „Morning has broken“ was in der aufgehenden Sonne und der traumhaften Natur einfach nur schön war. Im Laufe des Tages erhielten wir von einer weiteren Mitreisenden lyrische Ergüsse zu der Natur, den Tieren, unserer Gruppe und allen Erlebnissen. Jeder hatte so seine Rolle und die Gruppe war einfach eine großartige Zusammenstellung, die im Grunde das Sahnehäupchen der Reise darstellte. Meine Rolle in der Gruppe entpuppte sich nach ein paar Tagen als gesundheitliches Wrack. Es war unsere dritte Nacht in Namibia. Ich wurde gegen 2:00 Uhr nachts wach und spürte wie sich mein Hals zu schnürte. Mir stand das fette und reichhaltige Essen der vergangenen Tage bis zum Hals. Mir war speiübel. Schlafen konnte ich nicht mehr und ich wälzte mich auf der relativ harten Matratze des Dachzeltes hin und her. Ich war furchtbar müde und bekam in dieser Situation mit jeder weiteren wachen Minute mehr Angst vor den wilden Tieren auf der anderen Seite des dünnen Dachzeltes. Der kommende Tag war geprägt von einer permanenten Übelkeit. Mein Magen machte gar nichts mehr. Ich probierte mit Iberogast die Tätigkeit wieder zu normalisieren. Aber irgendwie tat sich nichts. Ich hatte Angst, dass es zum Erbrechen kommt. Wir ruckelten in der Sonne über die Schotterpisten. Ein Albtraum wenn einem so schlecht ist. Die Essensaufnahme ließ ich für diesen Tag ausfallen und machte mich abends nach dem Aufbau unserer Zelte direkt ins „Bett“. Es folgte eine lange, lange Nacht. 

Insgesamt schlief ich 14 Stunden und war am nächsten Morgen einigermaßen wieder hergestellt. Unsere Fahrt hatte uns derweil an die Atlantikküste gebracht. Es war neblig und kalt. Nach einem kleinen Minifrühstück besuchten wir die Robbenkolonie. Eine riesenhafte Population von Robben, die sich hier niedergelassen hatten. Ein strenger Geruch hing in der Luft. Die Robbenweibchen lagen hier zusammen mit ihren Babys und überwinterten hier ohne die passenden Robben-Kerle. Sie grunzten, rülpsten und machten Geräusche wie eine Schafherde. Mir war vorher nicht klar, was Robben für merkwürdige Laute von sich geben. In mitten dieser Kulisse von stinkenden und schreienden Robben und Schakalen, die kleine Robbenbabys zum Fressen gern hatten, war ich heil froh, dass mir nicht mehr schlecht war. Nach dem Robbenbesuch ging es wieder zurück ins Landesinnere. Zurück in die Sonne. Zurück in eine menschenleere Landschafft. Ich probierte meinen Körper wieder mit etwas Nahrung zu füttern. Ich hatte einen merkwürdig trockenen Mund und eigentlich keinen Appetit. Da war es wieder, dieses eigentlich. Am Abend gab es eine großartige Spaghetti Bolognese mit einem fürchterlich leckeren Nachtisch. Ich verputzte eine gute Portion davon und endete schließlich in meinem Dachzelt mit einer exponentiell gestiegenen Übelkeit. Die Übelkeit von den Tagen zuvor war nichts dagegen. Ich kippte mir immer wieder Iberogast in den Schlund und betete, dass ich mich nachts nicht übergeben muss. Da ich so schnell aus dem Dachzelt gar nicht raus kommen würde, hatte ich eine Plastiktüte neben mich gelegt. Während ich mit der Übelkeit kämpfte gesellten sich heftige Halsschmerzen dazu. Mein Zustand wurde so allmählich irgendwie grenzwertig. Am nächsten Morgen war mir nicht nur schlecht, sondern ich hatte ausgewachsene Halsschmerzen und zu allem Überfluss auch noch Blasenschmerzen auf Grund der geringen Trinkmenge. Großartig. Eigentlich fast perfekt. Eigentlich. Mir stand die Bolognese vom Vorabend noch bis zum Hals und an eine Aufnahme von einer größeren Flüssigkeitsmenge zwecks Blasenspülung war „eigentlich“ gar nicht zu denken. Ich ignorierte das Gefühl des Essens in meinem Hals und trank 1,5 L Wasser. Ein Kampf gegen die Übelkeit war entfacht. Der Hals schmerzte. Aber die Blase beruhigte sich langsam aber sicher. 

Wir machten uns wieder auf die Reise. Sonne, Staub und Geröllpisten. Der Gedanke an Essen löste sofort einen Brechreiz in mir aus. Mein Darm gluckerte fröhlich vor sich hin und das Geschuckel im Auto trug nicht gerade zu einer Beruhigung in meinem Verdauungstrakt bei. Aus meinem Mund strömte ein unangenehmer Geruch nach faulen Eiern. Meine Augen waren schwer. So schwer. Ich probierte dennoch nach Tieren zu schauen und die Landschaft zu genießen. Mach das Beste draus. Während die anderen ihr Lunch in mitten einer wunderschönen Landschaft zu sich nahmen, hockte ich zwischen Hyänenkot und vervollständigte die Landschaft mit flüssigen Menschenexkrementen. Große Güte, was war das nur für ein Lotto-Gewinn. Wenn es einen Place-to-be für einen ausgewachsenen Magen-Darm-Infekt gibt, dann war es die Wüste und die Wildnis. Vor meinem inneren Auge tauchte immer wieder der Löwe auf, wie er mich mit hungrigen Augen bei meinen Entleerungen beäugte. Trotz der bescheiden schönen Situation musste ich lachen. Zum Glück blieb es beim Kopfkino und ich konnte nach meinen Entleerungen wieder im Auto in einem schlafähnlichen Zustand versinken. Nach gut zwei Tagen hatte ich es dann endlich überstanden und konnte mich wieder voll und ganz der traumhaften Landschaft, den Tieren und dem wahnsinnig leckeren Essen widmen. Das einzige, was mich bis zum Schluss beglückte war eine kleine Erkältung. Aber nun gut, zum Glück war es ja kein Männerschnupfen. 

Wir erlebten unbeschreiblich schöne Tage im Damaraland, mit einer Landschaft, die mit Worten kaum wiedergegeben werden kann. 

Weißes Gras auf dunkelbraunem Boden, Hügel und Berge mit Zeichnungen und Formen, die kein Künstler hätte schöner gestalten können. Eine Stille, die beinahe schon weh tut. Wir fuhren durch tiefen Sand und über steile Geröllstraßen. Nicht wirklich Straßen. Es waren vielmehr Strecken auf denen schon andere Autos gefahren sind. Mehr aber auch nicht. Wir scannten die Landschaft auf Tiere. Die Guides und die Männer entpuppten sich als die Könige der Tiersuche. Ich indes überzeugte in meinem Vermögen Steine, Bäume und andere tote Dinge in Tiere zu verwandeln. Immer wieder dachte ich einen Elefant oder einen Orix zu sehen. Und jedes Mal mutierte das vermeintliche Tier zu einem Busch. Oder einem Stein. Oder einem Baum. Die echten Tiere erblickte ich dagegen nur, wenn sie wirklich nicht mehr zu übersehen waren. 

Unser nördlichster Punkt auf der Reise war ein geradezu paradiesischer Fleck. Ongongo oder auch Warmquelle genannt. Eine warme Quelle, in der man sogar schwimmen kann. Unsere Männer nutzten dies um ein Bad mit Bier zu nehmen. Das Bier war im Übrigen über die Tage zu einem festen Ritual geworden. Immer wenn wir heile unser Lager bezogen hatten, die Zelte aufgebaut hatten gab es zur Belohnung das sogenannte „Landebier“. Und in Ongongo gab es dieses halt in einer paradiesischen Quelle. Es folgten die letzten Tage in freier Wildbahn. Wir suchten nach Tieren und fanden unterm Strich mehr Tierspuren und Tier-Kot. Elefantenspuren und Nashornspuren. Zum Teil super frisch. Aber von den Tieren war weit und breit nichts zu sehen. Wie war das möglich? So große Tiere können sich doch nicht in Luft auflösen. Aber scheinbar konnten sie das doch. Denn ihre Tarnung und Anpassung an die Landschaft war exzellent. Die einzigen Tiere, die unserer grandiosen Beobachtungsgabe nicht entgingen, waren viele, viele Giraffen. Nach zwei Tagen im Paradies ging es Richtung Etosha-Park. Dort warteten hoffentlich außer Giraffen auch noch andere spannende Tiere auf uns. Wir fuhren bis an das westliche Gate des Etosha-Parks und suchten uns zur Übernachtung einen Camping-Platz. Wir wurden fündig. Ein absolut genialer Camping-Platz mit eigenem Wasserloch. In dieser Nacht wurde ich das erste Mal in meinem Leben geweckt von Löwengebrüll. Es war einfach unbeschreiblich. Und obwohl der Löwe sehr weit entfernt war, richteten sich bei mir sämtliche Haare auf und ich bekam eine ausgewachsene Gänsehaut. Diesen Moment werde ich nie wieder vergessen. Der pure Ausdruck von Kraft und Macht. Würden wir Menschen dem Löwen ohne Waffen gegenüberstehen, wären wir absolut hilflos. 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Wasserloch und entdeckten tatsächlich drei Löwinnen und einen Löwen. Majestätisch lag er im Schatten und blickte gerade zu gelangweilt zu uns Menschlein hinauf. Er interessierte sich nicht die Bohne für uns. Zum Glück. Er erhob sich nach einer Weile und zog mit seinen Löwinnen davon. Wahrscheinlich zum nächsten Wasserloch. Wenn wir uns beeilen würden, dann könnten wir sie dort noch mal bewundern. Gesagt, getan. Wir rüsteten ab und fanden die vier Löwen tatsächlich am nächsten Wasserloch. Aus nächster Nähe konnten wir die Löwen beobachten. Einfach unglaublich. Nach dem Date mit den Löwen setzten wir unsere Reise fort und durchquerten die Tore des Etosha-Parks. Bereits auf den ersten Kilometern und den ersten Wasserlöchern sahen wir das erste Nashorn und die ersten Elefanten. Endlich sahen wir die Verursacher der vielen Spuren, die wir die letzten Tage gesichtet hatten. Die Größe und Ausstrahlung dieser Giganten ist einfach wahnsinnig. Wir erlebten in den zwei Tagen Etosha-Park eine unglaubliche Nähe zu den Tieren. Giraffen, die keine 5 Meter vor uns standen oder Elefanten, die ebenfalls keine 5 Meter entfernt waren. 

Diese Tiere in quasi freier Wildnis zu sehen hat nichts mit einem Zoo-Besuch zu tun. Die Tiere wirken hier so immens stolz, selbstbewusst und „ungebrochen“. Wenn man einem Tier im Zoo in die Augen schaut, dann sieht man außer Gefangenschaft und Unterdrückung nicht mehr viel. Das, was man als Mensch spürt, wenn man einem freien Tier gegenüber steht, ist absolute Unterlegenheit. Zumindest wenn man unbewaffnet ist. Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber die Konfrontation mit der nackten Wildnis und den mächtigen Tieren in ihrer perfekten Adaption an die harten Bedingungen hat mich mit voller Ehrfurcht erfüllt. Was bin ich nur für ein kleiner, mickriger Wurm. Aber ein glücklicher und dankbarer. Denn diese Erfahrungen in der kargen Natur, inklusive meiner Magen-Darm-Episode haben mich ein weiteres Mal gelehrt wie wichtig die Gesundheit und ein Leben mit und in der Natur sind. Ohne die Natur können wir Menschen nicht existieren. Wir sollten uns dessen bewusst sein und im Rahmen unserer Möglichkeiten auf sie Acht geben. Desweiteren habe ich wieder einmal festgestellt, wie bereichernd und wertvoll ein harmonisches Miteinander ist. Ich danke allen Beteiligten, von der tollen Gruppe angefangen bis hin zu unseren Guides, den Tieren und der Natur. Dieses Erlebnis wird für immer in meinem kleinen Herzchen bleiben. Danke. 


Samstag, 09. Juni 2018

Gewicht: 59,7 kg

Liebes Tagebuch,

es liegt eine fast endlos lange Nacht hinter mir. Ich kann mich nicht daran erinnern, das letzte Mal so lange im Bett gelegen zu haben. Neuneinhalb Stunden laut meiner Fitbit. Der Tiefschlaf ist zwar etwas kurz, aber REM und Leichtschlaf dafür um so ausgeprägter. Vor allem der REM, also die Schlafphase in der man das ganze Gedöns träumt, ist bei mir extrem intensiv und lang. Als ich heute morgen dann nach dieser halben Ewigkeit meine Extremitäten und Restkörperteile wieder zusammen gesammelt und aus dem Bett gepult hatte, überlegte ich was ich tun soll. Ein paar fixe Termine für diesen Tag standen fest. Aber wo drüber ich mir Gedanken machte, war etwas anderes. Etwas extrem Belangloses. Und zwar die Frage nach meiner "Baustein-Umsetzung". 

Ich esse und lebe nach einem bestimmten Bausteinschema und dieses hatte ich gestern Abend kurzer Hand über Bord geworfen. Oder man könnte auch sagen, dass ich gestern Abend ein weiteres Cheat-Meal eingeschoben hatte. Um dieses Baustein-Konzept kurz zu erklären: Ich esse eine bestimmte Menge an Bausteinen pro Tag. Sie setzen sich aus Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettbausteinen zusammen und haben immer ein festgelegtes Verhältnis. Dieses variiert nur durch den Einfluss der sportlichen Betätigungen, bei denen nämlich durch den Einsatz von Sportbausteinen der Kohlenhydratanteil angehoben wird. Wenn Du Dich damit noch näher befassen möchtest, dann kannst Du dies gerne in meinem Buch "Auf den Spuren unseres Schweinehundes" vertiefen. *Immer diese Schleichwerbung*

Wie dem auch sei, ich liebe es jedenfalls mit meinen Bausteinen zu spielen und mir mein Futter durch diverse Tätigkeiten zu verdienen. Ich hatte nun also gestern Abend diesen spontanen Anflug von Cheat. Und das habe ich extrem genossen. Mein Körper wollte es und ich habe ihm gegeben, was er wollte. Remoulade, Röstzweibeln, Mozarella, dicke XXL Knäckebrote, Ziegenkäse, Lachs, Schinken und ummantelte Erdnüsse mit Wasabi. Es war großartig und danach war ich voll und satt. Ich hatte dann die Überlegung, dass ich einfach jetzt schon mit meinem Urlaub beginne. 

Doch heute morgen sah die Welt wieder anders aus. Ein Blick auf meine Baustein-Wochenbilanz verriet mir, dass ich mit meinem Cheat einen Überschuss von 5 Bausteinen hatte. Dies wieder auszugleichen war eigentlich kein Problem. Ich war wieder soll drin in meinem Bausteindenken und hatte schlicht und ergreifend Lust dazu. Ich duschte 3 Minuten kalt und machte mir mein 3 Baustein-Frühstück. Danach hatte ich ein paar berufliche Termine. Gegen 13:00 Uhr war ich durch und konnte mit meinem Sportprogramm starten. Ich zog mir meine Laufsachen an und machte mich auf eine warme Runde in meinen Leguanos. Mein Körper fühlte sich gut an. Der Blick auf den Puls konnte mir dieses gute Gefühl allerdings nicht bestätigen. Der Puls hämmerte um die 170 herum. Und das bei wirklich langsamen Tempo. Ich probierte das Tempo noch weiter zu drosseln und trabte ruhig weiter. Es war knapp unter 30°C, da durfte der Puls auch mal etwas Gas geben. Nach ein paar Kilometern hatte sich der Puls schlagartig beruhigt und zwischen 120 und 130 eingependelt. Da durfte er bleiben. Ich beendete meinen Lauf nach 7 Kilometern und knapp 50 Minuten. Mein Bein hatte brav die vielen gelaufenen Schritte über sich ergehen lassen. Nach dem Lauf habe ich dann noch 15 Minuten lang mein Beweglichkeitstraining gemacht. Durch die gute Stunde Sport hatte ich mir zwei Sportbausteine verdient und durch das Beweglichkeitsprogramm, sowie 10.000 zurück gelegte Schritte jeweils einen Extrabaustein. Aus den beiden Sportbausteinen und einem normalen Baustein habe ich mir dann ein super leckeres Mittagessen gemacht. Angebratene Süßkartoffeln, Champignons, drei Spiegeleier, Salat und aufgepimptes Dressing. 


Nachmittags ging es dann zu meinem kleinen Pony, eine Runde reiten. Das funktioniert mit dem Bein noch nicht ganz so perfekt, da der Fuß im Steigbügel eine ungünstige Drehung hat. Aber es klappte heute soweit ganz gut und mein Pony nutzte nur geringfügig die Schwäche von Frauchen aus. 

Abends gab es dann noch ein weiteres Workout. 400 Beinscherencrunches, 12 kg Kettlebell-Farmers Walk über Kopf und 3 x 20 Kettlebell Swings. Das Ganze immer Wechsel in einer Art Zirkeltraining. Diese spaßige Prozedur habe ich draußen im Garten absolviert und ich warte auf den Tag, an dem meine Nachbarn die Männer mit den weißen Mänteln rufen. Wahrscheinlich sieht es ziemlich sonderbar aus, wenn ich mit über den Kopf gestemmter Kettlebell in Bikini durch den Garten spaziere und merkwürdige Kreisformationen um die Bäume und Büche mache. Aber wie sagt man so schön: ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Dieses Workout dauerte ca. 30 Minuten und brachte mir einen weiteren Sportbaustein und einen normalen Extrabaustein ein. Mein Abendessen bestand dann aus insgesamt vier normalen Bausteinen und einem Sportbaustein. Ein Teil davon sah so aus:

 
Als Nachtisch habe ich mir im Garten dann noch frische Johannisbeeren und Himbeeren gesammelt und habe es zusammen mit Quark, Walnüssen aus dem Garten, Weizenkleie, Ashwagandapulver, Maulbeeren, Gojibeeren, Salz und Zimt verputzt. Mit den vielen Aktivitäten habe ich heute ein Minus von stolzen sechs Bausteinen erreicht. Damit habe ich den Überschuss von fünf Bausteinen durch mein gestriges Cheat mehr als kompensiert. Ich starte den letzten Tag der Woche demnach mit einem Extrabaustein.

Das soll aber für heute reichen zum Thema Bausteine. Nun werde ich mich mental mit unserer bevorstehenden Reise beschäftigen. Namibia. Eine Tour durch den Nordwesten. So richtig mit Dachzelt und fern ab von dem luxuriösen Lebensstandard der westlichen Welt. Ich freue mich auf das viele "Nichts", auf die Leere, die Reduktion auf das Wesentliche, die Stille, die Gemeinschaft unserer großartigen Gruppe, die vielen Sonnenuntergänge und Aufgänge und natürlich die wilden Tiere. So fern es mir dort schon gelingt ein paar Worte zum Abenteuerurlaub zu verfassen und hochzuladen, werde ich dies tun. Wenn dies nicht möglich oder meinerseits auf Grund der wunderbaren Entkopplung aus der modernen Welt nicht gewollt ist, folgt der Bericht wenn ich wieder in heimischen Gefilden bin. Ich freue mich riesig. Auf die Eindrücke, die neuen Lebenserfahrungen und überhaupt. Pass auf Dich auf. Bis bald. 


Freitag, 1. Juni 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

ich schreibe nun schon seit einer langen, langen Zeit Tagebuch. Lange bevor ich mit der öffentlichen Tagebuch-Veröffentlichung begonnen habe, habe ich schon privat ganze Romane in dieser Form verfasst. Und schon damals habe ich mich öfters kaputt gelacht, wie schnell ich meine Meinung ändern kann. Gemäß dem Motto „der denkende Mensch ändert seine Meinung“. Das ist das Leben. Und als weibliches Wesen hat man ja ohnehin seine Schwankungen. Wenn man Tagebuch schreibt, kann man dies schwarz auf weiß nach lesen.

In den letzten Tagen haben mir viele Menschen gut zu geredet und mich ermutigt weiter zu schreiben und zu posten. Da waren auf einmal die vielen stillen Leser, die meine Beiträge mochten, die aber leider nicht zu spüren waren, weil sie von dem lauten negativen Gedöns vollkommen überlagert wurden. Ich muss auf hören ein kleines Mädchen zu sein, das sofort heulend zu ihrer Mutter läuft, weil Menschen einem nicht so nett gegenüber treten, wie man es gerne hätte. Ich trete jedem Menschen positiv gegenüber und habe mir zu einer täglichen Challenge gemacht jeden Menschen in dieser Weise zu beeinflussen. Egal, ob ich den Menschen kenne oder nicht. Und es macht mir eine riesenhafte Freude, wenn es funktioniert. Nur in sehr, sehr seltenen Fällen begegnet mir im echten Leben ein Mensch, der komplett immun dagegen ist und in seiner „Zorn-Verfassung“ bleibt. Dies zeigt mir, dass die meisten Menschen eigentlich positiv und gut sind. Sie verlieren sich nur leider zu oft in der scheinbar schlechten Welt, was uns immer wieder suggeriert wird. Dies auch leider in einer sehr intensiven Form bei den sozialen Netzwerken.

Ich werde für die Zukunft einfach weiter „kämpfen“ auch bei Facebook etwas Gutes und Fröhliches unter die Menschen zu verstreuen. Und die paar Individuen, die sich daran aufreiben und erbost auf dem Haar in der Suppe rum kauen und dies zum Besten geben, sollen das tun. Ich werde es ignorieren und es wie im wahren Leben zum Anlass nehmen noch mehr Dankbarkeit für die vielen lieben und herzlichen Menschen zu haben.

An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir über die Jahre immer wieder ihr positives Feedback auf die unterschiedlichsten Wege, entgegen gebracht haben. Vielen, lieben Dank!

Und nun möchte ich euch wieder mit nehmen in meinen Alltag. Nach einem erholsamen, gestrigen Feiertag stand heute noch ein kurzes „Arbeits-Intermezzo“ an bevor es dann in das wohlverdiente Wochenende geht.Wobei ich ja streng genommen auch am Wochenende arbeite, aber diese Form der Arbeit ist mir so angenehm, dass sie dem Wochenende keinen Abbruch tut. Meine derzeitige Morgenroutine besteht darin meine Augen zu öffnen und den Tag lächelnd mit den Worten „Heute ist sowas von mein Tag“ zu beginnen. Manche von euch wissen warum ich das tue. *Schleichwerbung für mein neues Buch*

Mein heutiges Prozedere sah allerdings etwas modifiziert aus. Ich stand fröhlich, den üblichen Blödsinn quakend auf und marschierte ins Bad. Anmerkung: ich quake nicht mit mir alleine, sondern mit meinem Partner und meiner Plüschrobbe Rupert und dem Plüschwachhund Bone. Daher besteht keinerlei Grund zur Sorge, dass ich irgendwie verrückt bin. ;) Erst im Bad habe ich die kostbare mentale Programmierung vorgenommen. Ich habe in den Spiegel geschaut, mit dem Finger auf mein Spiegelbild gezeigt und laut „Heute ist sowas von mein Tag“ gesagt. Dies mache ich immer mit einem nachgeschalteten Schwall von hysterisch-amüsiertem Gekicher. Aber ich bin davon überzeugt. Danach ging es wie jeden Morgen für 3 Minuten unter die kalte Dusche. Kältetraining. Ich liebes es. Leider ist im Sommer das Wasser nicht ganz so kalt wie im Winter. Danach stelle ich mich noch für ein paar Minuten auf die Terrasse und nehme ganz bewusst das Tageslicht und die frische Luft in mir auf. Ich freu mich dabei auf den neuen Tag, auf mein persönliches „battle“ mit meinen Mitmenschen. Ich will die Menschen um mich herum bewusst wahrnehmen, ihnen einen Lächeln schenken und im besten Fall sie sogar zum Lachen bringen. Ich suche sogar nach Situationen, in denen ich helfen kann. Klingt vielleicht ganz schön altruistisch, aber es macht Spaß und gibt einem wahnsinnig viel zurück.

Nach meinem Kälte- und „Start-in-den-Tag-Ritual“ gab es ein Frühstück aus Magerquark, Weizenkleie, Nachtkerzenöl, Lebertran, Blaubeerpulver, Cranberrys, Hanfproteinpulver, Erdnüssen, Sojalecithin und frischen Brombeeren. Oh wie ich dieses Frühstück liebe! Wenn ich manchmal einen richtigen Cheat-Tag mache mit Brunch und Brötchen passiert es nicht selten, dass ich dieses Frühstück tatsächlich vermisse. Obwohl das Cheat-Futter ja eigentlich noch mehr Befriedigung hervorrufen sollte. Was es mit all den Zutaten auf sich hat, werde ich mit der Zeit hier erklären. Als Topping kamen übrigens noch Zimt und etwas Meersalz drauf. Salz ist zwar bei einem süßen Frühstück etwas ungewöhnlich, aber wir benötigen es zum Einen für eine reibungslose Aufnahme der Glukose aus dem Darm ins Blut und haben bei dem warmen Wetter einen größeren Verlust durch den Schweiß zu kompensieren. Da ich kein Fertigfutter esse und wenig gesalzene Dinge esse, achte ich darauf meine Speisen etwas zu salzen. Zu wenig ist genauso schlecht, wie zu viel. Wer genügend Salz zu sich nimmt, muss sein Frühstück nicht unbedingt salzen.

Der Zimt wiederrum verbessert die Aufnahme der Glukose in die Zellen und macht uns „insulinsensibler“. Denn wo müssen alle Energiesubstrate und Baustoffe hin? IN unsere Zellen! Nur dort helfen sie uns gesund und agil durch den Tag hüpfen zu lassen. Auch wenn ich derzeit in Sachen hüpfen weniger versiert bin und dieses Potenzial nicht ausschöpfen kann, helfen fitte Zellen einem zufrieden und motiviert durch den Tag zu kommen. Was das Hüpfen angeht, bin ich aber gerade auf dem besten Weg auch wieder durch zu starten. So war ich gestern tatsächlich das erste Mal für 1,6 km laufen. Am Stück. In Barfußschuhen. Und richtig geritten bin ich gestern auch. Schritt, Trab und Galopp. Beides Dinge, die mir die letzten drei Monate verwehrt waren. So geil, das endlich wieder tun zu können, auch wenn die Ausführung noch ganz schön hakt. Entschuldige bitte diese ordinäre Wortwahl, aber es war einfach geil! Yeah! Wenn die Emotionen mit einem durchgehen, dann kann so eine verbale Entgleisung schon mal passieren. Das hört bestimmt bald wieder auf. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Nach dem Frühstück habe ich dann mein Essen für den Tag vorbereitet. Für das Mittagessen habe ich Folgendes zusammen geschustert: kurz angedünsteter Brokkoli, angebratener Mandel-Tofu, Pflücksalat, Paprika, Rote Beete und aufgepimptes Frenchdressing. Letzteres wurde mit Kurkuma, Pfeffer, Chili und einer Barbecue-Gewürzmischung verfeinert. Damit Kurkuma besser aufgenommen wird und seine gesunden Wirkungen entfalten kann, benötigt es das Piperin aus dem Pfeffer. Fachlich formuliert könnte man sagen, dass Pfeffer die Bioverfügbarkeit von Kurkuma verbessert. Daher die beiden immer zusammen futtern. Ach ja und damit Du weißt, was Dein Vorteil von dieser besseren Wirksamkeit von Kurkuma ist, hier ein paar Wirkungen: Kurkuma wirkt antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend, hilft bei Atemwegsbeschwerden und beugt der Entartung von Zellen vor.


Für den Nachmittag habe ich mir einen Körnigen Frischkäse mit Kokosmehl, Acaibeerenpulver, Gojibeeren, Kürbiskernen und einem kleinen Stück Banane vorbereitet. Jammi! Wie Du siehst ist mein Futter etwas außergewöhnlich und ich gebe mich nicht mit einem spontan erworbenen belegten Brötchen vom Bäcker zufrieden. Die Nahrung kann Einiges. Im Guten, wie im Schlechten. Ich hoffe Du bist Dir dessen bewusst. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Jeden Tag, bei jeder Mahlzeit.


Montag, 28. Mai 2018

Gewicht: 59,6 kg

Liebes Tagebuch,

dies hier wird ein besonderer Eintrag. Einer mit wahrscheinlich weniger Lesern, einer geringeren Reichweite und keinem Feedback. Ich habe mich heute nach langen Überlegungen von der weiteren PR-Arbeit auf Facebook getrennt. Nicht nur die neuen Datenschutzrichtlinien sind daran schuld, sondern auch die grundsätzliche Kommunikation, Negativität und Anonymität.

Meine Intention bei meinen Beiträgen war stets eine Positive. Ich wollte immer einen Samen säen für eine gesunde Ernährung und Lebensweise. Das Feedback war zum Teil sehr motivierend und positiv und hat mich weiter angetrieben. Es war wie Dünger für neue Ideen und Berichte. Doch neben den positiven Feedbacks gab es zunehmend auch „shit-stormartige“ Kommentare. Sie haben mich leider immer getroffen. Auch wenn ich sie durchaus einzuordnen weiß. Menschen haben ihre eigene Sicht und Meinung. Das ist gut so. Ich möchte mich von Menschen distanzieren, die voller Wut und Negativität immer nach dem Haar in der Suppe suchen. Von diesen Menschen gibt es ohne hin genug auf dieser Welt. Auf Facebook sind diese in einer unheimlich offensiven, meist im Schutz eines anonymisierten Profils besonders aktiv. Sie sollen unter sich glücklich oder auch nicht glücklich werden.


Ich für meinen Teil möchte mich mit den positiven Menschen befassen. Aus diesem Grund werde ich in Zukunft davon absehen meine Berichte auf Facebook oder sonst wo zu teilen. Ich hoffe, dass ich vielleicht auch ohne Facebook ein paar interessierte Leser behalte. Ich danke Dir dafür, dass Du Dich für meine Berichte und Seite interessierst. Vielen herzlichen Dank! Ich hoffe, dass Du es für Dich auch schaffst Deine Welt durch eine positive „Brille“ zu sehen. Wenn Du Lust hast, werde ich Dich hier regelmäßig mitnehmen auf meine persönliche Reise durch Alltag, Training, Ernährung und andere Abenteuer. Das nächste Abenteuer steht bereits in den Startlöchern. Was genau passiert ist noch ein kleines Geheimnis. Aber es wird heiß. In zwei Wochen geht es los. Der Spannungsbogen wäre damit gespannt.


Freitag, 18. Mai 2018

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

eine kleine Odyssee des Cheats liegt hinter mir. Die vergangenen Wochen waren geprägt von diversen Ausnahmen. Ausnahmen sind großartig! Aber ich find es auch immer wieder schön, wenn meine geliebte Routine wieder eingekehrt ist. Eigentlich ganz cool, wenn man seinen Alltag besser findet als die Ausnahme. Und die Ausnahme ist ja schließlich auch toll. Meine Güte, so viel Gutes ist ja kaum zu ertragen.

Letzte Woche waren wir in einem Kurzurlaub in Greetsiel. Normalerweise hätte ich die wunderbare Seeluft und schöne Landschaft zum Rennen genutzt. Aber mit Rennen ist ja derzeit noch immer nicht viel los. Man könnte auch sagen, dass in dieser Hinsicht ziemlich Ebbe herrscht. Selbst das Gehen ist zurzeit nur mittel. Seit ich wieder den ganzen Tag arbeite, rebelliert der Knöchel mit seinem ganzen Titan-Gerümpel. Aber was soll’s. Ich übe mich einfach weiterhin in meinen Ersatzhandlungen. Und eigentlich liebe ich sie. Auch wenn nichts über einen vernünftigen, richtigen Lauf mit Flugphasen geht. Was würde ich gerne wieder traben, laufen und springen. *träum*. Egaaaaaal. Irgendwann. Wird. Es. Wieder.

Da ich in Greetsiel trotzdem etwas von der schönen Seeluft haben wollte, bin ich mit meiner 10 kg Kurzhantel zu einem kleinen See unterhalb des Deiches spaziert. Der Weg dorthin war bereits anstrengend, da 10 kg im Rucksack schon deutlich zu spüren sind. Am See habe ich dann an einer Bank Quartier bezogen und habe dort 1000 Kniebeugen, 300 erhöhte Liegenstützen auf der Bank und 50 Bizepscurls gemacht. Die größte Hürde dabei waren nicht etwa diese etwas extrem hohen Wiederholungszahlen, sondern die ganzen Touristen.

Das Wetter war geradezu perfekt und in Greetsiel wimmelte es nur so von Urlaubern. Mein Workout an der „See-Bank“ war daher ein gefundenes Fressen für die Menschenscharen. Die Akustik am Deich war so gut und klar, dass ich jedes Wort verstehen konnte. Ich versuchte weg zu hören und einfach meine Übungen durch zu ziehen. Eigentlich bin ich nicht so exhibitionistisch veranlagt, aber ich wollte einfach auch ein bisschen draußen sein und eine schöne Landschaft genießen. Es war schon schlimm genug, dass ich jetzt schon seit drei Monaten nicht laufen konnte. Also, war es mir einfach egal was die Menschen über mich dachten. Ich bekam mit, wie sich verschiedene Grüppchen über mich lustig machten. Auf diese Weise sorgte ich wenigstens für ein amüsantes Unterhaltungsprogramm auf dem entspannten Urlaubsspaziergang. Die Belohnung für meine Dickhäutigkeit war eine kleine Gruppe, die über den Deich spazierte und deutlich zu erkennen die Titelmusik von Rocky nachmachte. Singen konnte man dies zwar nicht nennen, aber es war dennoch auf Grund der charakteristischen Melodie sehr gut zu erkennen. Ich lachte vor mich hin. Ein klein wenig durch geknallt war ich ja schon mit meinem sportlichen Animationsprogram.

Nach meinem Workout packte ich meine Hantel wieder ein und machte mich auf den Rückweg. Zu Hause wartete ordentlich Cheat auf mich. Kuchen, Schokolade und Co. Ordentlich Input für meine brav durch gekneteten Muskeln. Es gibt kaum was Besseres als einen Insulin-Peak nach dem Sport, um den Muskelaufbau und die Regeneration zu stimulieren. Nun mag in diesem Futter nicht genügend Bausubstanz für Muskeln, Hormone und viele andere Körperstrukturen stecken, aber da meine grundsätzliche Eiweiß- und Mikronährstoffzufuhr sehr reichlich ausfällt, ist dieses Belohnungsmahl ohne schlechtes Gewissen zu verkraften. Und außerdem vermag der Mensch einiges an Mangelernährung zu kompensieren. Und dies ist auch der Grund dafür, warum sich viele Menschen so schlecht ernähren. Der Körper duldet es. Über sehr lange Zeit. Und unsere medizinische Versorgung bügelt die entstehenden Entgleisungen erfolgreich aus. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Eigenverantwortung für seinen Körper übernehmen möchte oder nicht.

So und nun werde ich mich heute Abend zumindest als Zuschauer in den Lippstädter Altstadtlauf schmeißen und den fleißigen Läufern zujubeln. Und ab morgen früh werde ich die Ruhr unsicher machen. Denn dann beginnt der Kampf mit den 230 km. Von der Quelle bis zur Mündung. Zum Glück muss ich das nicht selber laufen. Manchmal ist laufen lassen eindeutig die bessere Wahl.


Montag, 7. Mai 2018

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

ein Wochenende im Zeichen des „Cheats“ und eines Kurzurlaubes in Marburg liegt hinter mir. Warum in die Ferne reisen, wenn es auch in der Nähe so wunderbare Städte gibt, um dem alltäglichen Lebensraum zu entkommen?!

Das Wochenende war nicht nur geprägt von einem Schwerpunkt auf Nahrungsaufnahme und Sportentzug, sondern auch von diversen Besichtigungen und Führungen. Von Städteführung über Fledermausführung bis hin zu einem botanischen Exkurs. So bekam mein Hirn auch endlich mal ein wenig Input, das nichts mit Ernährung und Sport zu tun hatte. Durch die vielen Führungen kam ich mit meinem rekonvaleszierenden Bein auf ca. 13 km und über 17.000 Schritte allein am Samstag. Das Ganze natürlich in meinen Barfußschuhen.

Seit ich auf „freiem“ Fuß bin und die Krücken und den Gehschuh aus meinem Leben verband habe, habe ich noch keinen Tag in normalen Schuhen verbracht. Das heißt, ich bewege mich seit dem nur „barfuß“. Mein Bein ist in einem super Zustand. *Klopf mächtig auf den Holzkopf*. Auf dem Laufband bin ich in der vergangenen Woche auch schon mehrmals für ein paar Meter gelaufen. Also im Sinne von laufen mit richtiger Flugphase. Dies praktiziere ich allerdings derweil eher seltener. Ich träume zwar jeden Tag davon wieder richtig durch die wunderschöne Natur zu rennen, aber mein Bein ist noch nicht so weit und ich gebe ihm die Zeit, die es benötigt, um wieder heile zu werden. Ich bin so froh, dass ich normal gehen kann und wieder alltagstauglich bin, dass ich auf den Luxus rennen zu können sehr gut verzichten kann. Somit erfreue ich mich zurzeit nur am Anblick laufender Menschen und freue mich für sie, dass sie dieser großartigen Betätigung nachgehen können.

Zum Glück gibt es ja diverse andere Formen der sportlichen Umsetzung, der ich in aller Ausführlichkeit nach gehen kann. Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches. Meine Basics. Nach diesem opulenten Wochenende hatte ich für den heutigen Tag eigentlich vor wieder einen 1000er Tag zu machen. 1000er Tag steht übrigens für 1000 Kniebeugen. Aber irgendwie habe ich heute Morgen noch nicht so recht die Kurve bekommen und hänge gerade mal bei 200 Kniebeugen. Immerhin kommen da noch 100 erhöhte Liegestützen und 200 Beinscherencrunches zu. Und mein ausgesprochen amüsantes Beweglichkeitstraining. Ach ja und 3 Minuten Kältetraining im Garten unter dem Gartenschlauch. Klingt alles ein klein wenig durch gedreht?! Vielleicht. Warum ich diese Dinge tue, wird Dir demnächst mein neues Buch verraten. Auf dieses warte ich nun seit einer Woche geduldig und voller Vorfreude. Ein Best-Off meines „fachmännischen“ Wissens vermengt mit meiner speziellen Form der Wortwahl und einem Transfer für die Integration in den Alltag. Ich will es endlich in den Händen halten, es durchblättern und an den frisch gedruckten Seiten schnuppern. Zum Glück bin ich seit meiner Weber-B-Fraktur Experte im geduldig sein.

Apropos geduldig. Geduldig muss man auch sein, wenn man 230 km am Stück laufen möchte. Nein, nein, keine Sorge ich habe gerade nicht vor 230 km am Stück zu laufen. Das würde den Rahmen meiner Geduld bei Weitem sprengen. Ich werde in 12 Tagen Frank bei der Tortour de Ruhr begleiten. 230 km von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Ruhrmündung am Rheinorange in Duisburg. Natürlich werde ich ihn nicht alleine auf diesem Ritt begleiten. Eine ganze Crew wird ihn dabei unterstützen. Ich werde den ersten Part von Winterberg bis Arnsberg übernehmen. 81 km werden das sein bzw. Samstag von morgens 8:00 Uhr bis ungefähr abends 19:00 Uhr. Allein diese Strecke ist für mich eine unvorstellbare Distanz. Wenn ich mich dann zum Ausruhen abseile, wird Frank maschinenartig weiter laufen und wird weiter betreut von seinem Team. Nach einer kleinen Nachtruhe werde ich Sonntagmorgen wieder dazu stoßen. Mit einem ausgeruhten Körper, der Tiefschlaf, REM-Phasen und jede Menge Regeneration praktizieren durfte, werde ich auf jede Menge Läufer und Crewmitglieder von sämtlichen Startern treffen, die sich durch die ganze Nacht gekämpft haben. Kein Tiefschlaf, kein REM, keine Regeneration. Im Gegenteil. Laufen, laufen, laufen. Hin und wieder etwas Trinken und essen. Vielleicht mal ein paar andere essentielle Dinge, die man so tätigt innerhalb eines Tages. Ich bewundere alle, die sich derart durchboxen. Einfach nur Hammer!

Um schon mal in Stimmung zu kommen, habe ich gestern der Ruhrquelle und den ersten Verpflegungspunkten einen kleinen Besuch abgestattet. Ich kannte bisher nur die mächtigeren Stellen der Ruhr. Das kleine, unscheinbare Bächlein, das irgendwo im Sauerland seine Reise antritt, kannte ich bisher noch nicht.Es ist schon etwas Besonderes, mit diesem zarten Rinnsal los zu laufen und mit immer schwerer werdenden Beinen mit zu erleben, wie der Fluss immer breiter und kräftiger wird. Mit der schwindenden Muskelkraft wächst der Fluss immer weiter und wird auf dem langen Weg nach Duisburg zu einem eindrucksvollen Fluss. 


Auf seinem Weg dahin geht die Reise durch idyllische Landschaften, insgesamt sieben große Stauseen und eine ganze Reihe Großstädte. Da ich noch nie weiter davon entfernt war, solch eine Laufleistung zu vollbringen, kann ich mir sowas nur im Geiste vorstellen.


Nach einer durch gemachten Nacht wird man vollkommen übermüdet, mit schweren Beinen, die Abschnitte des Ruhrgebiets durchlaufen. An einem Wochenende mit schönem Wetter bedeutet das eine enorme Frequentierung von Fußgängern und Radlern. Eine zusätzliche Herausforderung für die nachlassende Spritzigkeit und Reaktionsfähigkeit.

 

Ein Wahnsinn. Aber das sagte ich bereits. Nun gut. Das soll für den Moment reichen. Ich werde mich die nächsten zwei Wochen noch etwas mit der Strecke beschäftigten und dann bin ich sowas von gespannt, was an Pfingsten passiert. Wie wird das Wetter? Wie sind die Beine? Was sagt der Kopf? Franks Vorbereitung konnte bisher besser nicht laufen. Er ist fokussiert und hat ordentlich Kilometer gefressen. Er wird das Ding rocken, wie der Rocky der Laufszene. Für die Tapering-Phase heißt es nun, Daumen drücken und gesund bleiben.


Mittwoch, 18. April 2018

Gewicht: 59,7 kg

Liebes Tagebuch,

meine Rekonvaleszenz läuft soweit ich das beurteilen kann ziemlich gut. Ich bin stabil ohne Krücken mit meinen Barfußschuhen unterwegs und habe jeden Tag etwas über 10.000 Schritte auf dem Tacho. Hinzu kommen viele Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches, sowie Ergometereinheiten. Nächste Woche werde ich dann auch wieder „normal“ arbeiten. Es ist schon wirklich ein Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Ich bin jetzt in der 8. Woche post-op. Wo ist die Zeit geblieben? Immerhin muss ich mich nicht mehr fragen wo meine Muskeln geblieben sind. Die sind nämlich fast wieder ganz da. Zumindest was das Messbare angeht, hat sich meine Wade wieder an den Ausgangsumfang angenähert. Auch meine Fußmuskulatur ist wieder schön fest und kräftig. Ich habe keine Wadenkrämpfe mehr und auch der Fuß jammert nicht mehr über mein Gewicht. Die Beweglichkeit des Sprunggelenkes ist auch gut. Nicht perfekt, aber gut. Ich kann auch ganz normal Treppen runter gehen. Damit hätte ich so schnell nicht gerechnet. Jedes Mal wenn ich eine Etage zu Fuß und einigermaßen vernünftig herab gestiegen bin, strecke ich wie ein kleiner, affektgestörter Psychopath meine Faust in die Höhe und rufe laut „Yes!“ Da ich aber in der Regel dabei alleine bin, hatte dieses merkwürdige Verhalten noch keine Konsequenzen. 


Meine Gedanken schwirren derweil immer wieder um das Thema Marathon. Wie diese Gedanken konkret aussehen, will ich noch nicht laut äußern. Sie dürfen sich für die nächsten Wochen damit zufrieden geben, eine Existenz als gehirninterne Schmeißfliege zu führen. Sie müssen sich noch etwas gedulden. So ganz gehirnintern sind sie auch gar nicht, da meine engsten Vertrauten über meine Pläne und Ziele Bescheid wissen. Meine Ergometereinheiten habe ich sogar schon unter der Motivation diverser Youtube-Videos von meinem möglichen Marathon-Comeback vollzogen. Ich habe dabei schon einen ganz bestimmten Marathon im Auge. Wenn ich es probiere, dann wird es genau dieser. Auf den Videos gehen die Gesichter der Finisher im Ziel immer besonders motivierend in mein Läuferherz. Oh ja, ich kann mich daran erinnern wie es ist nach den 42,195 km aus einem stundenlangen Lauftempo endlich zufrieden stehen zu bleiben, sich vor der Medaille zu verbeugen und sie um den verschwitzten Hals gehangen zu bekommen. Ich fänd es cool einen Marathon auf Titan zu laufen. In den nächsten Wochen werde ich darüber entscheiden was ich tue. Und dann werde ich mich anmelden und als Belohnung für den Marathon werde ich mir direkt einen Termin für meine zweite Operation in diesem Jahr machen. Und wenn ich den Marathon nicht angehe, werde ich nur den Operations-Termin machen und der ganze Titan-Kram darf um 42,195 km ärmer meinen Körper wieder verlassen. 

Ich habe meine Rekonvaleszenz genutzt, um ein weiteres Buch zu verfassen. Anfangs wollte ich ein Entschleunigungs-Tagebuch schreiben, wovon ich dann jedoch Abstand genommen habe. Vielleicht werde ich von diesen Aufzeichnung etwas für ein Tagebuch zu meinem vermeintlichen Marathon-Comeback verwenden. Mal sehen. Das was ich jetzt verfasst habe, hat mit Tagebuch nichts zu tun. Es ist eine Ansammlung meines Wissen… genau, es hat das Format eines Pixi-Heftchen. Es geht um Ernährung, Sport und eigentlich alles. Es enthält auch die Inhalte meiner Vorträge. Da ich nach den Vorträgen öfters nach einem Skript oder Ähnlichem gefragt werde, habe ich meine Krankenzeit dazu genutzt eine kleine Aufzeichnung zu verfassen.  Es war für mich eine ganz schöne Herausforderung ein Buch zu schreiben, dass sich nicht einfach von Tag zu Tag hangelt, sondern einen gewissen Aufbau hat. Ob mir das gelungen ist, weiß ich nicht. Ich find es natürlich logisch strukturiert. Was mein Gehirn logisch findet, muss bei weitem nicht dieses Prädikat erfüllen. Wie auch immer. 


Nun werde ich mich für die nächsten Wochen weiterhin mit meiner „wieder Eingliederung“ beschäftigen, werde weiterhin mein Essen fotografieren was auch bestens mit gebrochenem Bein funktionierte, das Ergometer bespaßen und mich natürlich gedanklich auf die Tortour de Ruhr vorbereiten. So, dann mal los. 

Sonntag, 8. April 2018

Gewicht: 60,0 kg

Liebes Tagebuch,

ich habe mein ursprüngliches Kampfgewicht wieder. Und, was noch viel wichtiger ist, meine beiden Beine. Nun gut, das natürlich noch in einer zugegeben ziemlich bescheidenen Version, aber sie gehen wieder. Vergangenen Donnerstag hatte ich endlich 6 Wochen Post Op erreicht und durfte offiziell meinen Gehschuh in die Ecke hauen und mit meinem doch ziemlich stark reduzierten Bein los marschieren. Ich hatte allerdings die ganze Woche bis Donnerstag schon ziemlich viel ohne Gehschuh zu Hause zurück gelegt. Ich hatte einfach genug von diesem Trümmer. Und außerdem hatte der Doc mir das ja irgendwie auch erlaubt. Glaub ich. *lach* Nein, Spaß bei Seite. Er hatte es mir erlaubt. Schließlich waren ja alle Schrauben fest und der Knochen nach Plan verheilt. Ab Donnerstag hatte ich dann aber verrückterweise das Gefühl es jetzt wirklich zu dürfen und mit diesem offiziellen Charakter habe ich den Gehschuh dann ein für alle Male aus meinem Leben verbannt. Zumindest für den Moment. Wer weiß, was mir in den nächsten Jahren noch so für Ideen kommen. Freitagmorgen habe ich mich dann aus dem Bett geschwungen, habe mir nur noch eine Krücke geschnappt und bin auf Klo gegangen. Und weißt Du was ich dann gemacht habe? Nein, ich meine jetzt nicht auf Klo… Ich habe die Krücke im Badezimmer stehen gelassen, weil mir auch die gemeinsame Zeit mit der Krücke langte. Und seit diesem Zeitpunkt „trabe“ ich wieder ohne Gehschuh und Krücken durch die geradezu sommerliche Welt. Nur halt ohne Trab und ziemlich langsam. Die ersten Schritte waren wie von einem Kleinkind oder einem Playmobilmännchen. Mittlerweile hat sich mein Gehstil „extrem“ verbessert, denn ich gehe nur noch so als hätte ich in die Hose gemacht. Mein Sprunggelenk ist natürlich noch nicht so ganz geschmeidig, daher mache ich viele Übungen, um das Ding wieder weich zu kriegen. 

Ich war nun auch schon zwei Mal auf dem Ergometer. Mein rechtes Bein ist echt richtig putzig. Und wie schnell die Wade genug hat, ist wirklich lustig. Zum Glück habe ich keinerlei Druck und höre einfach auf, wenn mein Bein nicht mehr möchte. Ich habe mich gestern auch das erste Mal wieder hinter das Steuer gesetzt. Das funktioniert auch ohne Probleme. Ich kann endlich wieder einkaufen! Auf Beutejagd gehen! Ich werd verrückt! Und heute war ich eine für meine Verhältnisse riesenhafte Runde spazieren. Meine Tageschritte nähern sich gewaltig der 10.000er Marke. Ein Traum. Ich kann kaum glauben, dass ich jetzt endlich wieder einen normalen Alltag habe.

Dennoch fühle ich mich gerade etwas paralysiert. Der Grund dafür ist, dass mein Leben und ich für die letzten sechs Wochen förmlich auf Eis gelegt worden sind. Die Marathon- und Laufsaison brummt. Auf einmal fallen mir wieder meine Ziele und Vorhaben für 2018 ein. Auf Facebook verfolge ich, wie die Läuferwelt sich auf den vielen Veranstaltungen austobt. Höchstwahrscheinlich werde ich wohl in ein paar Monaten wieder laufen können, aber dennoch ist diese Art von Laufwelt meilenweit entfernt. Ich hatte die letzten Tage darüber nach gedacht, ob ich im Herbst einen Marathon mit Titan laufen soll. Oder zumindest versuchen soll. Das wäre die einzige Gelegenheit dafür. Denn mein Doc hat mir geraten den Kram da möglichst früh wieder raus zu holen. Das wäre dann sogar noch in diesem Jahr. 2018, ein Jahr der Operationen und Rekonvaleszenz. Entschleunigung und schrecklich viel Zeit über seine Ziele im Leben nach zudenken. Aber gut, für den Moment läuft alles bestens. Schritt für Schritt komme ich zurück gekrochen. Wohin ich krieche, werde ich jeden Tag aufs Neue überlegen. Denn wie heißt es so schön, der denkende Wurm ändert seine Kriechrichtung.

Sonntag, 25.03.18

Liebes Tagebuch,

ich kann es noch nicht wirklich glauben und ich muss die nächsten Tage abwarten, ob sich meine Theorie bestätigen wird, aber ich habe mich die letzten Tage ziemlich abgeschossen. Nicht etwa mit Squats oder anderen Übungen, sondern viel mehr mit meiner Thrombosemedikation und meiner Ernährungsform. Seit ich im Krankenhaus war, habe ich immer wieder Probleme mit meinem Herzrhythmus. Anfänglich dachte ich, es handele sich um Extrasystolen auf Grund der von heute auf morgen eingetretenen Ruhigstellung. Mit diesem Gedanken habe ich die letzten Wochen verbracht. Die Problematik mit meinen Extrasystolen hatte sich dann die letzten Tage so gravierend gesteigert, dass ich letzte Nacht dachte, ich müsste sterben. Wer schon mal eine derartige Rhythmusstörung hatte, weiß wovon ich rede. Hinzu kam ein total matschiger Kopf. Ich hatte irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass ich elektrolytisch total entgleist war. Ich hatte aber keine Erklärung dafür. Es konnte nicht mehr an der plötzlich reduzierten Bewegung liegen. Zudem muss ich sagen, dass ich mich im Moment definitiv genug bewege. Was also war der Grund für diese Entgleisung? Da ich mich seit Monaten mit Mikronährstoffen, Wechselwirkungen und dem ganzen Kram auseinander setze, war ich genau die richtige Person, um die Ursache der Probleme zu detektieren. 

Was war anders? Meine Ernährung war wie immer. Ich hatte das Gefühl, dass mit meinem Kalium was nicht stimmt. Bisher hatte ich an einen Mangel gedacht. Aber das konnte eigentlich bei meiner Ernährung vorne und hinten nicht sein. Meine Magnesiumeinnahmen hatten meine Problematik auch nur verschlimmert. Und plötzlich war da dieser Verdacht… ich habe keinen Mangel. Ich habe eine Kaliumüberdosierung! Das würde auch erklären warum unter Magnesium die Problematik schlimmer geworden ist. Denn Magnesium hemmt die Ausscheidung von Kalium in gewisser Weise. Aber warum zum Henker hatte ich diesen Überschuss? Mir fielen die Thrombosespritzen als einziger Unterschied ein. Ich suchte nach den Nebenwirkungen. Und tatsächlich gab es eine Wirkung auf den Aldosteronhaushalt. Jenes Hormon, das für die Regulation der Elektrolyte mit verantwortlich ist. Viel Aldosteron scheidet viel Kalium aus. Und meine Thrombosespritze vermag dieses Aldosteron zu hemmen. Dies ist eigentlich zwar nur bei Niereninsuffizienz oder der Einnahme von Medikamenten, die den Kaliumspiegel erhöhen, von Relevanz, aber halt nur eigentlich. Denn wahrscheinlich wurden noch nie Untersuchungen an Personen durch geführt, die einen immens hohen Anteil an Kalium in ihrer Ernährung aufweisen (Sehr viel Salat, Gemüse, Avocado), deren Ernährung einen ziemlich geringen Kohlenhydratanteil aufweist und die viel Muskulatur durch Stilllegung auf Grund eines Beinbruches verloren haben. Jetzt mag man sich auf den ersten Blick fragen, was all diese Dinge mit einander zu tun haben. Aber alle Punkte für sich genommen erhöhen den Blutspiegel an Kalium. Das ist so. 

Ich dachte über meine Symptomatik nach. Sie war erst in den letzten Tagen abends so schlimm geworden. Davor war es irgendwie nicht so schlimm. Aber warum? Ich recherchierte wann meine Clexane ihr Wirkmaximum hat. Nach 10-12 Stunden. Da ich im Moment wieder morgens spritzte, passte das mit dem Zeitpunkt der schlimmsten Symptomatik überein. Und da fiel es mir ein! Ich hatte Mittwoch im Rahmen meines Vortrages vergessen zu spritzen. Ich hatte nämlich im Krankenhaus  immer abends eine Spritze bekommen und hatte diesen Rhythmus mit nach Hause genommen. An dem Abend des Vortrages hatte ich vergessen zu spritzen und erst Donnerstagmorgen wieder gespritzt. Und tatsächlich hatte ich den ganzen Donnerstag keinerlei Beschwerden gehabt. Die hatten erst am Abend wieder begonnen. Hinzu kam auch noch die Angewohnheit abends sehr viel Avocado zu verspeisen. Und diese ist eine totale Kaliumbombe. Ich war ein Stück weit schockiert über die Folgen meiner Ernährung und der Wechselwirkung. Wie gravierend die Überdosierung von Kalium ist, sieht man daran, dass es das Kalium ist was einen bei einer Niereninsuffizienz umbringt. So viel zu einem zu hohen Kaliumspiegel. 

Diese ganzen Erkenntnisse kamen nun nachdem ich meine Spritze bereits in meinen Körper verfrachtet hatte. Mein gewöhnliches Frühstück war auch schon drin und mein Herz rappelte heiter vor sich hin. Okay, die einzige Möglichkeit die Situation zu ändern war ein purer Albtraum! Ich musste für den restlichen Tag ungesunden Kram verspeisen. Viele Kohlenhydrate, Salz und bloß nix mit Kalium. Nix Frisches. Und das habe ich dann heute durch gezogen und den Abend sogar mit Wein beendet, denn auch der haut einem das Kalium raus aus dem Körper. Und der Kracher ist, ich habe nicht das geringste Stolpern mehr. Nichts. Einfach ein komplett normaler Herzrhythmus. Ab morgen werde ich die Spritze weg lassen und mein normales Essen konsumieren und wenn ich stabil bleibe, lag es an der Spritze. Definitiv. Mittwoch habe ich dann schon meinen Kontrolltermin. Dann wird es wohl hoffentlich bergauf gehen. Oh man, was mir mein Geburtstag alles eingebrockt hat. Aber immer hin hatte ich auf diese Weise heute mit meinen Eltern ein nachgeholtes Geburtstagskuchenessen. Das hatte es nämlich bisher noch nicht gegeben. Also alles irgendwie mit happy end. 


Montag, 19. März 2018

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder an der Zeit etwas auf der Tastatur rum zu hämmern. Mein letzter Eintrag ist nicht lange her, aber dennoch haben sich ein paar Erkenntnisse in mein Brain geschlichen. Naja, nicht geschlichen. Vielmehr habe ich ein paar Feststellungen gemacht. Zum einen denke ich derzeit, dass ich meine Krankengeschichte nicht zu einem Buch zusammen fassen werde. Auch wenn ich es hier angekündigt habe. Der Stoff ist nicht gerade aufregend und würde höchstens als Schlafmittel dienen. Ich habe zwar schon einiges abgetippt, aber dies dient immerhin als persönliche Geburtstagsgeschichte. Punkt zwei der Tagesordnung: Ich habe mir viele Gedanken bezüglich eines realistischen Comebacks in Sachen Wettkämpfe gemacht. Wäre September wohl möglich? Maybe. 

Wie wäre es, wenn ich mir zur Motivation ein Ziel nehme? Natürlich nicht! Aber warum denn nicht? (Das ist hier gerade ein kleiner, interner Dialog zwischen zwei sich unterhaltenden Gehirnzellen. Oh ja, ich besitze tatsächlich sogar zwei davon) Der Grund warum ich mir kein Ziel setzen möchte ist der, dass ich gerade noch nicht einmal weiß wie schnell ich wieder gehen kann. Gehen! Nicht etwa laufen. Mein rechtes Bein ist nun tutti completti weg rationalisiert. Ich habe sogar an der Wade Haut übrig. Ich kann den Hautlappen richtig in die Hand nehmen. Und dieses Phänomen habe ich sogar an meinem Fuß. Er ist sichtlich dünner als der linke Fuß und wirft richtig Falten, weil mein Fuß die zur Verfügung stehende Haut nicht mehr auszufüllen vermag. Ich empfinde das als total abgefahren. Der Mensch ist so eine wahnsinnige Anpassungsperfektion, das es mich immer wieder sprachlos macht. 

Ich arbeite im Moment mit Volldampf an einem dennoch aufbauenden Grundzustand. Das heißt mit anderen Worten, das ich meinem restlichen Körper und den Muskeln Reize setze, um nicht komplett die Form zu verlieren. Auf diese Weise rette ich meinen Kreislauf, der durch die mäßige Fortbewegungsmöglichkeit echt ziemlich runter reguliert ist. Mein Grundumsatz, der vor meinem Unfall bei 2500 kcal pro Tag lag ist nun um 1000 kcal reduziert und nun nur noch bei ca. 1500 kcal pro Tag. Essen tue ich allerdings die gleiche Menge. Suche den Fehler.  Ich bin also –außer meinem rechten Bein – hochgradig anabol unterwegs. 

Ich habe mich vermessen und zum Glück hatte ich eine Woche vor meinem Unfall auch eine Vermessung durch geführt. So habe ich die Entwicklung meines Körpers nun schwarz auf weiß. Eigentlich ist es blau auf weiß, da die Stiftfarbe Blau war. Ich habe ziemlich zugelegt. An Umfang. Oder sagen wir es etwas präziser: Ich habe mein rechtes Bein abgebaut und habe das Gerümpel von da unten nach oben gebaut. Mein Brustumfang, was auf einen explodierten Latissimus und Pectoralis zurückzuführen ist, ist von 86 cm auf 93 cm gewachsen. Der Bizeps von 27,5 cm auf 29 cm. Liegestützen und Bizepscurls sei Dank. Der Bauchumfang hat sich zum Glück nicht verändert.  Mein linkes Bein hatte vor meinem Unfall einen Umfang von 56 cm. Jetzt hat es nur noch 53 cm. Das ist prozentual für so ein Bein ganz schön viel. Die Wade, die ja absolut gesehen noch dünner ist, hat ebenfalls satte 3 cm verloren. Sie ist jetzt gerade quasi nicht mehr da. Und ich probiere alles Mögliche zu tun, um die Degeneration aufzuhalten. Aber mein Körper lacht sich indes ins Fäustchen und denkt sich „Lass die Alte mal machen, ich fresse die Wade trotzdem auf“.*rülps* 

Aber zum Glück, wird sie sich auch wieder an die Belastung anpassen. Ich kann mir jetzt zwar noch nicht vorstellen gehen und laufen zu können, aber ich weiß dass das wieder funktionieren wird. Genau wie Auto fahren, Einkaufen gehen und ohne Krücken und Staatsakt nachts auf Klo gehen zu können. Das wird schon wieder. Und wenn nicht, dann werde ich mit meinen bis dahin explodierten Armen durch die Gegend laufen. Nochmal kurz zurück zu der anfänglichen Zielsetzung. Was ist aus meinen Zielen geworden? Ich habe schlicht und ergreifend Angst mir Ziele zu setzen, die ich nicht erreichen kann. Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch echt ne Mimi, aber das ist mir egal. Ich will meinen Körper nicht unnötig stressen. Vor allem psychisch nicht. Der Leistungsgedanke ist ohnehin in unserer Welt viel zu dominant. Wenn ich schnell wieder laufen kann, dann freu ich mich und werde auf der Welle der Freude das Beste machen. Und wenn ich nicht so schnell fit sein sollte, dann werde ich mich weiterhin in läuferischer Enthaltsamkeit üben. Außerdem hat mein Gehirn auch noch jede Menge Speicherkapazitäten, die es gilt zu füllen. In diesem Sinne, werde ich mich nun weiter auf die Expansion meiner grauen Zellen und Muskelzellen oberhalb der Gürtellinie konzentrieren.  

Freitag, 16.03.18

Gewicht: 58,5 kg

Liebes Tagebuch,

mein Gewicht hat sich scheinbar in den Sphären zwischen 58,5 kg und 59,0 kg eingependelt. Muskelverlust von einem Kilo? Hmmm...zumindest bin ich nur noch Besitzer von einem Wadenmuskel. Aufgrund der nicht funktionsfähigen Muskel-Wadenpumpe rechts ist der Muskel noch weiter geschrumpft. Diese "Pumpe" ist für die kommenden drei Wochen auch weiterhin Tabu. Daher wird auch fleißig weiter Clexane gespritzt. Es ist für mich zum Ritual geworden. Die Spritze ist ein Teil meiner Tagesstruktur, genau wie meine Squats, Liegestützen und Bizepscurls. An besonderen Tagen werde ich von lieben Menschlein abgeholt und darf etwas erleben. Lebensmittel einkaufen oder gar zu meinem Pony fahren. So hat mich diese Woche die liebe Petra abgeholt und hat meinem Pony zu etwas Bewegung verschafft. Danke, liebe Petra!! Der Gute hat durch das fehlende Training mit meiner Wenigkeit auch schon ordentlich Speck angesetzt. Warum soll es Ponys auch besser gehen als uns? Ansonsten kamen diese Woche alle Restfäden ex. Nächste Woche wartet dann mein Doppeldecker Vortrag auf mich. Und danach die Woche gibt's schon den nächsten Meilenstein...


Sonntag, 11.03.18

Gewicht: 58,6 kg

Liebes Tagebuch,

nun ist fast eine Woche vergangen. Meine Rekonvalesenz schreitet gemächlich vor sich hin. Ich habe mir einen Trainingskomplex aus Squats, Liegestützen und Bizepscurls gebastelt und arbeite dies täglich ab und bin heil froh, dass das überhaupt möglich ist. Meine täglichen Hausarbeiten funktionieren zwar entschleunigt, aber immer hin. Heute bin ich auf allen Vieren durch die Wohnung gekrabbelt und habe die Meerschweinchen sauber gemacht und habe mit einem Handfeger den Boden gefegt. In meinem Beutel hatte ich eine zusätzliche Mülltüte, in die ich den Schmutz entleert habe. Staubsaugen mal anders. Auf diese Weise lernt man den Schmutz viel intensiver kennen. Also, ich würde sagen es läuft rund. Mein nächster Vortrag steht auch in den Startlöchern. Bei Interesse könnt ihr gerne mal unter dem Punkt Vorträge stöbern. Mein neues Armband ist auch da und hat das Op-Bändchen abgelöst. "Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen." 

Meine Schritte werden in der nächsten Zeit sehr klein sein, aber ich habe gelernt dass es auf jeden einzelnen ankommt. Ich bin so froh, dass ich so viele liebe Menschen in meinem Umfeld habe, die mir gerade bei den unmöglichen Tätigkeiten jenseits meines Rollbrettes helfen. Sei es beim Einkaufen oder bei den Dingen, die mein Pony betreffen. Da sind mir gerade echt die Hände gebunden bzw. an die Krücken gefesselt. Ich danke euch von ganzem Herzen. 

Mein Fuß stinkt im Übrigen mittlerweile wie ein Jahrzehnte gereifter Stinkekäse. Bäh! Aber okay. Am Ende wird alles gut... 

Hier wieder ein paar Bilder aus dem Krückenalltag. Es wird zunehmend unspektakulärer.


Montag, 05.03.18

Gewicht: 58,4 kg

Liebes Tagebuch,

nicht nur an meinem Gewicht ist die Selbstverdauung meiner Muskeln zu erkennen. Auch optisch ist der Verlust von Muskulatur sichtbar. Meine rechte Wade sieht aus wie ein Lappen. Keine Muskelkonturen mehr. Es ist lustig und zu gleich bewundernswert wie effizient der Körper haushaltet. Von wegen einen Muskel aus optischen Gründen erhalten. Was nicht arbeitet wird gandenlos abgesägt. Mein Tag war ansonsten geprägt durch eine wunderbare Frühlingsstimmung. Einfach wundervoll. Morgen kommen die Fäden raus. Ein weiterer Schritt. Ich habe mir heute ein Armband mit individueller Gravur bestellt. Dieses soll dann bald mein Op-Band ersetzen. Ich habe mir dafür folgenden Spruch überlegt: 

Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen.

Und das war mein Tag in Bildern:


Freitag, 02.03.18

Liebes Tagebuch,

so langsam tritt tatsächlich eine Art Routine ein. Ohne, dass ich meine Tage bewusst plane, habe ich einen Rhythmus entwickelt, der jeden Tag sehr gleich ist. Ich habe mich an die Fortbewegung und den Umgang mit meinen Krücken im täglichen Leben gewöhnt. Ich probiere jeden Tag vorsichtig ein bisschen mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Die Wunde könnte noch besser sein und der Fuß definitiv hübscher, aber das stört mich gerade nicht sonderlich. Ich habe mein Mittagessen heute aus praktischen Gründen direkt in einen Topf mit Deckel gefüllt. Das kann man dann etwas schneller transportieren. Rollbrett ist natürlich auch ne coole Nummer, aber ist schon etwas umständlicher. Und "umständlich" ist im Moment bei allem was ich tue mein dritter Vorname. Und während ich so aus meinem Napf gefuttert habe, kam mir die Idee, dass ich den Kaffee in der Tasse doch in die Plastikschale stellen könnte und dann in meine Tasche. Auf diese Weise könnte ich dann sogar einen Kaffee draußen trinken. Und der Plan sollte aufgehen. Ohne zu plempern hab ich friedlich nen Kaffee in der Sonne geschlürft. Und mit diesem Mega-Highlight verabschiede ich mich mal ins Wochenende. Ich wünsche Dir mindestens genauso tolle "Mega-Highlights" und bleib immer schön wachsam für die kleinen Erfolge des Alltags. 


Donnerstag, 01.03.18

Liebes Tagebuch,

nun ist seit der Operation genau eine Woche vergangen. Ich bin in meinem neuen Alltag zu Hause angekommen. Die ersten Tage mit der Unterstützung meiner lieben Mutter und meines Partners und nun bin ich tagsüber auf mich alleine gestellt. Meine Mutter ist wieder zu Hause und mein Freund muss den Tag über arbeiten. Aber das klappt alles sehr gut. Ich habe fabelhafte Unterstützung durch meine beiden Krücken, eine Umhängetasche und mein Rollbrett. Ich bin noch immer ziemlich entspannt und komme auch mental gut zurecht. Selbst die vielen sportlichen postings bei Facebook jucken mich nicht. Bis jetzt. Ich weiß nicht wie es in ein paar Wochen aussieht, aber derweil freue ich mich über die Minifortschritte und darüber, dass alles so gut verlaufen ist. Gedanken an Ballern oder Wettkämpfe sind ganz weit weg. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie sich die Sache mit dem Ballern anfühlt. Und dabei wird es jetzt erst mal bleiben, bei dem freudigen Erinnern. Ich habe heute einen kleinen Ausflug gemacht. Um ehrlich zu sein war es nur einmal die Straße rauf und runter. Aber am Ende der Straße ist ein kleiner Kuhstall. Ich habe den Kühen das erste Mal einen Besuch abgestattet. Sonst renne ich dort immer nur vorbei und vernehme das Muhen der Kühe nur am Rande. Aber jetzt bin ich entschleunigt. Ich habe Zeit den lieben Kühen in ihre großen Augen zu blicken. Das war ein wunderbarer Besuch. Unspektakulär. Aber schön. Und sonst so?! Mit meinem Rollbrett läuft es rund. Ob Kaffee oder Mittagessen, es bringt brav die Dinge zum Tisch, die ich nicht in meinem Beutel transportieren kann. Und mein Bein bekommt jeden Tag ein paar mehr Schritte aufgebrummt und der restliche Körper darf sich auch in regelmäßigen Abständen betätigen. Denn Bewegung braucht auch der entschleunigte Mensch. Nun werde ich darüber nach denken, wie ich meinen Meerschweinchen bei bringen kann mein Rollbrett für mich von A nach B zu ziehen. Das wär doch mal was, sich von seinen kuscheligen Meerschweinchen den Kaffee bringen lassen. 


Sonntag, 25.02.18

Liebes Tagebuch,

mein Geburtstag ist nun eine Woche her und mein Leben hat sich seit dem einmal komplett auf links gedreht. Ich habe Zitronen bekommen und hab natürlich keine Limonade draus gemacht. Das wäre ernährungsphysiologisch inkorrekt. Ich hab die Zitronen statt dessen mit Haut und Haaren gefressen. 

Sauer. Macht. Lustig. 

Ich habe eine kleine Fotodokumentation der letzten Tage gemacht. Bilder sagen mehr als 1000 Wörter. Und die 1000 Wörter dazu sind in Arbeit. 


Dienstag, 20.02.18

Liebes Tagebuch,

passend zu meinem letzten Eintrag mit dem Eisbad ist mein Training auf Grund meiner eigenen Trotteligkeit auf Eis gelegt. Beim Energiecross in Neukirchen habe ich mir in der letzten Runde das Wadenbein gebrochen. Und das ganze an meinem Geburtstag. Jackpot! Aber ich sehe es tatsächlich als Geschenk. Es hat mir ohne Aufforderung mein Leben auf ein Minimum an Geschwindigkeit runter gedrosselt und mir gleichzeit die Gelegenheit gegeben darüber nach zu denken wohin ich will und was zu den essentiellen Dingen zählt. Und außerdem hat mir meine Situation gezeigt welche Menschen auf einmal für einen da sind und einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich habe gefühlt wie Bekannte, Freunde und nur "Facebook-Freunde" einem Zuversicht, Mut und Kraft geben. So viel Aufmerksamkeit bin ich gar nicht gewohnt. Ich bin doch eigentlich nur das kleine, pinke Menschlein das ihr Essen fotografiert und nervige Posts über gesundes Futter macht. Nun, ich fühle mich immer noch, auch nach meinem Knochendesaster, beauftragt mehr Ernährungsaufklärung in der Welt zu verbreiten, sowie eine artgerechte Haltung des eigenen Körpers. Am besten ohne Knochenbrüche. In jedem Falle möchte ich helfen ein glücklicheres Leben zu führen. Und das immer im jetzt. Und weißt Du was? Ich bin glücklich. Jetzt. Und das obwohl ich mit meinem gebrochenen Haxen hier rum liege, mich klebrig fühle, mein Kreislauf gerade keinen Plan hat was ich da gerade mache, da er ja ein ganz anderes Aktivitätsniveau gewohnt ist und ich echt Angst vor der Operation habe. Aber ich bin glücklich. Und nun werde ich mich übermorgen ins Krankenhaus verabschieden und das was ich erlebe und bisher erlebt habe fasse ich in einer kleinen Lektüre zusammen. Daher wird hier für die nächsten Wochen eine Phase der Enthaltsamkeit walten. 

Bis bald. 

Bleib gesund. 


Coming soon..


Sonntag, 11.02.18

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist eisig. Aber dies konnte mich nicht davon abhalten am Samstag in unseren Teich zu steigen und ein Eisbad zu nehmen. Die wunderbare Kraft der Kälte auskosten. Auch wenn es etwas Überwindung kostet den Körper in diese ungemütlich und beinahe lebensfeindlich temperierte Flüssigkeit zu tunken, ist das Gefühl danach umso belohnender. Wichtig ist nur, dass man sich danach gut aufwärmt und sich nicht zu lange unterkühlt.

Grundsätzlich bewirkt der Kältereiz eine Reihe gesundheitsfördernder Auswirkungen auf den Körper. Unter anderem wird das weiße Fettgewebe dazu ermutigt zu wärmeproduzierendem, braunen Fettgewebe zu mutieren. Man passt sich dadurch an die Kälte an und produziert mehr Wärme. Dies hat den Vorteil, dass wir nebenbei einfach mehr Fett verbrennen und dadurch mehr Kalorien verheizen.

Aber genug zu dem Kältemassaker in unserem Teich. Mein heutiger Tag startete mit der gewohnten Runde Flow Yoga. Ich freue mich jeden Morgen darauf, obwohl ich anfänglich immer noch ganz schön verschlafen und unbeweglich bin. Ich zelebriere es als eine Art morgendliches Ankommen im eigenen Körper. Das mag jetzt etwas merkwürdig klingen, aber sind wir nicht alle ein bisschen bluna?

Wie dem auch sei, nach meinem morgendlichen Ankommen gab es die „Vorwettkampfsmahlzeit“ mit schnell verdaulichen Kohlenhydraten in Form von Haferflocken, etwas Trockenobst und frischem Obst, sowie einem guten Anteil Eiweiß in Form von Magerquark, um die Verdauungszeit etwas zu strecken und den Pool an Aminosäuren aufzufüllen. Danach ging es dann frisch gestärkt nach Hamm. Es regnete und ein ungemütlicher Wind fegte einem das ganze nasskalte Gedöns ins Gesicht. Die gefühlte Temperatur war irgendwie kälter als im Eisbad.

Aber beim Laufen würde mir sicher warm werden. Die Bewegungsenergie würde es sicher richten. Bevor es los ging, musste ich mich allerdings bis zur letzten Minute ins Auto kuscheln. Irgendwie fehlte der Laufmodus an diesem Morgen. Wo war der Grell zum Ballern hin? Ich hatte ihn wohl im Eiswasser versenkt. Nach ein paar Kilometern „warm“ laufen war ich einigermaßen gewillt die 15 km zu rennen. Das Problem der 15 km war ihre Länge. Denn die 15 km lagen außerhalb meiner derzeitigen Trainingsreichweite. Kaum zu glauben, aber meine Läufe „beliefen“ sich immer unterhalb der 10 km Marke. Lediglich bei den Wettkämpfen in den letzten Wochen bewegte ich mich mit Warm- und Auslaufen über der 10 km Marke. Somit fühlten sich 15 km ballern gerade etwas artfremd an. Wie würde dies erst in zwei Wochen werden, wenn der Halbmarathon anstand?! Aber dies gehörte zu den Bereichen, die ich derzeit noch erfolgreich verdränge.

Um 10:00 Uhr ging es dann auf die Strecke. Meine Beine fühlten sich relativ unspektakulär an. Weder voll noch leer. Irgendwie waren sie unauffällig. Nach 1 ½ Runden im Stadion ging es auf die Wendepunktstrecke. Ich hatte mal wieder das Gefühl, dass alle davon fegten. Ich konnte irgendwie nicht mit fegen und lies die schnellen Hasen davon hoppeln. Ich konnte in dem bunten Haufen ein paar Damen erkennen, die in den letzten Wochen eigentlich langsamer waren als ich. War ich heute langsamer als sonst? Ein Blick auf die Uhr würde es mir verraten, aber dies tat ich ja aus Prinzip nicht. Ich blieb in meinem Tempo und lies die Kilometer vorüber gehen. Bei Kilometer zwei entdeckte ich die Gummipuppe, die vor zwei Wochen noch im Baum gehangen hatte, unten im Gebüsch liegen. Hätte ich nicht gewusst, dass es sich um eine Gummipuppe handelt, hätte ich das Häufchen Gummi nicht mehr als solche identifizieren können. Ich konzentrierte mich weiter auf mein Tempo. Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen 15 km zu ballern. Aber wenigstens war mir mittlerweile wirklich schön warm. Ich tastete mich an verschiedene Damen heran, die die letzten Wochen hinter mir waren. Anscheinend waren sie heute nur sehr schnell gestartet. Ich hatte die Hoffnung, dass ich doch keinen schlechten Tag hatte.

Die Kilometer vergingen und ich sortierte mich in eine kleine Gruppe von Läufern. Einen riesigen schwarz gekleideten Läufer und einen blauen Läufer. Eigentlich wollte ich diese Beiden nur kurz überholen, aber wie es bei manchen Männer-Egos so ist, funktioniert das mit dem Überholen nicht immer direkt. Jedes Mal wenn ich im Überholmanöver war, rasten die Beiden wieder los. Der Blaue blickte sich dabei immer wieder um und guckte, ob ich hinter her komme. Immer wieder amüsant. Wir erreichten Kilometer fünf. Bald würde der Gegenverkehr beginnen, dann würde es wieder eng werden. Der schwarze Riese machte wieder einen Satz nach vorne. Das Problem war, dass er so groß war, dass er mit seinen spitzen Ellenbogen immer vor meinem Schädel rumwedelte und dazu auch noch Kopfhörer im Ohr hatte und in seiner eigenen Welt unterwegs war. Der Gegenverkehr kam. Es wurde wieder problematischer mit dem Überholen. Ich musste wieder an den Ellenbogen vorbei.

Nach zwei weiteren Kilometern kam der Wendepunkt dann endlich auch für mich. Jetzt war ich der Gegenverkehr. Ich war auf dem Rückweg. Der Gegenwind hielt sich in Grenzen. Meine Beine fühlten sich zäh an. Vor allem die hintere Oberschenkelmuskulatur war wenig erfreut über das, was ich ihr da abverlangte. Sie wollte wieder in den Teich. Abhängen. Ich zog weiter und das Spiel mit meinen beiden Männern, dem Blauen und dem Schwarzen mit seinen gefährlichen Ellenbogen, ging weiter. Sie ließen nicht locker und versuchten mich immer wieder zu versägen. Die letzten Kilometer kamen, ich passierte ein zweites Mal die leere Gummipuppe im Graben und machte mich wieder auf den Weg zurück zum Stadion.

Ich hatte mittlerweile meine beiden Wegbegleiter abgeschüttelt. Für einen kurzen Moment hatte sich eine weitere Dame mit einem Hasen an meine Fersen gehängt. Der Hase war äußerst eifrig in der Motivation seiner Begleiterin. Ich hatte mich schon gefreut bis zum Ziel mit so viel Motivation und Moderation zu laufen, aber die Zeit in meinem Windschatten dauerte nicht allzu lange und sie ließen wieder abreißen. Den letzten Kilometer lief ich mehr oder weniger alleine. Ich hatte zwar noch genug Läufer in Sichtweite, aber in nächster Nähe war keiner mehr. Ich bog in das Stadion ein. Das Ziel war nahe. Ohne irgendwas an meiner Platzierung zu ändern drehte ich meine letzte Runde auf der Bahn. Ich stoppte meine Zeit. 1:07:57. Das war ein gutes Stück schneller als beim Silvesterlauf.

Ich freute mich auf mein Belohnungsfutter, auf eine warme Badewanne und einen ruhigen Sonntagnachmittag. Es geht doch nichts über den zufriedenen Zustand nach getaner Arbeit.


Sonntag, 04.02.18

Liebes Tagebuch,

diese Woche hätte planmäßig im Zeichen der Erholung und Regeneration sein sollen. Ich verfolge derweil zwar keinen Trainingsplan, aber zumindest versuche ich regelmäßig Regenerationswochen einzustreuen. Aber halt irgendwie nur theoretisch. Anfang der Woche hatte ich einfach keine Lust auf Füße hoch legen. Ich wollte mich bewegen. Allein die Vorstellung von nichts tun machte mich ganz nervös. Also, was tun? Auf die trockene Trainingstheorie hören oder dem scharrenden, wilden Homo Sapiens in mir nach geben? Natürlich letzteres. Und so kam es, dass ich mir für heute einen spontanen Wettkampf gesucht habe. Nach einem kurzen Hin und Her wo meine Wochenendreise hingehen soll, entschloss ich mich zu einem Besuch bei meinen lieben Eltern in Neuss. Dort in der Nähe fand heute der 2. Lauf der Hildener Laufserie statt.

Bereits vor dem Wecker wurde ich heute wach und mein Körper verlangte nach einer ziemlich zügigen Blasenentleerung. Noch ziemlich gerädert schlappte ich auf die Toilette. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch eine Dreiviertelstunde bis zum Einsatz meines Weckers hatte. Nun gut, irgendwie lohnte es sich nicht mehr sich nochmal hinzulegen. Ich verbrachte die Zeit mit einer Schlafanalyse meiner Uhr und ein paar Durchgängen Flow Yoga. Nicht nur subjektiv war meine Nacht nur dürftig, auch objektiv hatte meine Uhr einen eher mäßig guten Schlaf aufgezeichnet. Ein Blick auf die Temperatur ließ mich bereits drinnen frösteln. Brrrr… es waren um die 0°C. Zumindest würde ich dann richtig wach werden.

In der Küche fiel mein Blick auf einen kleinen Kalender, den meine Mutter im Fenster stehen hatte. „Liebe ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.“ Das war ein schöner Spruch. Lächelnd machte ich mir meine Henkersmahlzeit fertig und futterte den Quark mit Haferflocken, Hanfproteinpulver, Äpfelchen, Nachtkerzenöl, Macadamianüssen und etwas Trockenobst.

Frisch gestärkt packte ich dann meine sieben (wahrscheinlich waren es eher 70) Sachen und machte mich startklar. Ich machte mich auf die Heimreise mit einem „kleinen“ Zwischenstopp in Hilden. Der Lauf lag quasi auf meinem Heimweg. Ich hatte auf der Homepage auf einen Anfahrtslink geklickt und hatte mich dann direkt über mein Handy dort hin lotsen lassen. Ich erreichte mein Ziel und guckte mal wieder etwas blöd aus der Wäsche. Auf dem Parkplatz war ich zwar nicht alleine, aber alle die hier aus dem Auto kraxelten sahen eher aus, als würden sie zur Rentnergymnastik kriechen. Ich blickte mich um. Hier war kein Lauf. Okay, auf was für einen Anfahrtslink hatte ich da eigentlich geklickt? Es war bereits 10:00 Uhr und der Start des 10 km Laufes war für 10:50 Uhr geplant. Und ich stand mal wieder irgendwo auf diesem Planeten und hatte keinen Plan von nix. Kichernd und vor mich hin brabbelnd stöberte ich in meinem Handy nach der Ausschreibung und wurde pfündig. Ich hatte die Anfahrt des Vereins genommen und nicht die Anfahrt der Veranstaltung. Wie dem auch sei. Gehirnzellen werden auch total überbewertet. Ich startete ein 2. Mal meine Navi-Tante und fuhr brav den Anweisungen hinterher. Dieses Mal zum Glück mit Erfolg. Bunte Läufer wuselten durch einen Stadtwald und durch den lichten Wald waren die Banner der Laufveranstaltung zu erkennen.

Ich meldete mich flink nach und machte mich warm. Gerade bei diesen Temperaturen war das Warmlaufen wichtig, damit sich seine Strukturen nicht schrottet. Ich fühlte mich eigentlich ganz gut. Ein Tick dynamisch, gepaart mit einer guten Portion Grelligkeit gleich mit den anderen um die Wette zu laufen. Vor der Startlinie bildete sich wieder der klassische Läuferschwarm. Alle warteten frierend auf den Gnadenschuss, der uns endlich auf die Piste schicken würde, damit wir uns mit selbstgemachter Muskelwärme wieder aufheizen konnten. Ich freute mich.

Irgendwie war ich total Tiefenentspannt, schließlich hatte ich eine theoretische Ruhewoche hinter mir. Praktisch war sie tatsächlich mit mehr Trainingsumfängen behaftet, als die Wochen davor. Aber das war mir egal. Ich fühlte mich gut. Ich hatte mal wieder auf mein Gefühl gehört und mein Training daran angepasst. Man durfte nur nicht Kopf und Gefühl verwechseln. Und das tat ich nicht oder etwa doch?

Es ging los. Wie so oft beim Start wurde ich gnadenlos über rannt und nach hinten durch gereicht. Ui, das schien ein schnelles Feld zu sein. Egal, ich probierte mein Tempo zu Laufen. Die Strecke führte mit kleinen „Wellen“ durch den Wald. Eine schöne Strecke. Um auf die 10 km zu kommen mussten wir eine 5 km Runde zweimal laufen. Diese Konstellation gefällt mir immer sehr gut. Egal auf welcher Distanz. Zwei Runden laufe ich immer gerne. Nach ein paar Kilometern hatten sich die wilden Läufer etwas beruhigt und ich fing an mich stetig in dem Feld nach vorne zu arbeiten. Ich probierte mich von den Überholmanövern nicht zu verleiten zu lassen zu schnell zu werden. Die Strecke war durch die Hügel eh schon sehr unrhythmisch. Mit jedem weiteren Kilometer fühlte sich mein Körper immer besser.

Als ich in die 2. Runde ging wurde die dritte Frau anmoderiert. Hatte er mich gemeint? Meinen Namen hatte ich nicht gehört. Aber eine andere Frau konnte ich nicht sehen. Ich lief weiter und dachte noch eine Weile darüber nach. Plötzlich fiel mir auf, dass einer der Läufer vor mir eine Frau war. Sie war so eingemummelt, dass ich sie nicht erkannt hatte. Ich überholte sie und freute mich. Das musste nun der dritte Platz sein. Ein Treppchenplatz. Ich rannte weiter und versuchte wieder zu forcieren. Vor mir konnte noch eine weitere Frau erkennen. Das musste Platz zwei sein. Ob ich sie wohl kriegen würde? Ich hatte keine Ahnung. Ich versuchte mich nicht verrückt zu machen und lief einfach meinen Schlappen weiter. Kleine, zarte Schneeflocken fielen vom Himmel und gleichzeitig schien die Sonne durch das Geäst. Eigentlich viel zu schön, um zu ballern.  Ich passierte Kilometer acht. Jetzt waren es noch läppische zwei Kilometer. Es würde jetzt noch einmal einen kleinen Berg hoch gehen und erfahrungsgemäß konnte ich das eigentlich ganz gut. Der Abstand zu der zweiten Dame war Stück für Stück geschmolzen. Aber ob ich es ganz an sie dran oder sogar an ihr vorbei schaffen würde, wusste ich nicht.

Der Anstieg kam und ich zog an. Da ging noch was. Mit bewusst kleinen Schritten probierte ich den Abstand zu verringern. Bildete ich es mir ein oder wurde er wirklich kleiner? Konnte ich es schaffen? Ich zog weiter und weiter. Kilometer neun. Jetzt hatte ich nur noch einen Kilometer. Die zweite Dame war zum Greifen nah. Los jetzt. Go. Ich probierte noch einen Gang hoch zu schalten und näherte mich immer weiter bis ich sie tatsächlich überholen konnte. Jetzt musste ich das Tempo nur noch halten. Es ging ein letztes Mal um die Kurve. Heiliger Bimbam, das Ziel war irgendwie noch weiter weg, als ich es in Erinnerung hatte. Einfach weiter ziehen. Das Ziel kam nur in Zeitlupe näher. Ob die zweite Dame wohl an mir dran hing? Ich konnte nichts hören. Ein paar Meter vor dem Ziel hörte ich auf einmal hinter mir ein Getöse und Gejubel. Und dann hörte ich die Schritte. Eine hohe Schrittfrequenz. Und dann ein Stoß an meinem linken Arm. Ein schwarz gekleideter Läufer zersägte mich mit Mach drei und flog vor mir im Tiefflug ins Ziel. Ich musste mich tatsächlich kurz etwas sortieren. Weiter, Du musst auch noch über die Ziellinie! Ich machte die letzten Schritte und überquerte die Ziellinie. Ich stoppte die Zeit. Ich hatte eine Punktlandung unter 45 Minuten gemacht. 44:59. Im Ziel wartete eine üppige Verpflegung auf uns.

Die letzte Dame, die ich noch überholt hatte, kam zu mir und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserem Lauf. Sie strahlte so vor Freude und erzählte mir, dass sie erst seit acht Monaten läuft. Ihr Mann und ihre Kinder kamen zu ihr und freuten sich mit ihrer Mama. Ich bekam eine Gänsehaut von der liebevollen Stimmung und mir fiel wieder der Kalenderspruch meiner Mutter ein.

„Liebe ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es verschwendet.“ Was war das nur für ein schönes Happyend. Zufrieden fuhr ich weiter nach Hause und freute mich auf mein Belohnungsfutter. Ich hatte Richtig Lust auf Lachs. Und Ei. Und natürlich was Grünes dazu. Vielleicht auch noch was Weißes. Blumenkohl. Oh ja, das war ein guter Plan.


Sonntag, 28.01.18

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

die Hammer Laufserie hat begonnen. Irgendwie ist die Hammerserie der Einstieg in die neue Saison. Obwohl ich jetzt schon ein paar „Einstiege“ hatte und schon wieder voll drin bin im Wettkampfgeschehen, ist diese Serie nochmal ein besonderer Saisonbeginn. Seit ein paar Jahren wurde der Streckenverlauf geändert und das ewige „Rundengedrehe“ im Park wurde zu Gunsten einer langen Wendepunktstrecke auf der anderen Seite des Kanals geändert.

Da der 10 km Lauf dieser Serie für viele Läufer zu einem richtigen Saisonstart dazu gehört und hier auch viele schnelle Läufer kommen, ist dieser Lauf immer ziemlich gut besucht. Auf Grund dieser Tatsache wurde bisher der Lauf auf zwei Starts aufgeteilt, damit es auf der Strecke nicht zu voll wird. Für dieses Jahr wurde diese Maßnahme eingestellt und es gab nur noch einen Start. Es würde also ziemlich voll werden auf der Strecke. Aber gegen einen kuscheligen Lauf mit viel Körperkontakt ist bei einem so windigen Wetter wenig einzuwenden. (Man kann sich alles irgendwie schön reden.)

Mein Körper fühlte sich eigentlich ganz gut an. Es gab keinerlei „Wehwehchen“ oder andere körperinterne Unstimmigkeiten. Mein Lauffieber war noch immer am Brodeln. Ich hatte einfach nach wie vor Bock zu rennen. Zeitliche Ziele hatte ich nicht. Ich wollte natürlich bei der Serie wieder einen guten Altersklassenplatz abstauben, aber dies war nun mal auch davon abhängig, wie stark die Konkurrenz war. Naja gut, natürlich auch wie stark ich war. Ich erreichte zeitig den Ort des Geschehens und drückte mich durch das volle Zelt, das für die Anmeldung, Siegerehrung und vor allem ganz wichtig für die laaaaange Kuchentheke aufgestellt worden war. Ich holte mir meine Startnummer, die Nummer 31, und machte mich bereit. Es herrschte ein reges Treiben. Aus allen Richtungen strömten die Läufer in den unterschiedlichsten Farben. Läufer sind schon immer ein wunderbar bunter Hafen und das in vielerlei Hinsicht. Eine tolle heterogene Gemeinschaft.

Ich machte mich warm und fühlte in meine Strukturen. Der Befund war unauffällig. Ich fühlte mich weder vor Power strotzend, noch schlaff. Also irgendwie okay. Um kurz vor 11:00 Uhr sammelten sich dann die Massen vor der Startlinie. Wie so oft bei Läufen, die in einem Stadion starten, drängen die meisten nach vorne. Alle wollen vorne stehen, damit sie gut weg kommen. Und dies führt zu einem wilden Gerangel. Normal bin ich hier sehr zurückhaltend und stelle mich nicht so weit nach vorne, weil ich niemanden behindern möchte. Aber im heutigen Fall wollte ich schon relativ weit vorne stehen.

Um kurz nach 11:00 Uhr ging es dann los. Ich stand gut. Ich kam einigermaßen gut weg, trotz der vollgestopften Bahn. Meine Beine fühlten sich plötzlich total aufgepumpt an. Was zum Henker war das denn? Wie eigenständige Moppeds legten sie los. Ich bewegte mich mit ruhig-kontrolliertem Atem durch das Läuferfeld. Ich hatte sofort mein Tempo. Es fühlte sich gut an. Wir überquerten den Kanal und die Lippe und machten uns mit dem Wind im Rücken auf den Weg Richtung Wendepunkt. Irgendwann begann der Gegenverkehr. Die Spitze kam uns entgegen und nach der Spitze folgten logischerweise alle, die vor mir waren. Die Strecke wurde nun etwas eng. Ich hatte Kilometer 4 passiert und probierte nun bei meinen Überholmanövern nicht in den schnellen Gegenverkehr zu geraten. Kurz vor dem Wendepunk lief ich auf eine Gruppe auf, die sich etwas breit machte und mir das Überholen links unmöglich machte. Da ich nicht frontal mit dem Gegenverkehr kollidieren wollte, tat ich etwas im Straßenverkehr total Verbotenes. Ich überholte rechts. Und das auch noch neben der Strecke über Stock und Stein und matschigen Untergrund. Ich merkte sofort, dass diese Aktion Körner kostete.

Ich erreichte den Wendepunkt und begab mich in den Gegenwind. Die Beine fingen an zu jammern. Aber immerhin hatte ich nun freie Bahn und musste nicht mehr offroad laufen. Nach ein paar Metern wurde mir dann aber klar, dass freie Bahn bei frontalem Gegenwind auch nur mittel ist. Egal. Go hard or go bzw. fly home. Ich fand im Wind mein Tempo und fühlte mich wieder etwas kontrollierter. Nach dem Überholmanöver und den ersten Metern im Wind hatte ich mich kurzzeitig etwas geplättet gefühlt. Aber nun lief es wieder einigermaßen rund. Ich überholte vereinzelte Läufer und motivierte mich das Tempo noch mal zu forcieren. Dies ist bei Gegenwind nicht ganz so einfach. Es wurde mit jedem Kilometer zäher. So soll es sein. Kurz vor Kilometer 8 vernahm ich etwas Rosafarbenes in einem Baum hängen. Ich dachte erst es sei ein Schweinekostüm. Es ist ja schließlich bald Karneval, da kann sowas schon mal sein. Während ich darüber nach dachte, ob der Sturm Friederike irgendeinem armen Jäcken das Kostüm weggeblasen hatte, stellte ich fest dass es kein Schweinkostüm war. Es war eine Gummipuppe, der die Luft ausgegangen war. Mein Gehirn lachte still vor sich hin bei dem Anblick der leeren Puppe im Baum. Nun hoffte ich nur, dass es mir auf den letzten Metern nicht genau wie dieser Puppe ergehen würde und mir die Luft nicht ausgehen würde.

Wir überquerten die Brücke und machten uns dann auf den letzten Kilometer. Ich fühlte mich noch immer gut. Ich probierte weiter zu ziehen. Wie immer hatte ich keine Ahnung was ich da für eine Pace lief. Und es war mir auch egal. Im Ziel würde ich es sehen. Ich erreichte das Stadion und versuchte die letzten Körner zu mobilisieren. Nach 44:07 überquerte ich die Ziellinie. Ich rang kurz nach Atem und freute mich über das Resultat. Der Lauf hatte sich einfach gut angefühlt.

Meine Bestzeit auf 10 km lag bei 43:12, was ca. eine Minute schneller ist. Aber in Anbetracht der vollen Strecke und dem Wind war diese Zeit schon ziemlich nah dran. Aber eigentlich war ich überhaupt nicht im Bestzeitenmodus. Ich war gerade streng genommen nur etwas grelle auf Rennen, wobei mein Trainingspensum derzeit mit nur 30 km pro Woche ziemlich moderat war. Auf der Ergebnisliste stellte ich nach dem Lauf dann fest, dass ich in meiner AK den 4. Platz belegt hatte.

Das war schon mal kein schlechter Start für meinen Kampf um einen Altersklassenplatz. Mal schauen wie viele von den schnellen Ladys aus meiner Altersklasse auch die Serie komplett laufen. Mit einem leckeren Käffchen und meinem Lieblingsfutter endete Teil eins der Serie. Ich bin gespannt wo die „Serienreise“ dieses Jahr hin geht.


Samstag, 20. Januar 2018

Gewicht: 60,0 kg (Nach langem, laaaaaangem hin und her zwischen 59,9 kg und 60,0 kg hat sich die Waage dann doch zum Aufrunden entschlossen) 

Liebes Tagebuch,

der Plan sah es eigentlich nicht vor heute bereits zu rennen. Normalerweise hätte es erst morgen den Welver Crosslauf gegeben, aber wie hier bereits geschildert wurde dieser wunderbare Lauf von Madame Friederike weg geblasen. So hatte ich mir gestern dann spontan eine Ersatzhandlung gesucht und war beim Werler Kurparklauf hängen geblieben. Den hatte ich in meiner bisherigen Laufkarriere noch nie unter die Treterchen genommen. Ein Grund mehr, um hier mal ein paar Runden zu drehen. Gesagt getan. Mit einer verkürzten Kohlenhydratspeicherung habe ich mich dann heute für den Lauf vorbereitet. Der verkaterte Hintern war noch immer am „miauen“, aber ansonsten gab es wenig Grund zur Sorge. Die Beine fühlten sich okay an und die Motivation und Freude wieder zu rennen war mehr als okay. Da dieses Wochenende ja eine gewisse Note der Spontanität besaß, habe ich mir als Henkersmahlzeit mal ganz was Neues zubereitet. 40 g Quinoa mit 14 g Erdnussbutter, einer zermatschten Banane, 2 Macadamia Nüssen, 7 g Mandelmehl, 250 g Magerquark  und ca. 23 g Eiweißpulver. Das geschulte Auge erkennt, dass selbst in meiner „Kohlenhydrat-Phase“ der Eiweißanteil überwiegt. Vielleicht mag der ein oder andere sich fragen „warum tut sie das??“ Und die Antwort lautet: Sie tut das, weil es funktioniert.

Aber kommen wir zu den interessanteren Dingen. Dem Laufen. Mit Sack und Pack habe ich mich dann mittags auf die Reise nach Werl gemacht. Da ich grob wusste wo ich hin musste, habe ich davon abgesehen die Navi-Tante zu starten. Dies endete natürlich in einem kleinen Verfahr-Manöver. Wie soll es auch anders sein. Ich musste dann doch das Navi um Rat fragen. Und das endete ebenfalls mit einem verwirrten Gesichtsausdruck.  „Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt links.“ Da war nur nix. Ein leerer Parkplatz. Keine Menschenseele. Einfach „nüchts“. Nach einer längeren Stippvisite durch die Sportanlagen überlegte ich, ob ich einfach wieder Heim fahren sollte. War der Lauf vielleicht doch abgesagt? Und ich habe es anscheinend als einziger Homo Sapiens der Untergattung Läufer nicht mit bekommen? Zum Glück kamen dann noch eine Läuferin, sowie eine bekannte Läuferin, die sich auskannte. Es geht doch nicht über Insiderwissen. Sie führte uns in den Kurpark zum Start- und Zielbereich. Hier waren tatsächlich ein paar Menschen bzw. Läufer. Ich fühlte mich ein kleinwenig wie in einer Oase nach einer Reise durch die Wüste und Einsamkeit. Okay, dies ist vielleicht etwas dramatisiert formuliert, aber in jedem Fall freute ich mich über die Läufer-Zivilisation im Kurpark.




Um 14:20 Uhr wurden wir dann im Startfeld nach Schulmanier alle namentlich aufgerufen. Sowas hatte ich schon einige Male erlebt und es amüsiert mich jedes Mal aufs Neue. Und dann ging es los. Sechs Runden durch den Werler Kurpark, der den Besuch von Friederike auch nicht verleugnen konnte. Überall lagen Äste rum und es sah alles etwas verwüstet aus. Aber zumindest lagen keine Bäume rum. Der Boden war an vielen Stellen schlammig und ich sah nach den ersten Metern schon aus wie ein Ferkel. Also, wie immer.

Das Feld schoss in einem Tempo davon, dass es mir schwer machte mein eigenes Tempo zu finden. Wenn alle so schnell weg sind, ist man gewillt hinter her zu rennen. Nicht, dass die Läufer-Zivilisation doch auf einmal wieder futsch ist und man alleine ist. Mit viel Disziplin zwang ich mich mein Tempo zu laufen. Die Strecke ging immer wieder etwas hoch und runter. Und da es ein kleiner Rundkurs war, ging es auch immer wieder um diverse Kurven. Kurve recht, Kurve links, Kurve rechts, Kurve links, hoch, runter, Kurve rechts, hoch, Kurve links und runter. Nach den ersten Runden war ich komplett orientierungslos. Ich lief einfach und klammerte mich gedanklich nur an die Rundenzahl, damit ich mich nicht verzähle. „Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4…“ Ich dachte nur noch an die jeweilige Rundenzahl und freute mich über jede kleine Anfeuerung vom Streckenrand. Und endlich ging es in die letzte Runde. Jetzt musste ich nicht mehr nur noch an diese Zahl denken. Ich wusste, dass ich jetzt nur noch diese Runde beenden musste. Meine Beine fühlten sich mittlerweile von der Matsche und den ganzen Bodenwellen etwas dick an. Aber mein Körper fühlte sich trotz der Belastung gut an. Vor mir lief ein Bekannter, der in greifbarer Nähe war. „Ob ich ihn noch bekomme vorm Ziel?“ Nein, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass da noch was ging. Die letzte Kurve vorm Ziel kam und auf einmal war ich direkt an ihm dran. Ich war etwas verwundert darüber, dass ich auf einmal so dicht hinter ihm war. Gemäß meiner „taktiklosen“ Renntaktik überholte ich ihn. Was dann geschah ist der Klassiker. Unter lautem Anfeuern der Zuschauer machte mein Bekannter einen Zielspurt, dem ich nur noch von hinten zuschauen konnte. Wow, Respekt was da noch für eine Schnellkraft drin steckte. Ich stoppte meine Uhr nach exakt 30:40 und beendete meinen Wochenendwettkampf.

Ich trabte zu meinem Auto und fühlte mich irgendwie beflügelt. Es war ein Gefühl der Dankbarkeit, vermischt mit einer absoluten Übersättigung mit Sauerstoff. Auch wenn es keine große Veranstaltung mit vielen Teilnehmern war, war es eine liebevoll organisierte Veranstaltung mit vielen netten Menschen. Zufrieden nuckelte ich mein After-Run-Drink aus und machte mich auf die Heimreise.  

Spontane Ersatzhandlung geglückt.


Freitag, 19. Januar 2018

Liebes Tagebuch,

irgendwie verlangt das Leben hin und wieder ein gewisses Maß an Spontanität. Der gestrige Tag hat uns kleinen Würmchen mal wieder gezeigt, wie mächtig die Natur ist. Der Sturm Friederike hat hier alles kurz und klein gepustet. Ich fand es unglaublich bedrohlich, dieses tiefe Brummen und Grollen des Windes und die wahnsinnige Kraft mit der er bzw. die übermütige Friederike alles wie Spielzeug umher gewirbelt hat. Heute sieht die Welt da draußen aus wie bei diesen Hempels unterm Sofa. Wer auch immer diese Hempels sind. Die kennen wahrscheinlich auch diese Katze von Schmitz, die der Redewendung nach immer abgeht. Wie dem auch sei. Ich war eben eine traben in diesem Chaos und bin nicht gerade abgegangen wie die besagte Katze, sondern bin sehr bedächtig durch die zerstörte Welt geschlappt. Es war ein bedrückendes und gleichzeitig erleichterndes Gefühl. Auf der einen Seite traurig was der Wind alles zerstört hat und auf der anderen Seite war ich froh, dass ich wieder frei draußen umher laufen konnte. Nach einer guten Stunde war ich wieder zu Hause und fragte mich, ob der Wald in Welver für den Crosslauf am Sonntag überhaupt „belaufbar“ ist. Wenn dort auch alles so zerstört ist wie hier, dann wäre ein Lauf nicht möglich. Nach einer kleinen Rutsche Körperhygienemaßnahmen schaute ich im Internet nach und stellte tatsächlich fest, dass er abgesagt wurde auf Grund der Folgen von Frau Friederike. Mein nächster Blick ging in den Laufkalender. Ersatzhandlung. Werler Kurparklauf. Der Kurpark war anscheinend von dem Zorn der Friederike nicht in dem Maße zerstört worden. Allerdings schon morgen und nicht Sonntag. Nun denn, dann wird halt morgen gerannt. Ohne Ruhetag und ohne dementsprechend lange Kohlenhydraterhöhung im Futter.

Dies hier war mein Mittagessen:

Und das mein Nachmittagssnack:

 

Kohlenhydratgehalt jeweils nur 19 %. Damit bekommt man keinen Glykogenspeicher pralle. Naja, und dann wäre da auch noch dieser Muskelkater von meinem gestrigen Workout. Ich sag nur: Rückenstrecker. Mir brennt der Hintern und der untere Rücken wie verrückt. Aber das ist alles besser als bei dem Wetter zu frieren.

So, jetzt muss ich aber mal mein Abendessen vorbereiten, damit noch was schneller Stoff in den Körper kommt. Ansonsten nutze ich einfach den brennenden Hintern als Antrieb.

Ach ja und dann muss ich auch noch schnell die Waschmaschine mit meinen Laufsachen füttern, sonst muss ich morgen nacktflitzen und das wäre mir eindeutig zu kalt und zu exhibitionistisch.

Ich freu mich auf morgen, auch wenn es total unplanmäßig ist.


Sonntag, 14.01.18

Gewicht: 60,3 kg

Liebes Tagebuch,

der Tag meines ersten Wettkampfes 2018 ist gekommen. Meine Vorfreude war die letzten Tage immer weiter gestiegen. Ich hatte wieder richtig Lust zu Laufen. Freitagnachmittag hatte ich allerdings einen kleinen Stolperstein in Form eines nicht so guten Trainingslaufes. Nicht gut, weil ich mich einfach nicht so pralle gefühlt hatte. Nun gut, diesen Lauf hatte ich auch in ausgelutschter und kohlenhydratkastrierter Verfassung gemacht. Bei dem Lauf hatte ich mich gefühlt, als hätte ich 100 km abgerissen. Tatsächlich hatte ich gerade mal 9 km geschafft. Nach dem Lauf hatte mein Futter zwar eine Kohlenhydratsteigerung erhalten, aber aus experimentiertechnischen Gründen eine nur sehr begrenzte Form. Ich fühlte mich nun am Tag X meines Saisonstartes etwas unsicher. Würde ich vielleicht wieder in so eine Verfassung geraten wie am Freitag? Würden die Kohlenhydrate reichen? Ich wusste es einfach nicht.

Die Nacht auf Sonntag war nicht nur kurz auf Grund einer Geburtstagsfeier am Samstagabend, sondern auch unruhig. Ich hatte mir tatsächlich nachts Gedanken über meinen Kohlenhydratstatus gemacht und überlegt, ob ich nachts nochmal eine kleine Stippvisite durch die Küche machen sollte. Ich hatte es nach langem hin und her dabei belassen und darauf gehofft, dass meine Speicher genug Stoff zum Rennen haben. Nach einer kleinen Portion Wasser im Gesicht, sowie in den Mund und in den Magen, ging es erst zu einer Runde Flow Yoga in mein Entspannungzimmerchen. Fühl den Atem, den Sauerstoff, die Entspannung, die Freude und das Bewusstsein über die Besonderheit eines jeden Momentes.

Nach meinem energiespendenden Flow gab es mein energiespendendes Futter, das mir hoffentlich gleich am Förderturm die entsprechende Power verleihen würde und mir bestenfalls nicht schwer im Bauch liegen oder mich zu „Gebüsch-Zwangs-Handlungen“ treiben würde.



Vor dem Lauf gab es wieder die üblichen Dinge, die ein Läufer vor seinem Rennen zu tun hat. Startnummer holen, diese einigermaßen gerade an den Bauch pinnen, mehrere Male auf Toilette rennen, Selfies mit einem rumstehenden Shetlandpony machen, mit lieben Bekannten quatschen und sich warm laufen. Beim Warmlaufen wurde ich so nervös, dass sich mein Verdauungstrakt mit einer aufflackernden Reizdarmsymptomatik meldete. Ich stürmte auf Klo und betete, dass genügend Toilettenpapier vorrätig ist. Ich scannte die Toilette und atmete ein weiteres Mal an diesem Tag tief durch. Es war genügend Material da. Damit konnte man arbeiten.

Nach meinem kurzen Zwischenstopp ging es noch eine Runde durch das Wohngebiet rund um den Förderturm. Das Warmlaufen war bei den eisigen Temperaturen gar nicht so einfach. Nun gut, wenn man sich dementsprechend anzieht, fällt das Warmlaufen auch leichter, aber irgendwie widerstrebt es mir auf Wettkämpfen lange Hosen zu tragen. Das mag vielleicht psychologisch sein, aber ich habe das Gefühl, dass mich die lange Hose beim schnellen Laufen hindert. Ich habe bei Wettkämpfen immer die Devise „Hauptsache der Torso ist warm“. Die Beine werden schon von alleine warm.

Da mich die letzten Tage die Kür von Ingrid Klimke zu dem Lied Hulapalu so sehr bewegt hatte, hörte ich kurz vor Start noch ein paar Durchläufe von dem ohrwurmpotenten Lied.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mit der Melodie im Kopf ging es an den Start des 10 km Laufes. Mit dem Förderturm im Rücken startete der erste Wettkampf 2018 bei wunderbarem Winterwetter. Der Himmel strahlte in einem prächtigen Blau, die Sonne ließ sich auch endlich mal wieder richtig blicken und der Runner‘s Point Vanman schickte uns mit motivierenden Worten auf die Wendepunktstrecke. Ich lief langsam los und wühlte mich vorsichtig durch den Läuferschwarm. Meine Beine fühlten sich so wahnsinnig kraftvoll und dynamisch an. Mein Körper fühlte sich endlich wieder leicht und unbeschwert. Die letzten Monate hatte ich ein derartiges Laufgefühl nicht im Ansatz vernommen. Ich hatte bei meinen Läufen vielmehr eine maximale Bodenhaftung praktiziert. Aber so ein Gefühl wie heute war schon lange nicht mehr da gewesen.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und versuchte den Flow zu spüren. Keine komplizierten Gedanken, keine Probleme, einfach nur Laufen, atmen und die Freude spüren. Mir war klar, dass wenn ich diesen Lauf schnell laufen wollte, früher oder später das Gefühl der Freude in den Hintergrund rutschen würde. Auf meinem Weg raus aus der Komfortzone würde irgendwann das Gefühl der Erschöpfung und der Kurzatmigkeit überwiegen. Die Strecke führte erst in eine 3 km Runde und von dort aus am Kanal entlang auf eine Wendepunktstrecke. Bei km 6 ging es dann wieder zurück. Ich hatte ein konstantes Tempo und fühlte mich noch stabil. Keinerlei Schwäche, Unterzuckerung oder sonstige Beschwerden. Anscheinend hatte mein Ernährungsexperiment geklappt und meine Speicher genügt Input zum Ballern. Ich versuchte immer weiter zu ziehen. Die Atmung wurde langsam aber sicher immer lauter. Noch zwei Kilometer. Der Förderturm und das Ziel waren schon in greifbarer Nähe.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mir entglitten ein paar Zeilen des Refrains. Dafür reichte die Puste noch. „Lauf zu Deiner Freude“ ging es mir durch meinen Kopf. Ingrid Klimke hatte als Leitspruch „Reit zu Deiner Freude“. Und aus irgendwelchen Gründen hatte mein Hirnchen sich gerade folgenden Leitspruch ins Laufen übersetzt. Und dann entdeckte ich auf einmal vor mir eine gelbe Läuferin. Konnte ich sie wohl noch überholen? Kilometer 9. Es war noch ein Kilometer und ich hatte eine reelle Chance an sie heran zu kommen. Es sei denn, sie macht noch einen Endspurt. Denn ich war mittlerweile am Anschlag. Nix ging mehr. Der Abstand schmolz. Die Strecke bis zur Ziellinie allerdings auch. Die letzten Meter vor dem Ziel waren sehr kurvig.

Foto Runner's Point Vanman

Sollte ich taktisch klug laufen und länger hinter ihr bleiben und auf den letzten Metern vorbei ziehen oder sollte ich es einfach jetzt schon tun? Ich war nie ein „Taktikrenner“, sondern immer ein Gefühlsläufer. Ich zog einfach direkt an ihr vorbei. Wenn sie die Körner besitzen würde, um gegen zu halten oder mich im Endspurt von hinten nochmal zu überholen, dann hätte sie unseren persönlichen Kampf verdient gewonnen. Ich ließ sie hinter mir und fokussierte nur noch den Zielbogen und den Vanman. Wenn sie nochmal vorbei ziehen würde, dann wäre es halt so. Ich konnte keinen Fatz schneller. Ich überlief in 44:31 die Ziellinie und hatte es geschafft. Einen erfolgreichen und wunderbaren Start in das neue Laufjahr. Ich rang um Atem, drehte mich um und gratulierte meiner gelben Konkurrentin.

Auf den Ergebnislisten stellte ich dann fest, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, meine AK zu gewinnen und als 9. Gesamtfrau das Rennen zu beenden.

Ein wunderbarer und erfolgreicher Lauftag endete bei einem ebenso wunderbaren Sonnenuntergang auf dem Pferderücken meines Ponys.


Samstag, 6. Januar 2018

Gewicht: 60,6 kg

Liebes Tagebuch,

eine wunderbare Woche der Regeneration liegt nun hinter mir. Nach dem Silvesterlauf hatte ich tatsächlich mehrere Tage einen mittelmäßigen Kater an